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WirrWarr
1993
Sonix !
'Never Enough Now'
Für frischen Wind in der
Ruhrgebiets-Undergroundszene sorgen die Sonix mit ihrer 7-Song-Debut-CD.
Sicherlich sind sie für manche keine Unbekannten mehr, denn zuletzt
waren die Vier in der Zeche Bochum und als Support von Captain Sensible
im Musik-Zirkus zu hören und sehen. Die Band besteht zu drei Vierteln
aus Studenten, was sich aber keineswegs negativ bemerkbar macht, denn
die Wurzeln dieser Band liegen im gänzlich unakademischen Punk. Darüber
hinaus wissen die Sonix aber auch mit genügend anderen Musikstilen
umzugehen. Nach einigen durchweg ausgezeichneten und abwechslungsreichen
reggae- und rockbeeinflußten Songs endet die Platte mit der wunderschön-traurigen
Ballade "walking with my pain". Einziges Manko der CD: Mit nur
21 Minuten ist die Spieldauer entschieden zu kurz. Weitere Infos und die
Möglichkeit die (recht preiswerte) Platte zu ordern gibt's bei: Jochen
Kuthe, Stühmeyer Str. 56, 44787 Bochum, 0234/685986
Phantoms Of Future
'This Flight Tonight'
Die neue Platte von dortmunds
schillernster Band enthält als Titelsong eine Studio-Coverversion
von Joni Mitchel und dreizehn Livesongs der letzten Tour. Wer die Phantoms
schon ´mal live gesehen hat, weiß, daß eine Live-Platte
bestenfalls nur ansatzweise die Atmosphäre eines ihrer Konzerte wiedergeben
kann. Ein Video wäre dazu sicherlich das geeignetere Medium gewesen.
Aber trotzdem: Die Aufnahmequalität ist ebenso gut, wie die Auswahl
der Stücke, die mit Ausnahme von "Dr. Codeine" und dem
Titelsong allesamt auch schon auf den drei Studioalben veröffentlicht
worden sind. Sie geben dafür aber einen guten Überblick über
das vielseitige Schaffen der Phantome. Ohne Einschränkungen kann
ich jedoch zum Besuch eines ihrer außergewöhnlichen Live-Konzerte
raten (nicht nur wegen der pyrotechnischen Effekte). Gelegenheit dazu
gibt's am 24.12. in Hagen, am 25.12. in der Live-Station und am 26.12.
in Unna (jeweils zusammen mit den Secrets Of Cash ´n´ Carry).
The Secrets Of Cash ´n´
Carry
'Use'
Die drei Dortmunder melden
sich nach einer zweijährigen kreativen Schaffenspause zurück
und liefern dabei gleichzeitig ihr bestes Album ab. Das musikalische Spektrum
deckt alle möglichen Bereiche zeitgenössischer Gitarrenmusik
ab. So sind auf ihrer mittlerweile dritten Platte neben ruhigen und akustischen
auch einige kraftvolle und rauhe Songs vertreten. Die Bezeichnung "Dortmunds
Antwort auf Buffalo Tom" scheint also gar nicht so ganz abwegig zu
sein. Dabei ist der Rock ´n´ Roll der Secrets Of Cash ´n´
Carry trotz vielfältiger Einflüsse durchgehend eigenständig.
Mit dieser Platte (und ihrem neuen Label/Vertrieb) könnte es die
Band vielleicht tatsächlich schaffen, ihren Insider-Status gegen
reichlich Ruhm und Ehre einzutauschen. Ihre Live-Qualitäten stellen
sie an den Weihnachtsfeiertagen unter Beweis (s. Plattenbesprechung von
Phantoms Of Future).
1994
GRAVE DIGGER
Symphony Of Death
Allein der geistreiche Bandname
und der feinsinnige Titel dieses Albums lassen schon das Genre erahnen.
Die Musik ist tatsächlich genauso innovativ, wie das wunderschöne
Vierfarb-Hochglanzcover (Skelett mit Mönchskutte und Geige) und die
hervorragenden, sehr persönlich gehaltenen, sozialkritischen und
engagierten Texte. Hier eine kleine Zusammenstellung der aussagekräftigsten
Refrains: "We fight, we kill, we die, we play, we dance to a symphony
of death" ... "We´re back - back to the roots, heavy metal
rules" ... "Shout it out, we´re ready to rock now"
usw.. Die Texter Chris Boltendahl und Toni Göttlich haben sich hier
einmal mehr als brillante Lyriker entpuppt. Der Rest der Texte ist mindestens
genauso einfallsreich und zeugt von einer überaus innigen Auseinandersetzung
mit der Thematik des Sterbens. Alles in allem bewegen sich GRAVE DIGGER
fernab jeglicher Klischees und betreten mit ihrer neuen Platte zweifelsfrei
musikalisches Neuland.
MEDFIELD, MA
"Journal Entries"
Wer Mitte Oktober den Auftritt
von Medfield, MA beim "Fight Fascism" Konzert im Fritz-Henßler-Haus
verpaßt hat, kann sich mit ihrer neuen Platte trotzdem an deren
absolut genialer Musik erfreuen. die fünf Jungs aus Lübeck.
Hüsker Dü, Moving Targets, Nirvana...
momentan auch international das Beste in Sachen ...
SPLATTERHEADS
"Fish Biscuit"
Über diese Platte muß
man nicht viele Worte verlieren. Die Band kommt aus Australien und hört
sich auch so an: dreckiger Aussie-Rock der stark an deren Landsleute Cosmic
Psychos, Bored... erinnert und vermutlich auch von AC/DC beeinflußt
ist.
Single, drei Songs lange Platte "BOT - The Album"
NELSONS WEDDING
"Just Married"
Durch ihre ständige Bühnenpräsenz
in der Hafenstadt Dortmund dürfte diese Band selbst bei Süßwassermatrosen
und sogar bei Landratten bekannt sein. Der Ruhr-Sechser ist nämlich
berüchtigt für seine Shanties, die von einer ziemlich unchristlichen
Seefahrt erzählen. An Bord sind neben der üblichen Besatzung
auch z.B. Geige, Akkordeon, Flöte, Dudelsack und Mandoline. Die Crew
segelt auch auf ihrer Debut-CD stets hart am Wind, durchkreuzt auf ihrem
Törn diverse musikalische Gefilde und hält dennoch ständig
den eigenen Kurs. Spätestens bei "Drunken Skipper" bemerken
wir, daß der Vergleich mit den Pogues fast so sehr hinkt, wie Kaptain
Ahab mit seinem Holzbein. Absoluter Live-Tip !
KALYNA KRASNAYA
"Kalyna Krasnaya"
Hinter diesem Namen verbergen
sich keine Krsna-Jünger, sondern Andrej Novikov, Vassilij Galaktionov,
Anderj Ponomarov, Sergej Shpynov und Oleg Mitin - fünf Straßenmusiker
aus St. Petersburg. Ihr auffälligstes Merkmal ist der riesige dreisaitige
und dreieckige Balalaika-Bass. Der Musik und dem Tanztheater der fünf
Russen ist es zu verdanken, daß ab und zu auf dem Westenhellweg
ein Hauch von Vodka Gorbatschow, Kreml, Sibirien und Königsberger
Klopse zu spüren ist. Ihre Lieder tragen so klangvolle Namen, wie
"Pjatorotschka", "Yablotschko" oder "Marlboro".
Kalyna Krasnaya sind zwar live zweifellos am besten, aber mit dieser 20minütigen
CD und einer Flasche Vodka kann man sich durchaus ein Stück Russland
in die eigenen vier Wände holen. Mit riesigem Abstand das Beste in
westlichen Fußgängerzonen ! Infos: ( 0231/103577
BACK FROM THE LOO
"My Lord, We Found A Spoon"
Fast jeder kennt sie von den
Toiletten der sog. Szene-Kneipen: die kleinen quadratischen Aufkleber
von CUD. Diese Band hat sich jetzt umgetauft (der vorherige Name war schon
vergeben) und sendet (als) Back From The Loo mit ihrer ersten Lp ein Lebenszeichen
aus dem schon oft totgeglaubten dortmunder Untergrund. Dabei entpuppen
sich BFTL als dortmunds beste Hardcore-Band, die bisher jedoch viel zu
wenig Beachtung gefunden hat. Musikalisch wird straighter und dabei melodischer
Hardcore zum Besten gegeben, der weder in stupides Geknüppel noch
in allzu softe Klänge ausartet. Die Scheibe gibt´s nur als
Lp, nicht als CD.
MEDFIELD, MA
"Journal Entries"
Wer Mitte Oktober letzten Jahres
den Auftritt von Medfield, MA beim "Fight Fascism" Konzert im
Fritz-Henßler-Haus verpaßt hat, kann sich mit ihrem überaus
gelungenen Debut-Album trotzdem an dieser hervorragendern Musik erfreuen.
Die fünf Jungs aus Lübeck verarbeiten das beste der letzten
Jahrzehnte zu einem eigenständigen melodischen Sound, der irgendwo
zwischen Hüsker Dü, Moving Targets, Dinosaur Jr, Lemonheads,
Buffalo Tom und Nirvana anzusiedeln ist. Diese Band gehört für
mich momentan zum Besten des Gitarrenrock-Genre.
RICO & HIS BAND
"You Must Be Crazy"
Der legendäre Ska-Posaunist
Rico Rodriguez wurde 1934 in Kingston geboren und etablierte sich schnell
in der jamaikanischen Musikszene. Später hat er zusammen mit bekannten
Größen, wie z.B. Bob Marley, Linton Kwesi Johnson oder den
Specials gespielt. Aufgenommen wurde diese offizielle Live-Platte am 29.
März 1994 im FZW. Am 2. Dezember kam der Altmeister endlich an den
Tatort zurück, um sein Werk vorzustellen. Die Soundqualität
der auf dem dortmunder T´Bwana-Label erschienenen Platte ist absolut
erstklassig. Der satte und angenehm warme Klang von Ricos Posaune wird
sehr authentisch ´rübergebracht. Unterstützt wurde er
von zahlreichen hervorragenden Musikern, darunter auch ein über 70jähriger
Percussionist. Bemerkenswert ist auch die eigenwillige Version von "Take
Five". Alles in allem ist "You Must Be Crazy" eine sehr
schöne, ruhige Ska-, Rocksteady-, Reggae- und Hardbop Jazz-Platte.
SPLATTERHEADS
"Fish Biscuit"
Über diese CD-Single muß
ich nicht viele Worte verlieren. Die Band kommt aus dem fernen Australien
und hört sich auch so an: Herrlich dreckiger Raw-Power-Aussie-Rock
der stark an deren Kollegen Saints, Cosmic Psychos, Bored, MC 5, Radio
Birdman, frühe AC/DC und Konsorten erinnert. These guys kick butt!
SUN
"XXXX"
Nach dem Tod von Kurt Cobain
ist Grunge zwar von den Medien für tot erklärt worden; einige
Bands scheinen sich davon aber nicht beeindrucken zu lassen. So auch die
mönchengladbacher Band Sun, die mit ihrem vierten Album ein überaus
abwechselungsreiches Werk vorlegt, das verschiedene Facetten des sog.
Alternative-Rock umfaßt. Zu eher langsamen, rockigen Songs, die
stellenweise stark an Pearl Jam erinnern, gesellen sich einige tonnenschwere
brachiale Stücke, wie sie sonst eigentlich nur Helmet fertigbringen.
Sehr schön !
THE WHISKY PRIESTS
"Dol-li-a"
"The Power And The Glory"
Der Schlagzeuger dieser nordenglischen
Truppe hat zwar schon vorher bei Punk- Bands, wie den Toy Dolls und Angelic
Upstarts getrommelt; stilistisch ist bei den Whisky-Priestern aber eher
Power-Folk a la Pogues angesagt. Auf "Dol-li-a" ist, neben einer
Weihnachtsballade, der Titelsong in fünf verschiedenen Versionen
zu hören. Dieses alte englische Kinderlied ist der Höhepunkt
bei Konzerten der Whisky Priests und deshalb ist diese Platte für
wahre Fans dieser Band zweifellos ein Muß. Für Leute, die keine
fanatischen Anhänger dieser Band sind, ist das letzte Album der fünf
Engländer eher zu empfehlen: Feiner Folk-Rock, der auf dieser Platte
etwas ruhiger ist, als auf den vorherigen Veröffentlichungen, dafür
aber um so mehr für Fernwehgefühle sorgt.
1995
#7:
Erfreulicher Weise gab´s
in den letzten Wochen und Monaten einige sehr interes-sante Neuerscheinungen
an Tonträgern, insbesondere aus dieser Region.
Es scheint sich ja mittlerweile herumge-sprochen zu haben, daß die
PHANTOMS OF FUTURE eine ziemlich ungewöhliche und großartige
Band sind. Mit ihrer neuen CD "Call Of The Wild" beweisen sie,
daß ihrem Sound der (langersehnte) Wechsel zur bösen und mächtigen
Musikindustrie keinesweg geschadet hat. Im Gegenteil: Die Musik der Phantoms
ist insgesamt härter und straighter geworden, was nicht heißt,
daß auf der neuen Platte nicht auch noch wunderschöne Melodien
und abgedrehte Songstrukturen Platz finden. Lediglich die allzu radiotaugliche
neue Version von "A-round The World" (mit Chor) hatten sie sich
sparen können. Wer die CD-Präsentation in der Live Station verpaßt
hat (der Laden war ´mal wieder an zwei aufein-anderfolgenden Tagen
gut gefüllt), sollte auf jeden Fall die momentane Tour nutzen, die
Band nochmal zu sehen, bevor sie ganz groß ´rauskommen.
Ebenfalls aus Dortmund und bei dem gleichen Plattenriesen unter Vertrag
sind die CHAINSAW HOLLIES, deren Debut "Bob" schon vor einigen
Monaten erschie-nen ist. Zu hören gibt´s mitreißenden
Po-wer-Pop irgendwo zwischen "Chainsaw" und "Hollies",
der Live seine optimale Wir-kung entfaltet.
Neues gibt´s von NELSONS WEDDING, die jetzt erstmals zwei Stücke
in deutscher Sprache veröffentlicht haben. Auf der CD-Single "Ohne
mich" gibt´s zwei Lieder, die schon auf ihrem Debut in englisch
zu hören waren sowie Instrumen-talversionen von diesen Songs. Passend
zur POPKOMM soll dann eine komplette deutschsprachige Langspielplatte
folgen.
Eine ganz besonders interessante Platte für lokalpatriotische MusikliebhaberInnen
ist sicherlich der Sampler mit dem Titel "STAUBTROCKEN", auf
dem sechs dortmunder Bands vertreten sind. Neben den drei schon zuvor
genannten Gruppen, sind noch CHEAP TEQUILA, LES JACKS und THE BILLY RUBIN
mit dabei. Aufgenommen wurden die insgesamt elf Songs in Schnitzels vier
m2 großer Ra-diosprecher-Kabine (DO 91,2) und zwar live und akustisch.
Letzteres hat zur Folge, daß auch eher härtere Bands auf dieser
Scheibe ziemlich ruhig klingen. Limitierte Auflage (500 Stück)
... THE LANE aus Hagen, 6-Song-Split-CD mit CANDY FACTORY, ....
TERREMOTO PARTY aus Bochum "Infermezzo", zwei völlig unterschiedliche
Sänger sehr abwechselungsreicher Hardcore, ...
Bereits im Februar erschienen ist der CROSSING ALL OVER Vol. 3 Sampler
auf dem sowohl international bekannte Bands wie z.B. Clawfinger, Red Hot
Chili Peppers, Rollins Band, Dog Eat Dog, Gre-en Day und Biohazard als
auch weniger bekannte wie Sun, Spermbirds, H?Blockx oder Blackeyed Blonde
vertreten sind. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern dieses Samplers
ist auch hier wieder sowohl die stilistische Vielfalt von Punk und Hard-core
über Grunge bis Hip-Hop als auch die Fusion der genannten Musikstile
namens-gebend.
BLACKEYED BLONDE "Masafag-ga" peinliches Cover, Hardcore-Hip-Hop,
Ghetto und Saarländischer Slang...
Vom dortmunder Big Easy-Label gibt´s auch neues und zwar: BLYTH
POWER "Paradise Razed" und WATERSON : CARTHY, Folk...
Die neue Platte von THE THE trägt den Titel "Hanky Panky".
Mastermind Matt Johnson hat mal wieder ein paar Musiker um sich gesammelt
und mit ihnen ein recht ungewöhnliches Album eingespielt, das dem
Country-Sänger Hank Williams Sr. huldigt.
Es scheint sich ja mittlerweile herumge-sprochen zu haben, daß die
PHANTOMS OF FUTURE eine ziemlich ungewöhliche und großartige
Band sind. Mit ihrer neuen CD "Call Of The Wild" beweisen sie,
daß ihrem Sound der (langersehnte) Wechsel zur bösen und mächtigen
Musikindustrie keinesweg geschadet hat. Im Gegenteil: Die Musik der Phantoms
ist insgesamt härter und straighter geworden, was nicht heißt,
daß auf der neuen Platte nicht auch noch wunderschöne Melodien
und abgedrehte Songstrukturen Platz finden. Lediglich die allzu radiotaugliche
neue Version von "A-round The World" (mit Chor) hatten sie sich
sparen können. Wer die CD-Präsentation in der Live Station verpaßt
hat (der Laden war ´mal wieder an zwei aufein-anderfolgenden Tagen
gut gefüllt), sollte auf jeden Fall die momentane Tour nutzen, die
Band nochmal zu sehen, bevor sie ganz groß ´rauskommen.
Ebenfalls aus Dortmund und bei dem gleichen Plattenriesen unter Vertrag
sind die CHAINSAW HOLLIES, deren Debut "Bob" schon vor einigen
Monaten erschie-nen ist. Zu hören gibt´s mitreißenden
Po-wer-Pop irgendwo zwischen "Chainsaw" und "Hollies",
der Live seine optimale Wir-kung entfaltet.
Neues gibt´s von NELSONS WED-DING, die jetzt erstmals zwei Stücke
in deutscher Sprache veröffentlicht haben. Auf der CD-Single "Ohne
mich" gibt´s zwei Lieder, die schon auf ihrem Debut in englisch
zu hören waren sowie Instrumen-talversionen von diesen Songs. Passend
zur POPKOMM soll dann eine komplette deutschsprachige Langspielplatte
folgen.
Eine ganz besonders interessante Platte für lokalpatriotische MusikliebhaberInnen
ist sicherlich der Sampler mit dem Titel "STAUBTROCKEN", auf
dem sechs dortmunder Bands vertreten sind. Neben den drei schon zuvor
genannten Gruppen, sind noch CHEAP TEQUILA, LES JACKS und THE BILLY RUBIN
mit dabei. Aufgenommen wurden die insgesamt elf Songs in Schnitzels vier
m2 großer Ra-diosprecher-Kabine (DO 91,2) und zwar live und akustisch.
Letzteres hat zur Folge, daß auch eher härtere Bands auf dieser
Scheibe ziemlich ruhig klingen. Limitierte Auflage (500 Stück)
... THE LANE aus Hagen, 6-Song-Split-CD mit CANDY FACTORY, ....
TERREMOTO PARTY aus Bochum "Infermezzo", zwei völlig unterschiedliche
Sänger sehr abwechselungsreicher Hardco-re, ...
Bereits im Februar erschienen ist der CROSSING ALL OVER Vol. 3 Sampler
auf dem sowohl international bekannte Bands wie z.B. Clawfinger, Red Hot
Chili Peppers, Rollins Band, Dog Eat Dog, Gre-en Day und Biohazard als
auch weniger bekannte wie Sun, Spermbirds, H?Blockx oder Blackeyed Blonde
vertreten sind. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern dieses Samplers
ist auch hier wieder sowohl die stilistische Vielfalt von Punk und Hard-core
über Grunge bis Hip-Hop als auch die Fusion der genannten Musikstile
namens-gebend.
BLACKEYED BLONDE "Masafag-ga" peinliches Cover, Hardcore-Hip-Hop,
Ghetto und Saarländischer Slang...
Vom dortmunder Big Easy-Label gibt´s auch neues und zwar: BLYTH
POWER "Paradise Razed" und WATERSON : CARTHY, Folk...
Die neue Platte von THE THE trägt den Titel "Hanky Panky".
Mastermind Matt Johnson hat mal wieder ein paar Musiker um sich gesammelt
und mit ihnen ein recht ungewöhnliches Album eingespielt, das dem
Country-Sänger Hank Williams Sr. huldigt. Alle Texte wurden ... (s.
Text/Coolibri)
MISSION "Neverland" massentaugliche Musik....(s. Coolibri)
BUT ALIVE... "nicht zynisch werden !?" beste Punk-Band zur Zeit,
Texte: ...
RANDY "Ska" absolut geniale Mi-schung aus Punk und Ska genausogut,
wie die hervorragenden Mighty Mighty Bossto-nes, schwedische Band
#8:
In der Hoffnung, daß
seit den Charterfolgen von GREEN DAY und OFFSPRING das Interesse an Musik
jenseits des Mainstreams etwas mehr gestiegen ist ... hier einige kurze
Plattenbesprechungen aus dem weiten Feld des Undergrounds:
Beginne ich ´mal wieder mit einer dortmunder Band und beim Punk:
Nach dreijährigem Bestehen haben BACKLASH endlich im Sommer 1995
ihre Debut-CD und gleichzeitig die beste CLASH-Platte veröffentlicht.
Denn nicht nur das Cover-Artwork, auch der eher poppige Punk mit starken
Reggae- und weniger starken Rockabilly-Einflüssen erinnern sehr an
besagte Punkband, die allenfalls in den späten Siebzigern so gut
waren, wie die Dortmunder heute. Angesichts der Tatsache, daß dieses
selbstfinanzierte Debut in nur einer Woche eingespielt worden ist, kann
man nur mit den Ohren schlackern. Am 29. März zusammen mit THE COLOUR
RED und REGATTA DE BLANC live im Dietrich-Keuning-Haus. (Kontakt: 716156
oder 410907) (69:59) Ebenfalls im Sommer ´95 später haben THE
BILLY RUBIN mit "Goal" ein weiteres dortmunder Debut nach dreijährigem
Bandbestehen auf den Markt gebracht. Die schon auf dem "Staubtrocken"-Sampler
vertretene Band ist auch tief im Punk verwurzelt. Sänger Andy dürfte
der einen oder dem anderem schon von diversen anderen Bands (z.B. RIM
SHOUT) bekannt sein. Bemerkenswert sind vor allem die runderneuerte Cover-Version
von BILLY BRAGG´s "A New England", der Titelsong (Mitgröhl-Stadionmusik)
und die Huldigung an ein besonders wohlschmeckendes dortmunder Exportbier
("5,5%"). Schönes Debut, nur zu kurz. (21:59)
Von der bochumer Band SCREECH existiert bisher leider nur ein 6-Song-Demo-Tape,
obwohl sie sicherlich zu den besten Pop-Core-Bands überhaupt zählt.
Vergleiche mit den genialen SAMIAM sind keineswegs übertrieben. Bei
einem Lied war übrigends der frühere FAITH NO MORE-Sänger
CHUCK MOSLEY beteiligt. (Kontakt: 0234 - 9650007 od. 452196)
Das mit großem Abstand blödeste Cover seit langem ziert die
"Sex Sells" CD der DILDO BROTHERS aus Essen. Musikalisch um
so überzeugender ist dagegen die abwechselungsreiche Synthese aus
Melody-Core californischer Prägung und Metal der angenehmeren Art.
Gut ! (Kontakt: 0201 - 597733) (42:28)
Daß Hamburg immer noch die Punk-Rock-Hauptstadt in Deutschland ist,
beweise SQUARE THE CIRCLE mit ihrem Debut "Everyone´s a Winner".
Die ehemaligen Bandmitglieder von NOISE ANNOYS, RUBBERMAIDS und SHEEP
ON A TREE machen den wunderschönsten Punk-Power-Pop, der seit Ewigkeiten
meine Gehörgänge erreicht hat. Wurden NOISE ANNOYS noch häufig
mit den BUZZCOCKS verglichen, so kann man SQUARE THE CIRCLE absolute Eigenständigkeit
atestieren. Die Quadratur des Kreise ist gelungen. Völlig genial
! (63:39)
DIE SCHWEINE sind ein spaßiges Frauen-Quartett aus der Umgebung
von Osnabrück, die mit ihrer Maxi-CD "Begehrt" jetzt erstmals
drei schrille deutschprachige Popsongs veröffentlicht haben. Sie
selbst nennen ihren Stil allerdings "pampig religiösen Zungenrock"
und legen Wert darauf, daß sie zwar Frauen, in erster Linie aber
Schweine sind. (10:22)
Die Überraschung des letzten Jahres waren für mich NEGU GORRIAK.
Die fünf Basken, die sich in ihren Texten für die Unabhängigkeit
ihrer Heimat und für ein Europa der Völker einsetzen, schaffen
es auf unglaubliche Art und Weise Punk, Hip Hop, Dub, Hardcore, Ska, baskische
Volksmusik und diverse andere Stile miteinander in Einklang zu bringen.
Der aktuellen Platte "Ideia Zabaldu" (Unsere Ideen verbreiten)
liegen mehrsprachige Übersetzungen der engagierten Texte bei. Tip
! (41:51)
Noch so´ne Überraschung ist die neue Scheibe der ENGLISH DOGS.
Hatte ich die Band doch irgendwie ziemlich derbe in Erinnerung, so überzeugt
mich "All The World´s A Rage" auf ganzer Länge: Zeitgemäßer
britischer Melody-Core, der fast an die kaum erreichbaren LEATHERFACE
herankommt. (45:37)
WONDERPRICK huldigen auf "Dill" zahlreichen Bands, indem sie
deren Liedgut in hervorragende partytaugliche Punkversionen uminterpretieren.
Dran glauben mußten unter anderem: ABBA, QUEEN, PAUL ANKA, MOTÖRHEAD,
UNDERTONES, WIPERS und ADAM AND THE ANTS. (63:53) In die gleiche Kerbe
schlägt der Sampler PUNK CHARTBUSTERS: 25 Bands wie TERRORGRUPPE,
ANTISEEN, THE BATES, PETER + THE TEST TUBE BABIES, THE SLAGS und YOUTH
BRIGADE drucken Kompositionen von EAST 17, CRANBERRIES, ABBA, RICK ASTLEY,
BEATLES, KIM WILDE, SANDRA etc. ihren Stempel auf und veredeln diese zu
durchaus hörenswerten Songs. (70:43) 100% Deutschpunk dagegen auf
dem Doppel-CD-Sampler ALPTRAUMMELODIE III. Sieht man `mal von einigen
klischeehaften Beiträgen ab, so sind es vor allem die nicht ganz
erstzunehmenden Songs von EISENPIMMEL (Photo im Januar-Coolibri auf S.
18!), TERRORGRUPPE und der zur Zeit extrem angesagten wattenscheider Akademikerkombo
DIE KASSIERER (Zitat Wolfgang: "Wo steht geschrieben, daß ein
studierter Mann nicht asozial sein darf ?"), die wirklich zu gefallen
wissen. (43:01/40:65) Etwas facettenreicher ist der vierte Teil der FUCK
YOUR ILLUSIONS-Compilation, auf dem z.T. recht unterschiedliche neue Crossover-Bands
zusammengestellt sind. Am ehesten bekannt sein dürften KROMBACHER
MC, ANARCHRIST ACADEMY und FISCHMOB. Insgesamt ´ne sehr bunte Mischung
aus Hardcore, Funk, Rap, Hip Hop, Metal, Rock und anderen Versatzstücken.
(76:10)
Schön schräg und schmutzig sind KIM SALMON & THE SURREALISTS
auf ihrer neuen Platte. `Mal kraftvoll und krachig, `mal ruhig und melancholisch,
aber immer intensiv und leidenschaftlich wirken die bluesigen Rocksongs
der drei Australier. Anfang `96 auf Europatour. (42:57)
DANGERSLIDE, ein Trio aus dem englischen Christchurch, haben mit ihrem
selbstbetitelten Debut eine zwar unspektakuläre, jedoch trotzdem
absolut hörenswerte melodische Punk ´n´ Roll-Scheibe
veröffentlicht. Live soll die Band angeblich tierisch abgehen; im
Frühsommer in Deutschland auf Tour. (49:21)
Der zweite Teil des UNITED COLOURS OF SKA-Samplers gibt einen Überblick
über die äußerst vielseitige globale Ska-Szene. So sind
neben relativ unbekannten Bands aus den USA, England und Deutschland auch
solche aus Russland, Tschechien und Jugoslawien (??) vertreten. Stilistisch
reicht die Bandbreite von 2tone über jamaicanischem Ska bis hin zu
hardcoreorientierten Klängen. (62:50) Eher traditionell angehaucht
ist die Platte von DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS. Der schwergewichtige
Sänger und Posaunist sowie jede Menge weiterer Musiker (u.a. DERRIK
MORGAN, KARSTEN RIEDEL und GÖTZ ALSMANN) liefern mit "Dandimite!"
ein Album ab, das stark an die legendären SKATALITIES erinnert. Die
Cover-Versionen und Eigenkompositionen bewegen sich im Bereich von Ska,
Rock Steady, Reggae, Raggamuffin und Calypso. Live ist die Band übrigends
besonders empfehlenswert. (57:34) Dies gilt wohl auch für die BUSTERS,
die deshalb mit der CD "Live in Montreux" ihren Auftritt auf
dem nicht ganz unbekannten Jazzfestival in der dortigen Miles Davis Hall
dokumentieren. Neben ihren eigenen Hits sind besonders die Ska-Versionen
von "Rivers Of Babylon" und vor allem "Wish You Were Here"
hervorzuheben. (64:06)
Schon seit Sommer ´95 im Handel erhältlich ist die zweite CD
von JIN JIN. Manchem ist die niederrheinische Reggae-Band vielleicht noch
von den SUMMER JAMs ´94 und ´95 bekannt. Dementsprechen ist
auf "Burger Connection" sonniger, aber vor allem cooler und
satter Dub-Reggae mit drei Sängern, Bläsern, Hammondorgel etc.
zu hören, der in der Tradition der späten 70er Jahre steht.
Das Lied in deutscher Sprache könnte jedoch glatt den neuen Trend
für den nächsten Sommer liefern. (51:02)
Newcomer des Jahres in Sachen Folk waren 1995 für mich die ostwestfälischen
IN SEARCH OF A ROSE. Bei ihrem Album "Conquering" handelt es
sich vermutlich um die beste anglo-irische Folkplatte, die jemals eine
deutsche Band veröffentlicht hat. Brillant wie die POGUES in ihren
besten Zeiten und frischer als der Irische Frühling. (47:08) Schon
seit vielen Jahren auf Europas Bühnen präsent sind die WHISKY
PRIESTS, die aus dem von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten County
Durham kommen. Mit ihrer neuen Veröffentlichung "Bleeding Sketches"
beschreitet die Folk-Rock-Band allerdings neue Wege: Zusammen mit einigen
bekannten Sessionmusikern haben sie Gedichte des nordenglischen Poeten
Keith Armstrong vertont. Herausgekommen ist ein interessantes Konzeptalbum,
das sowohl textlich als auch musikalisch als überaus gelungen zu
bezeichnen ist. (44:24)
THE COAL PORTERS, die Band um SID GRIFFIN, dem ehemaligen Kopf der LONG
RYDERS, haben auf "Los London" erneut amerikanischen Folk und
Country mit dem englischen Punk der späten Siebziger gemischt. Kentucky
meets London. (45:39)
RADIO ETHIOPIA nennt sich ein Projekt aus diversen Ruhrgebietsmusikern,
die u.a. früher bei GEIER STURZFLUG mitgespielt haben. Geprägt
wird der Sound der mit "Wax + Gold" betitelten Platte jedoch
hauptsächlich durch die afrikanischen Musiker. Gesungen wird in türkisch,
deutsch und in verschiedensten afrikanischen Sprachen. So multikulturell
wie das Ruhrgebiet. (60:16)
Über KREATOR aus dem essener Norden muß ich wohl nicht viele
Worte verlieren. Die Band um MILLE PETROZZA hat ihren siebten Longplayer
"Cause For Conflict" eingespielt, der in punkto technisch versiertem
derben Geknüppel nichts zu wünschen übrig läßt.
(47:30) Das gleiche gilt auch für HATE SQUAD, die mit ihrer zweiten
CD "I.Q. Zero" auf den Spuren von BIOHAZARD und SEPULTURA wandeln,
bei aller Härte aber immer noch relativ abwechselungsreich und melodisch
sind. (41:49) Schwere Sachen finden sich auch auf "Addicted"
von GURD, die ebenfalls ihre zweite Platte veröffentlicht haben und
auch nicht übermäßig viel von ruhigen Klängen halten.
Wer´s verträgt, kann sich übrigends im Februar/März
live die volle Dröhnung abholen. (46:59) TOM ANGELRIPPER, der Frontmann
der Ruhrgebiets-Trashband SODOM hat sein erstes Soloalbum in deutscher
Sprache veröffentlicht. Auf "Ein schöner Tag" beweist
er, wie gut die idiotischen Sauflieder unserer Vorfahren zu der Musik
eines TOM ANGELRIPPERs passen. Besonders überzeugend: "Es gibt
kein Bier auf Hawai", "Schnaps, das war sein letztes Wort",
"Caramba, Caracho, ein Whisky" und "Der Teufel hat den
Schnaps gemacht". (38:35)
Das kölner Faxenkombinat HEITER BIS WOLKIG heißt inzwischen
HÄRTER BIS WOLKIG. Aus dem radikalen Musikkabarett ist eine Comedy-Punkband
geworden. Nach dem Motto "Lacht kaputt, was Euch kaputt macht!"
werden auf dem Album "Terroristen" und auf der Maxi-CD "Auf
Urlaub" hemmungslos die unterschiedlichsten Musikstile verwendet:
Punk gefolgt von Schlager, nach einem Ska-Song kommt Metal, ein punkiges
Liebeslied, eine Ballade und zum Schluß auch noch Techno ("Heiter,
Heiter!"). Besonders genial ist die Ska-Version von TRUDE HERRs "Niemals
geht man so ganz". (58:51/13:47) SCHLAFFKE & ZEPP haben mit ihrer
Maxi-CD "Eleganz hat einen Namen" ihre Liebe zum deutschsprachigen
Schlager ausgelebt. Ob der Sänger von SCHLIESSMUSKEL und der Gitarrist
von JIMMY KEITH & HIS SHOCKY HORRORS damit in die Hitparade kommen,
scheint mir allerdings doch eher fraglich. (20:47) Überaus erfolgreich
ist dagegen ist HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER. Die Mischung aus Ruhrgebiets-Comedy
und genialen Coverversionen von Rock-Klassikern in der hiesigen Mundart
scheinen zur Zeit sehr gut anzukommen. Dafür muß leider in
Kauf genommen werden, daß die lustige Truppe ihr aktuelles Programm
"Getz aber in echt" teilweise in ziemlich großen Hallen
vor einem rhythmisch klatschenden Publikum präsentiert. Trotzdem
würde ich der CD einen Live-Auftritt vorziehen. (62:39)
Und zum Schluß noch ´was für UMSONST: Dank eines wittener
Labels, kann ich unter der WirrWarr-Leserinnen und ?Lesern folgende Scheiben
verlosen: 5 x MONSTER VOODOO MACHINE "Suffersystem" 12-Song-CD,
10 x THUNDERHEAD "Snap" 3-Song-CS und 5 x SPERMBIRDS "Pop-Song"
3-Song-CS. Bis Ende Februar anrufen unter 0231 - 144743
#9:
Eine völlig neue und in
meinen Augen überaus geniale Idee hat das Label NRW aus Herne gehabt:
Zum Jahresbeginn ist der Sampler mit dem Titel NRW 1996 erschienen (für
schlappe zehn Mark). Auf diesem sind zwölf Songs von zwölf Bands
aus Nordrhein-Westfalen vertreten, die stilistisch alle ziemlich unterschiedlich
sind. In jedem der zwölf Monate dieses Jahres wird eine CD dieser
Bands in der Reihenfolge des Samplers veröffentlicht. (46:20) L.A.N.E.
aus Hagen haben mit "Skirt" den Anfang gemacht. Die Ruhrrock
Winner von 1994 überzeugen auf ihrem ersten full-length-Album mit
enorm abwechselungsreichem funkigem Rock, der sowohl in den ruhigen Passagen,
als auch an heftigeren Stellen zu gefallen weiß. Obwohl die RED
HOT CHILI PEPPERS scheinbar nicht ganz spurlos an den Hagenern vorbeigegangen
sind, haben L.A.N.E. ihren sehr eigenständigen, groovigen Sound gefunden.
(57:06) Im Februar haben dann ERDMÖBEL ihre CD mit dem Titel "das
Ende der Diät" nachgelegt. Der Bandname, der Plattentitel, das
Cover und Lieder, wie z.B. "Leben ist trivial", "Wurzelseliger",
"Ich Ich Ich", "Sinn und Wahn" oder "Derrick
zwischen Krücken schwebend" lassen zunächst sehr kopflastigen
und schwierigen Germanisten-Rock (mindestens 27. Semester) befürchten;
aber irgendwie schafft es die Band um die Münsteraner Markus Berges
und Ekkehard Maas ihre komplexen Texte in abgespeckte und eingängige
Pop- und Gitarren-Rock-Melodien zu verpacken. Insgesamt ziemlich außergewöhnlich
und interessant; hat ´was ! (54:12) Anschließend ist das Frühjahr
mit dem Debut von SHORT aus Bochum und Wattenscheid eingeläutet worden.
Das Trio besteht zwar zu zwei Dritteln aus ehemaligen FRITS-Mitgliedern
(Karsten Riedel und Christian Koch), hat aber musikalisch eine Wende um
mindestens 127 Grad vollzogen: Statt Ska sind auf dem Debut-Album "Liquid"
eher ruhigere, teils experimentelle, teils krachige Klänge zu hören,
die machmal etwas an FUGAZI erinnern. Sie selbst nennen es Pop-Core, ich
würde es eher als Post-Hardcore bezeichnen - ist ja auch völlig
egal, von den letztjährigen Ruhrrock-Gewinnern (Sparte "Alternative")
wird sicherlich noch einiges zu hören sein. (40:00) Bis zur Veröffentlichung
der neuen CD von WHY GO WYOMING im September, kann mit der aktuellen Platte
"Stampede" vorliebgenommen werden, die das Quartett aus Dortmund
und Schwerte im vergangenen Jahr in Dorstfeld aufgenommen hat. Die Musik
würde ich ´mal schlicht und einfach als geradlinigen Rock bezeichnen,
der sicherlich sein Publikum findet, mich aber nicht umbedingt vom Hocker
reißt. (47:30) Neben der Veröffentlichung von CDs, unterstützt
NRW Bands aus NRW durch Kooperation mit Konzertveranstaltern, Schallplattenhandel
und Medien. Kontakt für Bands und Veranstalter: 02325/798146. Auf
den CD-Kalender NRW 1997 bin ich jetzt schon sehr gespannt.
Die bochumer Gothic-Metaller SECRET DISCOVERY haben mit "A Question
Of Time" nun ihr viertes Album vorgelegt, auf dem sie sehr gekonnt
bombastischen atmosphärischen Düsterrock mit kraftvollem harten
Metalsound fusionieren. Momentan auf Tour ! (47:08)
DIE SCHWEINE sind ein spaßiges Frauen-Quartett aus der Umgebung
von Osnabrück, die mit ihrer Maxi-CD "Begehrt" jetzt erstmals
drei schrille deutschprachige Popsongs veröffentlicht haben. Sie
selbst nennen ihren Stil allerdings "pampig religiösen Zungenrock"
und legen Wert darauf, daß sie zwar Frauen, in erster Linie aber
Schweine sind. (10:22)
SCHLIESSMUSKEL gibt´s nicht mehr, denn die Vier aus Hamminkeln haben
ihrer musikalischen (Weiter-)Entwicklung seit ihrem Debut von vor zehn
Jahren Rechnung getragen und sich umbenannt und zwar (eher langweilig)
in DIE MUSKELN. Der Titel der neuen Platte "Abstieg in den Ruhm"
deutet es an: DIE MUSKELN sind radiotauglicher geworden, als SCHLIESSMUSKEL
es jemals waren. Dennoch: Die witzigen und sarkastischen Texte früherer
Zeiten sind erhalten geblieben ("Stromgitarrenspieler") und
werden nun um klare politische Statements ergänzt ("Denk ich
an Deutschland", "Einmal hat´s gereicht"). Von den
schnellen Punk-Songs haben sich die Niederrheiner weitgehend verabschiedet
und wenden sich jetzt zunehmend ruhigeren durchdachten Liedern zu (´mal
mit Hang zum Schlager und zur Schnulze, ´mal etwas druckvoller).
Von Abstieg kann keine Rede sein (wer will schon zehn Jahre lang die gleiche
Musik machen ?!); rühmlich ! (49:20)
Die zwanzigjährige ELIZA CARTHY, Tochter der bekannten Folk-Musikanten
MARTIN CARTYH und NORMA WATERSON, hat ihr 1. Soloalbum veröffentlicht.
Obwohl Mama und Papa nicht mehr dabei sind, steht "Heat, Light &
Sound" ganz klar in der englischen Folk-Tradition. Elizas Repertoire
reicht von a-capella über purer Geigenmusik bis hin zu guitarrenorientiertem
Folk, wobei besonders ihre Stimme und Geigenspiel den ungewöhnlichen
Reiz dieser Platte ausmachen. (55:29)
Der vierte Teil der beliebten Sampler-Reihe CROSSING ALL OVER kommt diesmal
(wieder) als Doppel-CD und ist randvoll mit recht unterschiedlichen Bands
der härteren Gangart. Das Konzept ist unverändert geblieben:
Megaseller neben Insidertip, Metal neben Pop, Punk neben Hip Hop oder
dem, was üblicherweise als Crossover bezeichnet wird. Diesmal (wieder)
dabei sind: RED HOT CHILI PEPPERS, FAITH NO MORE, KREATOR, SMASHING PUMPKINS,
DUB WAR, BATES, PRONG, GARBAGE, SUN usw. usf.. Gutes Preis/Leistungsverhältnis
und prima Party-Mucke. (72:02/69:38)
Die Plattenindustrie hat nun also auch den Ska entdeckt, weil sie ihn
für den "kommenden Musiktrend" (O-Ton Platteninfo) hält.
Die zwölf BUSTERS aus dem schönen Örtchen Wiesbach konnten
oder wollten nicht widerstehen und haben ihr neues Album "Stompede"
von einem bekannten fernöstlichen Elektronikkonzern veröffentlichen
lassen, was der Musik jedoch keinen Abbruch getan hat. Wie schon auf dem
Debut von 1988 ist auch auf der neuen Scheibe Gute-Laune-Party-Ska angesagt,
der ohne Ende tanzbar ist. Gecovert werden diesmal der Pop-Evergreen "Friday
On My Mind" der EASYBEATS und "Ubangi Stomp" von den STRAY
CATS. Vielleicht ja doch der neue Trend ? Stay rude ! (51:32)
Die Hardcore-Legende aus Kaiserslautern, die SPERMBIRDS, haben sich (nun
vermutlich endgültig) aufgelöst und ihr Abschiedskonzert (Okt.
´95) der Nachwelt konserviert. "Get Off The Stage" enthält
zwei CDs, wobei die erste Scheibe Songs der letzten beiden Platten mit
KEN HAUS, die zweite alte Stücke mit LEE HOLLIS enthält, die
beide beim letzten Konzert gesungen haben. Trotz der eher bescheidenen
Soundqualität ist dieser Livemitschnitt sicherlich sowas wie ein
Zeitdokument. Nach 15 Jahren SPERMBIRDS und bandinternen Problemchen war
es wohl Zeit für ´was Neues; ich bin jedenfalls gespannt, wie´s
weiter geht. (52:53/63:38) Eine qualitativ bessere Liveaufnahme haben
die zum Teil ziemlich schwergewichtigen Jungs von SLOPPY SECONDS aus Indianapolis
veröffentlicht. Aufgenommen wurde "Live: No Time For Tuning"
vor 800 Kids in ihrer Heimatstadt, denen sie astreinen spaßigen
Punk-Rock á la DICKIES um die Ohren gehauen haben. Im Herbst in
Deutschland auf Tour ! (49:26) V-PUNK (für den Namen hat die Band
´nen Preis verdient !) aus Kiel sind zwar noch nicht so lange im
Geschäft wie die Amis, dafür aber auch dem Punk verpflichtet
(wer hätte das bei dem Namen gedacht ?) und haben mit "It´s
Not My Day" eine erste Maxi-CD herausgebracht, die fünf melodische
Punk-Songs beinhaltet. Dafür, daß die Band erst seit drei Monaten
besteht, eine erstaunliche Leistung. Evtl. auch im Herbst auf Tour. (12:00)
Die WEAK WILLIES haben ihren zweiten Longplayer "387%" genannt
und huldigen damit Adolf Hennecke, dem ersten Held der Arbeit, der damals
in Ölsnitz/Sachsen sein Plansoll um eben diesen Faktor übertroffen
hat. Musikalisch gibt´s punkigen Gitarren-Rock, der von diversen
Einflüssen geprägt ist. Gecovert werden z.B. Songs von ROKY
ERICKSON und THE STANDELLS. (46:38)
In Zeiten, in denen SEX PISTOLS, EXPLOITED und MISFITS wieder auf Tour
gehen, darf eine Band wie ANTI-NOWHERE LEAGUE natürlich nicht fehlen.
Die britischen Altpunks beweisen mit ihrer neuen Mini-CD "Pig Iron",
daß sie - nach einem peinlichen Ausflug ins Mainstream-Lager - das
Streetrocken noch nicht verlernt haben. Am 2. Juni in der Zeche, Bochum.
(13:14) Das Trio PROJEKT SCHWARZ-ROT (P.S.R.) aus Süddeutschland
hat im NonNazi-Studio in Tüntenhausen sein Debut-Album "Jammerland"
aufgenommen, das sechzehn politische deutschsprachige Punksongs enthält,
die sich musikalisch und textlich deutlich vom Durchschnitt dieses Genre
abheben. (57:40)
Wer wissen möchte, wie die amerikanischen G.I.s im Irak-Krieg mit
Propaganda vollgepumpt worden sind, sollte sich die BOMB IRAQ Mini-CD
anhören. Zu hören sind Originalaufnahmen von Pirate Radio L.A.,
die - aufgemacht wie eine amerikanische Comedieshow - zynisch umgetextete
Evergreens enthalten. Abscheulichkeiten, wie z.B. die, "Rock Around
The Clock" in "Let´s Bomb Iraq" umzuändern,
lassen die Diskussionen um das Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder"
doch ein wenig überflüssig erscheinen. Leider keine Parodie
! (20:54)
BERLIN SPECIAL
Da ich das Vergnügen hatte,
das Frühjahr in Berlin verbringen zu können (im kontinental
klimatisierten Osten existiert diese Jahreszeit allerdings scheinbar nur
kalendarisch;, in der Realität gibt´s nur Winter und Sommer),
möchte ich bei dieser Gelegenheit über einen winzigen Ausschnitt
der dortigen Musik-Szene berichten. Tendenziell habe ich dabei angesagte
Sachen, wie Ambient, Easy Listening, Jungle oder Trip Hop ausgeklammert
und mich wieder ´mal eher dem Punk und Ska zugewandt. Das Angebot
an abgefahrenen Läden ist wirklich enorm und kaum mit den hiesigen
Studikneipen oder sozialdemokatischen Jugendzentren vergleichbar (Ausnahmen
bestätigen auch hier wieder die Regel).
Ein Tag, bevor das NEW YORK SKA JAZZ ENSEMBLE im heimatlichen FZW Halt
machte, hatte ich die Möglichkeit, die Band, die aus ehemaligen Mitgliedern
der SKATALITES und TOASTERS besteht, im Pfefferberg (Bezirk Prenzlauer
Berg) zu erleben. Bei dieser Gelegenheit hat das sechköpfige Ensemble
sein selbstbetiteltes Debut vorgestellt. Der Bandname ist natürlich
ein Wink mit dem Zaunpfahl und so ist es wenig überraschend, daß
die New Yorker (traditionellen) Ska mit (modernem) Jazz anreichern. Besonders
hervorzuheben ist die brillante Bläserfraktion, bestehend aus Posaune
und div. Saxophonen, die alle anderen Instrumente in den Hintergrund treten
läßt. (42:03) Nicht ganz eine Woche später hat das berliner
Trio GERM ATTACK im Tommy Weissbecker Haus (in Kreuzberg, benannt nach
einem 1972 von der Polizei auf offener Straße aus 3-4 m Entfernung
erschossenen Berliner) ihre "A Tribute To Blondie" Mini-CD präsentiert.
Besonders angenehm (neben dem freien Eintritt) war die Tatsache, daß
die Band zugunsten extrem günstiger Bierpreise auf ihre Gage verzichtet
hat. Wie auf ihrem Debut "Sick", präsentierten die Drei
hervorragenden melodischen Pop-Punk, der erfreulicherweise nicht so glatt
produziert ist, wie z.B. GREEN DAY. Auf der neuen Platte sind (wieder
´mal wenig verwunderlich) punkige Versionen von alten BLONDIE-Hits
zu finden, die überwiegend von einer Gastsängerin gesungen wurden,
die dem Original schon ziemlich nahe kommt. Besonders interessant ist
die türkische Variante von "Heart Of Glass". Tip ! (17:31)
Der Berliner NIKOLAI TOMÁS, seit Ende der 80er Jahre Kopf der POEMS
FOR LAILA, nutzt die Möglichkeit eines Solo-Albums für eine
musikalische Neuorientierung außerhalb des begrenzten Bandrahmens.
Sein Solo-Debut "Wild On" klingt wesentlich moderner und frischer,
als ich es von seiner alten Band kannte, ist jedoch zugleich weit davon
entfernt, trendy zu wirken. Es enthält ein Dutzend einfalls- und
abwechselungsreiche Popsongs, die aufgrund ihrer sparsamen Instrumentierung
einen zeitlosen Charme besitzen. Am 29. Mai in der dortmunder Live Station.
(54:20)
Am 15. und 16. März hat im Milchhof (Bezirk Mitte) das Festival "Berliner
Bands für Bosnien - Musik statt Granaten" stattgefunden. Bei
der Aktion ging es darum, den Musikern vor Ort in Ex-Jugoslavien einen
Impuls für ihr Schaffen zu geben und zwar ideell durch Auftritte
von sieben berliner Underground-Bands unterschiedlichster Musikrichtungen
(zusammen mit örtlichen Gruppen) in Tuzla, beiden Teilen Mostars
und Pula sowie materiell durch Sachspenden (Equipment). Obwohl Bosnien
laut Innenministerkonferenz angeblich ein sicheres Land ist, war es übrigends
äußerst schwierig, einen (erforderlichen) Versicherer zu finden,
der bereit ist, dieses Risiko finanziell abzusichern. Nachdem am Freitag
die sieben Bands, die in Bosnien und Kroatien auftreten, die Generalprobe
ihrer Tournee absolvierten, spielten am Samstag u.a. die beiden berliner
Ska-Bands ENGINE 54 und MOTHER´S PRIDE. ENGINE 54 waren zwar stark
ersatzgeschwächt (der Sänger mußte durch die sehr begabte
aber doch etwas unsichere Background-Sängerin ersetzt werden), konnten
jedoch von Anfang an mit ihrem ruhigen groovigen Rock-Steady überzeugen.
Ganz dem traditionellen souligen Reggae und Ska verpflichtet, reihten
sich ihre Eigenkompositionen nahtlos in Cover-Versionen von BOB MARLEY,
ETHIOPIANS, RICO RODRIGUEZ und Konsorten ein. Leuten, die eher den Groove
und weniger das Tempo beim Ska schätzen, kann ich deshalb nur die
CD "54/95" der neun Berliner ans Herz legen. Cool ! (60:16)
Viele Grüße von hier aus an den Organisten Daniel ! Freunde
des schnelleren Ska der 80er/90er Jahre hatten anschließend bis
in die Nacht hinein das Vergnügen mit MOTHER´S PRIDE, die nicht
nur an diesem Abend wohl so ziemlich jede und jeden zum Tanzen oder zumindest
Mitwippen animierten. Einen Monat später begeisterten sie ihr Publikum
auch im Tommy Weissbecker Haus mit hervorragenden Cover-Versionen ("One
Step Beyond", "Kreuzberger Nächte" etc.) und eigenen
Hits, die z.B. durch einen Reggae-Song, ein Chanson mit Akkordeon oder
spanische Klänge aufgelockert worden sind. Auf ihrer CD "Bullshit"
sind zehn frische und unbeschwerte Ska-Nummern vertreten, die auch zu
Hause eine fröhliche Unterhaltung garantieren. (31:17) Eine weitere
geniale Ska-Band aus Berlin sind THE BUTLERS, die zuletzt Anfang März
im Franz (Prenzelberg) ihre unvergleichliche Mischung aus Soul (der späten
60er) und Ska (der 90er) zum Besten gegeben haben. Das zweite Album der
acht BUTLERS "Time Tunnel" unterstreicht deren Eigenständigkeit
dreizehnfach: Die groovige Soul-Power kombiniert mit dem treibenden jamaicanischen
Skabeat ist eine überaus raffinierte und zeitgemäße Weiterführung
der Musiktradition. Ein neues Album folgt im Spätsommer. Kult ! (52:43)
Ende März hatte ich dann die Gelegenheit, mir im fernen Dresden die
RICHIES aus dem schönen Duisburg zu Gemüte zu führen. Die
drei Ruhries, die zur Zeit zusammen mit den australischen EXPLODING WHITE
MICE auf Europa-Tour sind (18. Mai: Schacht 8 in Marl), mischen wie keine
andere Band das Beste von BLONDIE, BANGLES, BEACH BOYS und den RAMONES
(kombiniert mit überaus witzigen Texten) zu unvergleichlichen Surfpunk-Ohrwürmern
und melodischen Powerpop-Songs, die auch die Sachsen in der Scheune keinesweg
kalt ließen. Die neue Platte "Why Lie ? Need A Beer !"
haben die RICHIES übrigends mit Jim Waters (Produzent von SONIC YOUTH
etc.) in Tucson, Arizona aufgenommen, wobei sie von der dortigen Country-Szene
(z.B. AL PERRY) tatkräftig unterstützt wurden. Herausgekommen
ist dabei eine völlig vielseitige Scheibe, die die Meßlatte
des Punk-Rock wieder ein Stück nach oben geschoben hat. Yes ! (44:53)
Am gleichen Abend hat die kreuzberger Band DROOLER im Huxley´s Junior
(Neukölln/Kreuzberg) ihre neue Mini-CD "Myself" vorgestellt.
Wer beim Betrachten des Covers (Typ mit Möhren in den Nasenlöchern
und Grünzeuchs auf dem Haupt) oder des Innencovers (nackter Mann
umarmt innigst einen Mopedauspuff) eine Spaß-Combo vermutet, liegt
völlig falsch. Die international besetzte Band um den ehemaligen
Sänger der New Yorker CRAWLPAPPY neigen nämlich eher zum metallisch-rockenden
bis abgedrehten Hardcore, den sie mit feinen Melodien durchsetzen und
selbst als Tardcore definieren. Harter Stoff ! (26:24)
Erwähneswert sind, neben dem Gig der berliner 6TsTrashRock´n´Roll-Band
CUBAN REBEL GIRLS im Franz, noch zwei weitere hochkarätig besetzte
Ska-Festivals. Eine Woche später traten im Pfefferberg nämlich
RICO RODRIGUEZ (s. WirrWarr # 6) und die beiden berliner Bands YEBO (erste
Ska-Combo Deutschlands) und wieder ´mal MOTHER´S PRIDE auf.
Am Karfreitag wurde dann die Feiertagsruhe beim "Easter Ska Jam"
mit DR. RING DING, THE HOTKNIVES und JUDGE DREAD im SO 36 (Kreuzberg)
weggeblasen. THE HOTKNIVES machen erstklassigen Brit-Pop-Ska, der um Längen
besser ist, als fast alles, was MADNESS seit ihrem Debut herausgebracht
haben. Auch auf ihrer CD "The Way Things Are" und der neuen
7" "Always Tomorrow" ist eine Ska-Variante zu hören,
die mit dem jamaicanischen Original der 60er Jahre ziemlich wenig gemeinsam
hat. Stattdessen wird der Offbeat mit eingängigen Pop-Melodien fusioniert,
die den hohen Wiedererkennungswert der sieben Engländer ausmachen.
(38:20, 9:52) Anschließend haben DR. RING-DING & THE SENIOR
ALLSTARS die Bühne betreten. Der gewichtige Posaunist und Sänger
aus Münster spielte zusammen mit seiner Band wieder ´mal seine
bunte Mischung aus Ska, Reggae und artverwanten Stilen (s. WirrWarr #
8). Außerdem stellte er seine neue Single "Green Pepper"
vor. Am 24. August auch in Datteln auf dem Kanalfest. (6:58)
Am 13. April haben SUBWAY TO SALLY im Lindenpark (in Potsdam) ihre dritte
CD mit dem interessanten Titel "Foppt den Dämon" vorgestellt,
die übrigends von Sven Regener (ELEMENT OF CRIME) produziert worden
ist. Die sieben PotsdamerInnen mischen auch hier wieder Folk mit Metal
und deutschsprachigen, mittelalterlich klingenden Texten zu einem eigenen
abwechselungsreichen Sound, der sowohl von harten Gitarren als auch von
gefühlvollen Flöten und Schalmeien geprägt wird. Am 20.
Mai in der dortmunder Live Station. (42:15)
Am 10. Mai präsentieren die SIMPLE ONES aus Memphis ihre neue Scheibe
"2 Cups For A Tale" im Knaack (Prenzelberg). So simpel, wie
der Bandname vermuten lassen könnte, ist die Musik der drei Amis
nicht, denn der spröde schräge Sound entstammt einem durchdachten
Songwriting. Gerade, wenn sich eine Melodie in deinem Kopf festgesetzt
hat, wird sie schon wieder gewaltsam vernichtet. Vergleiche mit den BUTTHOLE
SURFERS, JON SPENCER oder GIANT SAND sind zwar nicht unangebracht, können
diesen eigenartigen Sound aber nur unzureichend umschreiben. Antesten
! (35:31)
Einen Tag später stellt die überaus witzige TERRORGRUPPE (zusammen
mit den legendären YOUTH BRIGADE) ihre neue CD im SO 36 vor. Die
Popularitätssteigerung der vier Wahl-Kreuzberger (Johnny Bottrop,
M.S. Fatherfucker, Hermann v. Hinten und Zip Schlitzer) findet auch in
der Namensgebung ihrer Platten ihren Niederschlag. War das Debutalbum
(nach div. Singles) noch mit "Musik für Arschlöcher"
betitelt, so trägt die neue Scheibe den progammatischen Titel "Melodien
für Milliarden". Auf der neuen Platte sind 18 geniale und unglaublich
abwechselungsreiche Punksongs (mit Ska, Disco, Dub und sonstigen Einsprengseln)
zu hören, die trotz aller Melodie zu keiner Zeit den nötigen
Biß vermissen lassen. Bei den Texten wird kein relevantes Thema
ausgelassen. So wird z.B. von der Ökokatastrophe berichtet, die entsteht,
wenn die Kellys mit ihrem Hausboot absaufen ("Der Rhein ist tot").
Etwas ernster wird´s bei "Disco 96" (meinem persönlichen
Lieblingslied des Jahres), bei dem der alte Polit-Punk-Slogan "Hilf
der Polizei - und schlag dich selbst" mit Kastratenstimme im Disco-Sound
vertont wird. Völlig genial !!! Am 30. Mai in der Zeche Carl, Essen.
(42:57)
Eine weitere Band aus Berlin, die ich mir allerdings nicht live gegönnt
habe, sind DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE, die ihr Debut-Album "Pogo
Lounge" betitelt haben (lassen). Auch hier der Wink mit dem Zaunpfahl,
für den in diesem Fall vermutlich der Erfolg von "Planet Punk"
der ÄRZTE Pate stand. Die drei Berliner (gemeint sind erstere) machen
eigentlich gar keine so schlechte Musik (netter harmloser deutschsprachiger
Fun-Punk), haben sich aber an die geldgeile Industrie (Warner) verkauft
und sollen nun an Bravo-Leserinnen vermarktet werden, die Punk genauso
toll finden, wie TAKE THAT oder die KELLY FAMILY. (Das lächerliche
Platten-Info spricht Bände.) Shit ! (43:02)
Zuletzt noch ein Hinweis für KonzertgängerInnen in Berlin: Meidet
das Metropol (außen ´ne schöne Fassade, innen ein übler
Abzockerladen) ! Und wenn ihr euch trotzdem dahin verirrt, gebt bloß
nicht eure Jacke an der Garderobe ab, denn es könnte eine Stunde
dauern, bis ihr sie nach dem Konzert zurück erhaltet (so geschehen
beim GARBAGE-Gig). Anyway, Berlin ist großartig !
#10:
Im Herbst 1988 hätte ich
wohl im Traum nicht daran gedacht, daß mein damaliger O-Phasen-Tutor,
der Raumplanungsstudent Niko, mit seiner Band DIE KASSIERER derartig erfolgreich
wird. Die vier Wattenscheider sind mittlerweile von der Bundesprüfstelle
für ju-gendgefährdende Schriften offiziell als Kunst und Satire
anerkannt worden (das Jugendamt der Stadt Herne hatte beantragt, zwei
Platten der KASSIERER auf den Index zu setzen). Der Sänger Wölfi
hat zu-dem noch den "Kunstpreis verdien-ter Einwohner des Reviers"
auf-grund seiner kulturellen Leistungen verliehen bekommen. Außerdem
haben DIE KASSIERER im letzten Jahr anläßlich der Spielzeiteröff-nung
des Bochumer Schauspielhau-ses vor 1000 rege applaudierenden Zuschauern
gespielt. Auch der Auf-triff im Zelt des Circus Krone in Bochum wird den
damals Anwesen-den wohl auch heute noch in guter Erinnerung sein. Wer
DIE KAS-SIERER noch nicht kennt, sollte hinsichtlich der "kulturellen
Leis-tungen" jetzt allerdings nicht vor-schnell falsche Schlüsse
ziehen, sondern sich Lieder, wie z.B. "Ich töte meinen Nachbarn
und verprü-gel seine Leiche" auf ihrer neuen Platte "Habe
Brille" anhören. Punk meets Psychatrie; völlig genial !
(:)
Lars Ricken hat nicht nur dazu beigetragen den Ballsportverein Borussia
09 in die Champions Lea-gue zu kicken; jetzt könnte seine Popularität
auch mithelfen, daß die PHANTOMS OF FUTURE end-lich die Aufmerksamkeit
bekom-men, die sie schon lange verdient haben. Bei dem zweiten Lied der
Mini-CD "Caught by fire" steuert der sympathische dortmunder
Stür-mer nämlich seine Stimme bei, die im direkten Vergleich
mit Hannes´ Gesang natürlich relativ schwach ´rüberkommen
muß. Ansonsten gibt´s auf der Platte wie gewohnt den ungewöhnlichen
Phantoms-Sound, der sich immer noch nicht in Schubladen stecken läßt.
Das neue Album soll demnächst erscheinen. Am 13. Juli treten die
Dortmunder zusammen mit DOG EAT DOG, den ergrauten SEX PISTOLS und einigen
anderen in Ochtrup beim "Helter Skelter" Festival auf. (15:42)
Ähnlich ungewöhnlich und wenig kategorisierbar ist das neue
Album von T.A.S.S., die nach dem Ausstieg von Voodoo nur noch zu zweit
sind. Auf ihrem neuen Album "Suck" kombinieren die beiden wieder
´mal unterschiedliche harte elektronische Klänge mit kritischen
Texten. Easy Listening sucks ! (44:57) Das haben sich wohl auch HASS gedacht,
denn endlich gibt´s jetzt eine BVB-Hymne jenseits von Biene Maja,
Jim Knopf und Pippi Langstrumpf. Seichte Borussen-Schlager von PUR HARMONY,
KAREL GOTT und Konsorten haben wir wirklich schon viel zu lange über
uns ergehen lassen müs-sen. Die Ur-Punk-Rocker aus Marl haben mit
"Für die besten Fans der Liga" eine Single für genau
dieses Klientel herausgebracht. Auf der B-Seite ist eine Version von "Califor-nia
sun" der RAMONES zu hören, die dem leckeren Kronen Export huldigt.
Schwarzgelber Punk vom Allerfeinsten für den 12. Mann und die 3.
Halbzeit ! (3:49)
Am 14. Juni haben NELSONS WEDDING im Heimathafen FZW bei einem Landgang
ihr neues Al-bum "Okkuhila" vorgestellt, das Ende Juli erscheinen
wird. Die Folkpiraten haben ihren altengli-schen Shantie-Folk-Rock achteraus
zurückgelassen und durchkreuzen bei stürmischen Wind (8 Windstär-ken
auf der Beaufort-Skala) wieder unbekannte Gefilde. Die Texte sind mittlerweile
komplett deutschspra-chig und auch Landratten zugäng-lich; musikalisch
hält der Ruhr-Sechser weiterhin Kurs auf hervor-ragenden Vollekraftvoraus-Folk,
peilt aber auch schon ´mal andere Richtungen an. Hinter dem Album-Titel
verbirgt sich übrigends eine ganz bestimmte Frisur, die gerne mit
einem "Oliba" kombiniert wird. (57:53)
Die Wiederveröffentlichung der 15 Jahre alten Aufnahmen der le-gendären
düsseldorfer Band ZK war eigentlich schon längst überfällig,
kam jetzt allerdings ziemlich uner-wartet, nachdem die verschollen geglaubten
Tapes doch noch wieder aufgetaucht sind. Die Doppel-CD "Auf der Suche
nach dem verlore-nen Gral" enthält insgesamt 45 Songs der superraren
"Eddie´s Sa-lon" Lp, der "Tip von Twinky" 7"-Single
und der "Das Grauen geht auf große Fahrt" 7"-Ep sowie
einige Lieder von verschiedenen Samplern und sieben unveröffentlichte
Stücke. Die Düsseldorfer, die später PAN-HANDLE ALKS, MIMMI´S
und DIE TOTEN HOSEN ins Leben gerufen haben, waren von 1978-81 die wohl
mit großem Abstand origi-nellste und vielseitigste Punk-Combo. Deren
Liedgut hat uns als Schüler derartig beeindruckt, daß wir bei
meinen Eltern im Keller mit unserer Band als erstes Lied "Nieder
mit dem Weihnachtsmann" von ZK nachgespielt haben. Unerreicht geniale
Musik ! (45:16/44:24) So ziemlich aus der gleichen Zeit stammen die ersten
beiden Alben von COCHISE, die nun ebenfalls wiederveröffentlicht
worden sind. Einige GammelstudentInnenen aus höheren Semestern und
vielleicht auch einige DozentInnen werden die beiden Platten "Rauchzeichen"
und "Wir werden leben" noch aus der Zeit kennen, in der sie
langhaarig, mit Stirnband, PalestinenserInnen-tuch und Nickelbrille gegen
Start-bahn West und Hamm-Uentrop losgezogen sind oder Häuser besetzt
haben. War die Musik von COCHI-SE zunächst noch sehr folkig, ist
sie aufgrund der Erfahrungen mit der Staatsmacht später etwas härter
geworden, was auf der zweiten Plat-te in dem fast punkrockigen Ska-Hit
"Jetzt oder nie - Anarchie" gipfelte. Weitere Re-Releases sollen
folgen, denn die Themen der ökologie- und friedensbewegten Lieder
sind leider immer noch aktuell. (56:03, 55:17)
Acht Jahre nach ihrer Gründung haben THE BULLOCKS endlich ihren zweiten
Longplayer veröffent-licht. Die düsseldorfer Punks haben für
"Double or quit" wieder ´mal ´ne Menge eingängiger
melodischer Pop-Punksongs aus dem Ärmel geschüttelt, die an
BUZZCOCKS, LURKERS und DICKIES erinnern. Gecovert werden "Wonderwall"
von OASIS und "Immer mehr" von STUNDE X. Klasse 77er-Punk !
(43:26) Aus dem gleichen Dorf wie THE BULLOCKS kommen AXEL SWEAT, die
mit "Erection" nach ihrer MCD nun ein komplettes Album nachgelegt
haben, auf dem wunderschöner achselschweißtrei-bender High-Speed-Melodycore
zu hören ist, der den Vergleich mit Bands wie NO FX o.ä. nicht
zu scheuen braucht. Allein schon die Version von MARKY MARKs (feat. PRINCE
ITAL JOE) "United" macht diese Scheibe für Freundin-nen
und Freunde des melodischen Hardcores zum Pflichtkauf. (39:19) Genau diese
werden sicherlich auch Gefallen an der neuen Platte von TERREMOTO PARTY
finden; zumindest teilweise, denn die drei Bochumer kombinieren auf "Egoto-pia"
einfallsreichen Hardcore und Punk mit ´ner gehörigen Portion
Metal. Das Ergebnis ist ein außer-gewöhnlich vielseitiger und
druck-voller Sound, der ständig zwischen Melodie und Härte wechselt
und weit und breit seinesgleichen sucht. Die selbstproduzierte CD kann
unter 0234/9585990 für wenig Geld be-stellt werden. (52:29) Auf "Disap-pearing
moments", der neuen CD von GREEN GRASS ON THE HIGH TIDE (die übrigends
eben-falls aus Bochum kommen) stehen eher die düsteren Seiten der
schwe-ren Rock-Musik im Vordergrund. ALICE IN CHAINS haben hier deutliche
Spuren hinterlassen. Als Veröffentlichungstermin wäre der November
sicherlich angebrachter gewesen. (58:21) Die neue 6-Song-CD von CARNE
aus Herne ist da schon sommerkompatibler. "Laut" überrascht
durch die interessante Synthese von deutschen Texten, Bläsersätzen
und der Fusion von Funk, Jazz und Rock. (21:55)
Richtig sommerlich wird´s bei den nächsten fünf Platten,
denn auf denen ist Ska - und zwar in den unterschiedlichsten Spielarten
- zu hören. Den elf PIETASTERS ge-lingt auf ihrem zweiten Album "Oolooloo"
die Gratwanderung zwischen traditionellem Ska-Sound und schnelleren Klängen.
Neben einer hervorragenden Version des Klassikers "Same old song"
gibt´s zehn soulige Eigenkompositionen. (43:09) Mit einem Musiker
weniger kommen SKAVOOVIE & THE EPITONES aus, die zwar etwas traditionsbewußter
aber keineswegs altmodisch klingen. Auf ihrem Debut "Fat Footin'
" interpretieren sie den Sound der legendären SKATALITES auf
ihre ganz eigene Art. (57:17) HEPCAT aus Los Angeles sind da mit ihrer
neuen Scheibe "Scientific" wohl noch etwas traditioneller, denn
der reggaebeeinflußte ruhige Ska und Rock Steady erinnert stellenweise
an die ganz frühen WAILERS. (59:52) Ganz anders THE BEATBUSTERS:
Die holländische Truppe tritt zwar zusammen mit HEPCAT am 5./6. Juli
beim 7. Potsdamer Ska-Fest auf, überzeugt auf ihrer im Studio eingespielten
Live-Platte "It´s gonna get you !" aber eher durch ihren
absolut kraftvollen Power-Ska, bei dem man einfach nicht ruhig sitzen
bleiben kann. Neben der obligatorischen Blechbläserfraktion brilliert
hier solotechnisch noch ein genialer Gitarrist. Zu gefallen weiß
auch die Cover-Version von PAUL DES-MONDs "Take five". (64:50)
Der absolute Hammer ist "Spawn Of Skarmageddon", ein zweieinhalb-stündiger
Sampler mit 43 nordame-rikanischen Bands, die nicht nur das gesamte Spektrum
dessen abdecken, was ich noch Ska nennen würde, sondern darüberhinaus
beim Mi-schen von Ska mit anderen Musik-stilen in einigen Fällen
die Schwer-punkte etwas anders setzen. Die Palette der Einflüsse
reicht von Jazz, Soul, Punk, Hardcore, Metal, Raggamuffin und Dub bis
hin zu russischer Oper und anderen obsku-ren Sachen. Trotz der Stilvielfalt
dominiert insgesamt aber immer-noch Ska. (73:36/73:48)
Auch bei "Punk Chartbusters Vol. 2" verrät dankenswerterweise
der Titel des Samplers, welche Mu-sikrichtung hier den Ton angibt. Der
zweite Teil macht da weiter, wo der erste aufgehört hat: DIE TO-TEN
HOSEN, THE BATES, HASS, TOY DOLLS, TERRORGRUPPE, GIGANTOR, SLOPPY SECONDS,
WIZO und zwanzig weitere Pop-Punk-Bands covern Hits der letzten Jahrzehnte
von BOB DYLAN und BILL RAMSEY über BONEY M. und HARPO bis hin zu
aktuellen Stücken von OASIS, CAUGHT IN THE ACT, MARKY MARK und PULP.
Auch sehr unterhaltsam ! (74:36)
Obwohl bei FEMALE TROU-BLE ein neuer Bassist eingestiegen ist, hat die
Band aus Berlin eine Frauen-Quote von immerhin noch 3:1. Die neue Scheibe
"Cleanin up the hood" ist zwar etwas ausgefeilter als das Debut;
die Mischung aus straightem Rock und melodischem Punk/Hardcore läßt
im richtigen Augenblick aber nie die nötige Menge Power vermissen.
Auch bei der Auswahl ihrer Cover-Version ("Uuuh" von den frühen
LEMON-HEADS) haben die vier BerlinerIn-nen ein glückliches Händchen
ge-habt. (47:27)
Der Preis für den besten Band-namen geht diesmal ganz klar nach Freiburg
an RAGOUT SCHWACKFINN, die ihre CD freundlich "Ecky" betitelt
haben. Zu hören gibt´s darauf vertrackten komplexen Hardcore
mit vielen Breaks und reichlich Haken und Ösen, der dem Easy Listening
eine schräge Absage erteilt ! (38:17) Mit gefälliger Hintergrundmusik
haben NEGATIV-NEIN ebenfalls nicht das geringste zu tun. Die sechs Bremerhavener
beschreiben das Anliegen ihres selbstbetitelten De-buts in dem Lied "Demokratie"
wie folgt: "Die gesellschaftlichen Zu-stände sind es, die uns
zwingen * über das, was hier passiert zu rei-men oder auch zu singen
* in einer kaputten Welt, wo sich die Men-schen nur noch streiten * gelingt
es uns nur durch den Rap, Normalität zuzubereiten * seitenlange Gedichte
über unsere Weltgeschichte * inspi-riert durch Todesfälle, Gewalt
und durch Kriegsberichte". Untermalt werden die umfangreichen deutsch-sprachigen
Reime von harten Metal- und Hardcore-Klängen, die sich auch nicht
gerade nach "Laß die Sonne ´rein" anhören.
(53:54) We-sentlich positiver eingestellt ist die Musik von SURF TRIO
und PSY-CHOTIC YOUTH, die mit ihrem gemeinsamen Album "Splitsville"
für reichlich frischem Wind an den Stränden der Baggerseen sorgen
dürften. In den Texten von Songs wie "Weekend", "Live
for the sun" und "Hey she´s the girl" werden die
eher angenehmen Seiten des Lebens thematisiert. Musikalisch können
beide Bands mit genialem Pop- und Surf-Punk begeistern. (34:31) Mit dem
sonnigen Surf-Sound haben die LOMBEGO SURFERS allerdings nur am Rande
zu tun. Auf ihrer neuen Scheibe "Way gone" vermen-gen die vier
Schweizer vorwiegend harten Rock mit Garage-Punk zu einem Sound, der zwar
stellenweise stark an IGGY & THE STOOGES und MC 5 erinnert, aber dennoch
sehr eigenständig ist. (33:42)
#11:
Daß seit der letzten
Ausgabe einiges an Zeit vergangen ist, kann man daran merken, daß
ich erst jetzt die Gelegenheit habe, auf die geniale neue Platte von den
PHANTOMS OF FUTURE - "Chimera" - hinzuweisen, die bereits im
Sommer erschienen ist. Hannes beschreibt das neue Werk folgendermaßen:
"Auf 'Chimera' findest du Achterbahnfahrten durch alle menschlichen
Höhen und Tiefen, durch alle gesell-schaftlichen Strukturen, gepaart
mit meditativen Elementen. Genau diese Kombination aus Kraft, Rausch und
Meditation macht die PHANTOMS OF FUTURE 1996 aus." Und dann meint
er noch ganz unbescheiden: "Mit dem neuen Album haben wir eindeutig
einen neuen musikalischen Höhe-punkt erreicht. Mit aktuellen mu-sikalischen
Trends läßt sich 'Chi-mera' nicht fassen. Ich habe bisher nichts
Vergleichbares an Musik gehört". Ich auch nicht, Recht hat er!
(50:25) Nichts grundsätzlich Neues machen dagegen BAD NEWS aus Bochum,
die nach ihrer ausverkauften letzten Single nun endlich in Eigenregie
eine CD veröffentlicht haben, die allerdings so ziemlich alles in
den Schatten stellt, was an melodischem Punk in letzter Zeit erschienen
ist. "Ar-row" enthält zwar nur vier Songs; die können
aber vollkommen überzeugen. Darunter ist übri-gends auch eine
hervorragende Punk-Version des CONNELLS-Hits "74 - 75". Klasse!
(12:18) Auch die Alt-Punks HASS haben (ebenfalls in Eigenregie) eine neue
Platte ´rausgebracht. "Anarchis-tenschwein" ist die elfte
HASS-Scheibe seit der Bandgründung vor 18 Jahren. Nach wie vor ma-chen
die vier Marler kraftvollen und eigenständigen politischen Deutsch-Punk,
der sich zwar wei-terentwickelt hat, aber bestimmt nicht an momentane
Trends an-hängen will. Als Bonus-Track gibt´s übrigends
das "Chaos Vi-deo" für den Computer. (44:00) SHITYRI (russisch:
vier) sind eine All-Girl-Punk-Rock-Band und kommen ebenfalls aus Marl.
Ihr Debut haben sie "1-2-3-4" betitelt und so klingen auch die
19 Songs, für die die Frauen nur etwas mehr als eine halbe Stunde
brauchen: Geradliniger krachiger Garagenpunk, der in vier Akkor-den ´runtergespielt
wird. Wie die RAMONES in ihren besten Zei-ten! (34:05) Die SHIVAS sind
zwar auch eine Frauenband, haben aber mit den punkrockenden Da-men aus
Marl höchstens noch die ersten drei Buchstaben ihres Bandnamens gemeinsam.
Auf "Babylon and the beast", dem neuen Album der vier Nürnberge-rinnen,
sind nämlich zehn ausge-klügelte psychedelische Pop-Songs enthalten.
(37:02)
THE CONVENT klingen auf ihrer neuen Platte "Crashed cars & loveletters"
etwa so wie das, was in den 80ern Independent oder Wave genannt wurde.
Alle mögli-chen Gefühlsregungen - von Träumerei und Melancholie
bis Hoffnung - spiegeln sich in den 13 Stücken wider. Am 12.11. in
der Zeche Bochum. (55:20)
SAPRIZE haben ihren aktuel-len Longplayer "28203" nach dem Stadtteil
benannt, in dem die drei Bremer leben. Sie verstehen sich als die Punks
unter den Hip Hop-pern. So haben sie z.B. auf einem Punk-Festival in einem
besetzen Haus vor 150 Punks gespielt, nachdem sie am Abend zuvor einen
Auftritt mit GRANDMAS-TER FLASH vor 2000 Leuten hatten. Auf ihrer dritten
Platte mischen SAPRIZE Hip Hip-Grooves mit Metal-Gitarren und div. Samples
zu zwölf harten Songs, die auch ohne das Flair brennender Ölfässer
auskommen. (45:24)
JUD kommen eigentlich aus dem beschaulichen Virginia, sind aber nach einer
Reise zur West-küste in Los Angeles hängen-geblieben. Die Musik
ihres neuen Albums "Something better" klingt aber weder nach
ruhigen Farmen, noch nach sonnigen Stränden, sondern spröde,
düster und melan-cholisch mit lärmenden Gitarren und einem fetten,
verzerrten Bass. JUD sind ab Januar wieder auf Tour (live sollen sie besonders
genial sein). (36:21)
LOUD PIPES sind der leben-de Beweis dafür, daß aus Schwe-den
nicht nur poppige Musik kommt. Die 4-Song-CD mit dem programmatischen
Titel "Drunk for ever" bläst dir die Ohren mit einer Mischung
aus brachialem Hardcore und derbem Metal frei. Klingt wie MOTÖRHEAD
auf 45 ! (12:42) THE PIG MUST DIE aus Hamminkeln haben ihre bes-ten (deutschsprachigen)
Songs auf "Tragical mystery songs" noch-mals in englischer Sprache
veröf-fentlicht, um ähnlich bekannt zu werden, wie ihre vermeintlichen
Vorbilder DIE TOTEN HOSEN, die ihre Texten allerdings nicht umschreiben
mußten. (39:18) Natürlich ist es idiotisch, bestimmte Musikrichtungen
an der geographischen Herkunft einer Band festzumachen, aber MR. BUBBLE
B. & THE COCO-NUTS klingen wirklich nicht so, als würden sie
aus Neckarsulm kommen. Ihr Debut "Bum" er-weckt vielmehr den
Eindruck, als würde hier eine californische oder schwedische Melody-Core/Punk-Band
ihre zweite oder dritte Platte veröffentlichen. Einfallsreicher und
kraftvoller Hardcore mit viel Melodie wird aufgelockert durch Ska-Einlagen,
mit denen sich das Newcomer-Trio nicht 'mal vor den genialen MIGHTY MIGHTY
BOSSTONES zu verstecken braucht. (33:45) BREEDING FEAR verwursten auf
ihrer ersten Full-Length-CD "The chase is on" alles, was zu
einem zeitgemäßen heftigen Crossover gehört: Reich-lich
Metal, Hardcore, Hip Hop und Industrial-Sounds. Mahlzeit! (55:53) Ungleich
spaßiger klingt die brasilianischen Fun-Band YELLOWFANTE, die auf
ihrem Album "Fantamaria" eine chaoti-sche Mischung aus Pop,
Punk, Rock´n´Roll, Coverversionen und allerlei Unsinn verzapft.
(34:38) Der Gipfel sind allerdings ELÄ-KELÄISET aus Finnland,
die auf ihrer CD "Humppakäräjät" auf unnachahmliche
Weise Liedern von QUEEN, BILLY IDOL, JU-DAS PRIEST, MINISTRY, SU-ZANNE
VEGA und einigen ande-ren ihren Stempel aufdrücken: "We will
rock you", "Breaking the law", "These boots are made
for walking" und "Dancing with my-self" heißen bei
ELÄKELÄISET "Lisää humppa", "Humppalaki",
"Astuva humppa" und "Humppaan itsekseni" und klingen
auch dem-entsprechend. Polka-Beat, Trash-Orgel, div. andere Instrumente
und die finnischen Texte lassen die Originale in den Hintergrund treten
und geben uns einen kleinen Einblick in die (für uns Mitteleu-ropäerende
nahezu unverständli-che) finnische Kultur - großartig ! Lediglich
das 36minütige letzte Lied ("Humpparitari") hätten
sich die vier Finnen in den dunkelen Anzügen sparen können.
(72:13) GREENHOUSE AC kommen zwar auch aus Finnland, haben aber mit skandinavischer
Hump-pa-Musik nichts zu tun. Die vier Lappen haben sich eher dem Punk-Rock-Blues-Noise
verschrie-ben, der vielmehr an amerikani-sche oder australische Musiktradi-tionen
anknüpft. Das neue Album "Doggy bag" ist zwar deutlich
langsamer als die Vorgängerplat-te, vermag aber durch treibende Beats,
klasse Melodien und kra-chige Gitarren zu überzeugen. (42:50)
Die GANGLORDS haben mit "Burnin up" nun ihre zweite Platte veröffentlicht.
Daß diese Reggae-Band aus der Schweiz kommt, kann man der neuen
Scheibe ganz bestimmt nicht anhören, wohl aber, daß die vier
Schweizer ein Jahr lang in Jamaika gelebt und "Burnin up" zusammen
mit eini-gen hochkarätigen Gästen in Kingston aufgenommen haben.
Herausgekommen ist dabei ein äußerst vielfältiges Album,
das von Roots-Reggae und Ragga bis hin zu Rhythm&Blues- und Hip Hop-Einflüssen
ein breites Publi-kum anspricht. (44:12) Sehr ab-wechselungsreich ist
auch "Two tone army", die neue Platte von den TOASTERS. Der
Hinweis auf dem Cover "100 % New York City Ska" wäre eigentlich
nicht nötig gewesen, denn die TOAS-TERS sind zumindest in der Ska-Szene
schon lange keine Unbe-kannten mehr. Auf "Two tone army" kombinieren
die New Yor-ker erfrischenden 2Tone-Ska mit Rock Steady-Beats, jazzigen
Blä-ser-Riffs und Reggae-Grooves zu einer absolut vielseitigen Mi-schung.
(40:36) Ungefähr in die gleiche Richtung geht die neue Platte der
britischen Ska-Band INTENSIFIED. Bei "Don´t slam the door"
handelt es sich aller-dings um eine Zusammenstellung von Singles und Samplerbeiträgen
der letzten Jahre. Die zwölf Musi-ker aus Kent besinnen sich bei
ihren Eigenkompositionen auf den traditionellen jamaikanischen Ska und
Rock Steady der 60er. Beson-ders charakteristisch sind der mehrstimmige
Gesang und die satten Bläserarrangements. Ein Debut-Longplayer ist
in Vorberei-tung. (53:02) THE HOTKNIVES aus dem südenglischen Brighton
sind zwar schon seit 1984 in der Ska-Szene bekannt, haben mit "home"
aber erst ihr viertes Al-bum veröffentlicht. Traditioneller Ska läßt
sich in ihren Songs kaum erkennen; vielmehr wird der Ska-Sound der späten
70er und frühren 80er mit dem Brit-Pop der 90er fusioniert. Diese
einzigartige Mi-schung ist äußerst tanzbar und klingt heute
frischer als je zuvor. Viel besser als MADNESS ! (49:32) THE BUTLERS machen
ebenfalls ihre eigene und einzigar-tige Mischung auf Grundlage des Ska.
Auf "Trash for cash" crosso-vern die Berliner Ska und Soul und
bedienen sich bei Funk, Beat, Rock, Pop, Punk und Jazz. Geco-vert werden
"These boots are ma-de for walking", "You can get it"
und "Painted black". Und tanzbar ist diese geniale Party-Mucke
natürlich auch - Geheimtip ! Wo wir gerade bei Crossovern mit Ska-Anteil
sind: Zumindest bei drei von sieben Liedern der neuen CD "Make up
your mind" von FIDDLERS GREEN durchdringt der Offbeat den Sound der
sechs Erlanger Speed-Folk-Rocker. Von den sieben Songs sind allerdings
nur drei neu, die restlichen vier sind Live-Aufnahmen älterer Stü-cke.
Am 5.12. im Bahnhof Lan-gendreer. (25:45) BLYTH PO-WER haben jetzt ihr
siebtes Al-bum in zwölf Jahren veröffent-licht. Auf "Out
from under the king" ist wieder ´mal die typische englische
Mischung aus Folk und Punk zu hören, die wohl niemand so gut vertonen
kann, wie BLYTH POWER. Der Gitarrist John Ru-therford, der seit dem letzten
Al-bum dabei ist, hat übrigends zuvor ein Angebot von EXPLOITED abgelehnt
- gut so ! (52:45)
#12:
Da ist wirklich ein dickes
Ding: DR. RING-DING aus Münster und H.P. SETTER aus der dortmunder
Nordstadt haben sich zusammengetan und mit "Big T'ings" ein
absolut hervorragendes Dub-Album 'rausgebracht; was eigentlich wenig verwunderlich
ist, denn der Dortmunder zählt zu den renommiertesten Reggae-Produzenten
in Deutschland und der Doc aus Münster ist wohl der zur Zeit angesagteste
Sänger und Posaunist im Ska- und Rocksteady-Sektor hierzulande. Die
Grundlage für "Big T'ings" bilden Aufnahmen von JIN JIN,
BOUND HEAVEN, GÖTZ ALSMANN und DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS.
Hinzugefügt wurden unter der Regie von SETTER die neuen Texte, Posaune
und Melodika von RING-DING. Das Resultat ist eine richtungsweisende Dub-Scheibe
mit einem unvergleichlich satten Sound, die zeitgemäß und zugleich
traditionsbewußt ist. Gibt's u.a. beim Mixmaster himself: T'Bwana
Sound, Schleswiger Str. 19, 44145 DO. (48:40) Moderne jamaicanische Musik
machen auch MOTHER'S PRIDE aus Berlin, die nach einer EP, div. Samplerbeiträgen
und ihrem Album "Bullshit" nun endlich ihren zweiten Longplayer
nachgelegt haben. "Take That!" ist eine begnadete Weiterentwicklung
des traditionellen Ska-Sounds, der selten so abwechselungsreich und tanzbar
ist, wie hier. Aus mehrfacher eigener Erfahrung (s. WirrWarr # 9) kann
ich bestätigen, daß die berliner Big-Band live die absoluten
Abräumer sind. (54:08) Aus Berlin kommen ja bekanntlich auch DIE
ÄRZTE und die TERRORGRUPPE, die auf der sehr treffend betitelten
Mini-CD "Rockgiganten vs. Strassenköter" sich jeweils zweimal
gegenseitig covern. Mein erster Eindruck war, daß die Rockgiganten
Lieder von der TERRORGRUPPE verhunzen dürfen und sich die Strassenköter
mit dem Songmaterial der ÄRZTE herumschlagen müssen. Dieser
Eindruck hat sich allerdings nur bei der ärztlichen Zeitlupen-Bombast-Version
von "Rumhängen" bestätigt, die nur (ein bißchen)
lustig ist, wenn man das Original kennt. Ansonsten gibt´s hier dreimal
guten eingängigen deutschsprachigen Punk-Rock, was hauptsächlich
der TERRORGRUPPE zu verdanken ist, die nämlich ein gutes Händchen
bei der Auswahl der ÄRZTE-Songs bewiesen hat. (13:55) Deutsch-Punk
eines ganz anderen Kalibers machen EISENPIMMEL, die auf ihrer CD "Alte
Kacke" mehr oder weniger alte Kacke zusammengestellt haben. Die DuisburgerInnen
beherrschen wohl wie keine andere Band die perfekte Kombination von anspruchsvollen
persönlichen und sozialkritischen Texten, was allein schon durch
Songtitel, wie "Ich halt den Männern die Stange", "Komm
mal lecker unten bei mich bei", "Staat hau ab" oder "Ich
mach Anarchie" eindrucksvoll deutlich wird. Mit ihrem bisherigen
Gesamtwerk hängen EISENPIMMEL die Meßlatte der politischen
Korrektheit wieder ein kleines Stückchen höher. (40:44)
JIMMY KEITH & HIS SHOCKY HORRORS vom westlichen Ruhrstrand haben es
irgendwie geschaft, Prominente wie NIKKI SUDDEN und JEFF DAHL als Gastsänger
für einen Song auf ihrer neuen Platte "Coma Beach" zu gewinnen.
Die Platte überzeugt insgesamt durch melodischen aber druckvollen
Surf-Punk, der gelegentlich an SOCIAL DISTORTION zu ihren besten Zeiten
erinnert. (34:16) Die THREE O'CLOCK HEROES waren kürzlich mit PETER
AND THE TEST TUBE BABIES auf Tour und haben bei der Gelegenheit mit ihrer
Mischung aus melodischem 77er Punk und Beat für jede Menge Begeisterung
gesorgt. Besonders hervorzuheben ist allerdings der Gitarrensound, der
streckenweise die Genialität des "The Mating Sounds Of South
American Frogs" Albums von PETER AND THE TEST TUBE BABIES erreicht,
was besagter Band selbst leider nicht mehr so ganz zu gelingen scheint.
Auf ihrer neuen 4-Song-CD "Over The Dump" widmen sich die drei
Frankfurter außerdem mit einem Song liebevoll der KELLY FAMILY.
(13:55)
Die vor fast zwanzig Jahren gegründete bielefelder Punk-Legende NOTDURFT
hat nach ihrem selbstbetitelten Album von 1982 erstmals wieder eine Platte
veröffentlicht. Mit "Junge Liebe in Gefahr" knüfen
sie fast nahtlos an ihr hervorragendes Debut an, das durch gute Texte
und abwechselungsreiche Mucke aus der Masse der Deutsch-Punk-Combos herausragte.
Das gleiche gilt für die neue Scheibe, von der sich so mancher Newcomer
einiges abgucken kann: Hervorragender, melodischer und abwechselungsreicher
Punk-Rock inkl. 'ner BEATLES-Cover-Version ("Help"). Das gesuchte
Debut-Album ist übrigends auch wieder erhältlich. (45:18, 30:56)
Eine ähnliche Bandgeschichte haben MAJOR ACCIDENT, die sich 1977
in Nordengland gründeten und sich zehn Jahre später wieder auflösten,
um sich schließlich Anfang 1995 wieder zu reformieren. Ihr aktuelles
Album "The Ultimate High" ist die melodischste und vielseitigste
Oi-Punk-Scheibe, die ich seit langem gehört habe. COCK SPARRER und
Konsorten lassen grüßen. (47:36)
Die YETI GIRLS, die ja eigentlich weder Schneemenschen noch Mädchen
sind, haben ihr neues Album "Kitty Train" zunächst nur
als LP (bei Ihrem alten Label) veröffentlicht. Das digitale Format
erscheint erst Ende Februar bei einer Major-Company, die wohl erkannt
hat, daß der zuckersüße Pop-Punk mittlerweile bravo-kompatibel
bzw. massentauglich geworden ist, was m.E. ansatzweise von einer allgemeinen
geschmacklichen Verbesserung der Musikkonsumierenden zeugt. Musikalisch
fällt der Wechsel zur Industrie jedenfalls nicht negativ auf. Gecovert
wird übrigends "Material Girl" von MADONNA. Die Vinyl-Ausgabe
gibt´s nur auf Konzerten und bei ihrem alten Label (0211/719493).
Garantiert nicht massentauglich ist dagegen die neue Scheibe von BOTTOM
12. Das Septett aus Hollywood mit zwei Schlagzeugern und zwei Bläsern
hat (nicht nur) mich schon vor einem Jahr im FZW mit ihrem unvergleichlichen
Wahnsinns-Sound beeindruckt. Auf dem Ende Februar erscheinenden neuen
Machwerk "Balderdash" werden wieder Hardcore mit Noise, Freejazz
und andere Klängen zu einem innovativen, abwechselungsreichen und
teilweise brachialen Sound kombiniert. (66:56)
Nach der in der letzten Ausgabe erwähnten Mini-CD "Make Up Your
Mind" haben FIDDLER'S GREEN jetzt wieder einen Longplayer veröffentlicht,
auf dem die sechs Erlanger wieder ihren vielseitigen Speed-Folk zelebrieren.
Mit "On And On" wird die hauptsächlich aus Akademikern
bestehende Band ihr selbstgestecktes Ziel (Platz 99 der Albumcharts) vermutlich
erreichen können. (54:56)
#13:
Im Januar waren die legendären
SKAOS im FZW und haben ihre neue CD "Ham & Eggs" vorgestellt.
Die sieben Augsburger haben zwar schon gegen Ende der 80er Jahre zwei
LPs veröffentlicht, sich aller-dings später aufgelöst und
bringen nun erstmals seit ihrer Reunion 1995 wieder eine Studioplatte
´raus, die locker an ihre früheren Erfolge anknüpfen kann.
Eine brilliante Gratwanderung zwischen schnellen Two-Tone-Songs und traditionellen
Ska-Stücken mit Reggae-Einflüssen und einem beeindruckenden
Turbo-Gebläse. Im FZW haben sie einem begeisterten Publikum klar
gemacht, daß sie momentan die beste Ska-Band hierzulande sind. (51:55)
EL BOSSO & DIE PING PONGS zählen auch zu den hervorra-genden
deutschen Ska-Bands, die sich zwischenzeitlich (1993) getrennt und - leider
nur für eine Tour Ende 1996 - wieder zusammengefunden hatten. Deshalb
gibt´s auch keine neuen Aufnahmen der Müns-teraner; dafür
aber ihr gesamtes Material auf einer CD. Die Scheibe mit dem aufschlußreichen
Titel "Komplett!" enthält beide Alben, ein bisher unveröffentliches
Lied und einige Samplerbeiträge der ersten deutschsprachigen Ska-Band.
Mit dabei ist bzw. war auch Prof. Richie alias DR. RING DING, der sich
damals allerdings noch auf Posaune und Chorgesang beschränkt hat.
Insgesamt 21 mal genialer tanzbarer Party-Ska ! (74:11) Die beiden Sänger
und Posaunisten von SKAOS und DR. RING DING haben bei "History Book",
einer Zusammenstellung mit 19 Songs der letzten fünf Alben der TOASTERS,
ihre Finger mit im Spiel gehabt. Mad Wolley hat das Cover gestaltet und
Prof. Richie die Stücke ausgesucht. He-rausgekommen ist dabei natürlich
ein absolut hörenswerter Überblick über das vielfältige
Schaffen der herausragenden New Yorker Ska-Combo. Kraftvoller 2Tone-Ska,
groovige Reggae- und Rocksteady-Beats - alles dabei ! (61:38)
Den Auftritt von BUTTERMAKER - der ostwestfälischen Antwort auf REX
GILDO und BEATLES - im Subrosa habe ich leider verpaßt; seine neue
CD "Sexy wie Elvis" ist allerdings auch ziemlich kultver-dächtig.
Von Schlager-Balladen bis Rock´n´Roll wird so einiges mit
autobiographischen Texten verse-hen, die einen tiefen Einblick in die
Welt des passionierten Mofafahrers erlauben. Auf seiner zweiten Platte
wird Butti u.a. von einem gewissen Tex Morton (CHAINSAW HOLLIES) und zwei
Leuten von FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE unterstützt. Live spielt er
allerdings nach wie vor solo zu seinen 4-Spur-Tapes. (40:44) Ein Vorbild
von BUTTERMAKER ist vermutlich der großartige KING ROCKO SCHAMONI,
der seine gesuchten Platten "Liebe kann man sich nicht kaufen",
"Eversex" und "Vision" unter dem Namen "Die frühen
Werke des Monsieur 70 Volt" als CD veröffentlicht hat. Dazu
gibt´s noch zwei bisher unveröffentlichte Lieder und den Hit
"Hallo, ich bin Rocko Schamoni" von 1986. KING ROCKO SCHAMONI
ist der "Tiger in der Nacht", er ist der "Teufel auf zwei
Rädern" und der wahre König der Subkultur ! (53:34) Neben
den TOTEN HOSEN und den MIMMIS sind die PANHANDLE ALKS die dritte Band,
die aus der düsseldorfer Punk-Legende ZK hervorgegangen ist. Anläßlich
des 15jährigen Bandbestehens werden die beiden ersten Platten auf
einer CD unter dem unmißverständli-chen Titel "Düsseldorf
Straight Alk-A-Billy" herausgebracht, auf der eine ungewöhnliche
Mischung aus Rockabilly und Country mit deutschen Texten zu hören
ist. (45:24)
Auf dem High-Speed-Folk-Sektor sind drei bemerkenswerte Veröffentlichungen
zu vermelden. IN SEARCH OF A ROSE mischen auf ihrem zweiten Album "Fresh
Lotus Surprise" wieder ´mal traditionel-len irischen Folk mit
Pop, Rock und ´ner Portion Punk. Wer frischen und kraftvollen Folk
mag, sollte sich die sechs Ostwestfalen in der Open-Air-Saison nicht entgehen
lassen. (27.06.: Iserlohn, 19.07.: Her-ne) (48:15) Ein etwas größerer
Punk-Einfluß läßt sich auf der neuen Scheibe von ACROSS
THE BORDER ausmachen, deren Titel "Crusty Folk Music For Smelly People"
keinen Zweifel an der Musikrichtung läßt. Die LEVELLERS und
POGUES haben Spuren hinterlassen. (58:43) Eine etwas andere Mischung aus
Folk und Punk machen MUTABOR, die ich vor einem Jahr in Berlin im Franz-Club
live gesehen habe. Damals konnte ich mir allerdings nicht vorstellen,
daß dieser deutschsprachige Blockflötenpunkrock ´mal
von einem ziemlich bekannten Major veröffentlicht wird. Die Lieder
auf ihrem selbstbetitelten Debut sind überwiegend recht schnell und
klingen durch die Kombination von verzerrten Gitarren und lieblichen Blockflötentönen
mit deutschspachigen Texten recht eigentümlich. (44:55)
FEMALE TROUBLE haben eine wunderschöne Single aus gelbem transparenten
Vinyl mit einem sehr ansprechenden Hochglanzcover herausgebracht. Auch
hier läßt der Titel "Punk As Fuck" keine Zweifel
an der Musik aufkommen. Sehr powervoller und dreckiger Punk, den die Damen
aus der Hauptstadt hier abliefern. Auf der B-Seite wird der AGENT ORANGE-Klassiker
"The Last Goodbye" nach Art des Hauses gecovert. Die SILLY ENCORES
aus Düsseldorf haben nach ihrem Debut nun "Jaguar Zebra"
´rausgebracht, ein Album, auf dem über eine Stunde lang überwiegend
melodischer und rockiger Punk zu hören ist, der stellenweise an LEATHERFACE
und UPRIGHT CITIZENS erinnert; ein Lied klingt sogar ein bißchen
nach STOPPOK. Im Gegensatz zum überflüssigen (prollrockigen)
KISS-Cover "Talk To Me", kommt "Seasons In The Sun"
als Punk-Version allerdings recht gut. (68:34) RENT A COW aus dem nahe
gelegenen Duisburg haben jetzt ebenfalls nach ihrer Debut-Scheibe eine
neue Platte nachgelegt. "High Noon In Wanker County" heißt
das Teil, doch die Westerneinflüsse halten sich bei der Band um den
Sänger von JIMMY KEITH AND HIS SHOCKY HORRORS in Grenzen. Stattdessen
gibt´s hauptsächlich geradlinigen und schnörkellosen Punkrock.
Gecovert werden übrigends "Bad Moon Rising" von CREE-DENCE
CLEARWATER REVIVAL und "Turned Traitor For A Piece Of Tail"
von NINE POUND HAM-MER. (20:50) KICK JONESES bestehn zu vier Sechsteln
aus ehemaligen Bandmitgliedern von WALTER ELF, die teilweise auch bei
den SPERMBIRDS mitgespielt haben. Ihr Album "Streets Full Of Idiots"
und die EP "Wer hat in mein Bier gepißt?" klingen dementsprechend:
Grandioser melodischer Pop-Punk mit einigen Hardcore-Einsprengseln, der
zwar völlig eigenständig ist, neben den beiden genannten Bands
aber auch gelegentlich an MOVING TARGETS und DESCENDENTS erinnert. Sehr
schön ist auch das Plattencover vom Titanic-Zeichner Bernd Pfarr.
Die sechs Kaiserslauterner sind zur Zeit offensichtlich mit großem
Abstand die beste Band auf diesem Sektor; lediglich die Cover-Versionen
("Safety Dance" und "Glass Of Champagne") wären
nicht nötig gewesen, da sie viel zu originalgetreu klingen. Insgesamt
aber zwei wirklich überragende Platten ! Das gleiche gilt auch für
das Debut von RANTANPLAN "Kein Schulterklopfen (Gegen den Trend)",
auf dem die sieben Hamburger problemlos auf BILLY BRAGGs "New England"
hätten verzichten können, denn der Rest des Albums ist absolut
hervorragend. Die Band, an der auch der Sänger von ...BUT ALIVE beteiligt
ist, kombinieren melodischen Punk mit groovigem Ska und wirklich inteligenten
Texten; eine phantastische Mischung ! (38:37)
Viele Leute, die mitte März wegen MARKY RAMONE ins FZW gekommen waren,
hatten die Gele-genheit, einen Auftritt von SEESAW mitzuerleben. Als ich
noch darüber nachdachte, ob die Band wohl eher aus Washington D.C.
oder Boston kommt, wurden diese Überlegungen durch eine deutschsprachi-ge
Ansage zunichte gemacht. Die vier klingen zwar nach einer genialen Mischung
aus FUGAZI, BUF-FALO TOM und vielleicht noch DINOSAUR JR, NEIL YOUNG oder
LEMONHEADS, kommen aller-dings aus Hanau. Auch auf ihrer CD "Gas
Food Lodging" ist brillianter gitarrenbetonter Post-Punk/Core zu
hören, der sich trotz umfangreichem "Namedropping" keineswegs
wie ein Plagiat anhört. (42:31) Reichlich prominente Namen werden
auch regelmäßig angeführt, um den Sound von SLICK aus
Berlin zu beschreiben. Wer wissen möchte, wie HÜSKER DÜ,
NIRVANA und MONSTER MAGNET unter ei-nen Hut zu kriegen sind, sollte in
die neue CD "Electric Bäbyländ" ´reinhören.
Brachiale elektrische Rockmusik zwischen Noise und Melodie, die internationale
Vergleiche nicht zu scheuen braucht. (41:39) Geographisch von SLICK weiter
entfernet als musikalisch sind die MIRACLE G(Y)RLZ, hinter denen sich
keine Girlie-Band, sondern zwei in Papua Neu Guinea geborene Halbfinnen
und ein Litauer verbergen. Auf ihrer neuen Platte "Candy´s
Hardware Bazaar" werden neben Punk- und Noise-Elementen, die immer
wieder von kleinen Melodien durchzogen werden, auch verschiedenste andere
Instrumente und Geräusche geschickt eingesetzt. Der Sänger erinnert
an Hannes von den PHANTOMS OF FUTURE. (45:53) Daß ELÄKELÄISET
ebenfalls aus Finnland kommen, dürfte sich inzwischen schon bei vielen
herumgesprochen haben, zumindest bei denen, die die unglaubliche Band
live gesehen ha-ben. Die neue Platte der vier Finnen "In Humppa We
Trust - Live" ist im letzten Jahr in Erlangen und beim Roskilde Festival
in Dänemark (vor über 10000 Leuten) aufgenommen worden. Wie
immer werden hauptsächlich bekannte Songs aus den letzten Jahrzehnten
der Musikgeschichte gecovert, allerdings in einer Art und Weise, die das
Erkennen des Originals ziemlich erschwert. Wer sich die Tour im Sommer
entgehen läßt, ist selbst Schuld. Ab Oktober ist übrigends
ein Kinofilm "Humppa the movie" geplant - ich bin gespannt !
(62:11)
Auch in diesem Jahr gibt´s wieder einen Label-Sampler aus dem Hause
NRW. Naheliegend, daß die CD "NRW 1997" genannt worden
ist. Diesmal dabei sind z.B. YOUR FINEST DROPS, die einigen Leu-ten als
Ruhrrockgewinner, Vorband der CRANBERRIES oder MitstudentInnen bekannt
sein dürften. Au-ßerdem zu hören: ATOMOPEL, MIDGARD, WILL
O`THE WISP, RED JACK und wieder ´mal L.A.N.E., ERDMÖBEL, CARNE
und BILLY RUBIN sowie einige andere. Insgesamt wieder eine sehr bunte
Mi-schung von Pop bis Metal aus Nordrhein-Westfalen (54:47) Bunt gemischt,
allerdings aus Süddeutsch-land, ist auch die Veröffentlichung
mit dem Titel"THE NÜRNBERG DOLPHIN ORCHESTRA". Hierbei
handelt es sich um Aufnahmen unterschiedlichster Bands, bei denen die
Gesangsparts (bis auf eine Aus-nahme) ausschließlich von zehn Delphinen
des Delphinariums in Nürnberg übernommen worden sind. Die musikalische
Bandbreite reicht von Punk ("De(zi)bil Dolphin" von D.N.S.)
über Dub und Reggae ("Raggadolphin" von den TOXIES) bis
hin zu Techno ("Death Of A Dolphin" von XQ); und das in Ver-bindung
mit den sehr hohen Pfeiftönen der Meeressäuger - sehr ungewöhnlich
und interessant ! (61:23)
Caleidoscop 1993:
GIRLS AGAINST BOYS
"Tropic Of Scorpio"
Adult Swim Rec./EFA
JAWBOX
"Novelty"
Dischord Rec./EFA
CIRCUS LUPUS
"Super Genius"
Dischord Rec./EFA
Hinter diesen noch recht unbekannten
Namen verbergen sich drei relativ junge Bands, in denen jede Menge "Prominenz"
aus der washingtoner Szene mitmischt. Nachdem GIRLS AGAINST BOYS zunächst
als reines Studioprojekt von SOULSIDE-, FUGAZI- und FIREPARTY-Leuten begann
und die "Nineties Vs. Eighties" EP einspielte, hat sich daraus
eine Band entwickelt, die zu ¾ aus SOULSIDE-Bandmitgliedern besteht.
Bei JAWBOX ist es Jay Robbins (Ex-GOVERNMENT ISSUE) und bei CIRCUS LUPUS
Chris Thompson, der ehemalige Sänger von IGNITION, die die Bands
nicht unentscheident prägen. Die drei Bands machen jedoch nicht nur
da weiter, wo SOULSIDE, GOVERNMENT ISSUE und IGNITION aufgehört haben,
sondern schaffen sich ihre eigene musikalische Identität. GIRLS AGAINST
BOYS sind noch ´ne Ecke experimentiertfreudiger und vielseitiger
als SOULSIDE es jemals waren und setzen auch schon mal exotisch anmutende
Instrumente ein. Auf eingängige und schnörkellose Hardcoresongs
folgen oft überraschend komplexe, einfallsreiche und jazzige Titel.
Dagegen wirken CIRCUS LUPUS vergleichsweise puristisch und homogen, aber
trotzdem nie langweilig. Ihr Debut ist voll von rohen, harten, kraftvollen
und eigenständigen Songs. Wesentlich melodischer ist die zweite Platte
von JAXBOX, die durchaus mit ihrem hervorragenden Vorgänger mithalten
kann. Abwechselungsreicher geiler Gitarrencore, zum Teil mit Ohrwurmqualitäten
und ziemlich hitverdächtig. GIRLS AGAINST BOYS, CIRCUS LUPUS und
JAWBOX klingen zwar für washingtoner Hardcore-Bands nicht völlig
ungewöhnlich, dennoch sind Vergleiche mit FUGAZI, vor denen sich
die Drei bestimmt nicht verstec ken müssen, ziemlich überflüssig.
Hardcore trifft Indie-Rock und begeistert !
HAPPY HOUR
"Sugar And Spice"
RESISTORS
"Pain & Passion"
DÅY HØUSTEN
"Debut"
We Bite Records/SPV
Ich weiß nicht, wer diese
Lawine dreckiger harter Rockmusik losgetreten hat, aber jetzt scheint
sie ganz schön ins Rollen geraten zu sein. Allerdings spielten Happy
Hour Ende Mai im FZW nur vor gut einer handvoll Zuschauern zum Tanze auf.
Es muß wohl am sonnigen Wetter gelegen haben, denn so ganz unbekannt
sind die Berliner in der Szene nicht. Ihre Wurzeln liegen klar im Hardcore.
Auf der neusten Platte geht es jedoch ganz schön rockig zur Sache.
Tonangebend sind Melodie und Lärm - sugar and spice. Manche nennen
es "Street Rock'n'Roll" und liegen dabei gar nicht 'mal schlecht.
Egal wie ihr es nennt, mir gefällt's. Auch die Resistors präsentieren
sich auf ihrem zweiten Album rockiger, geradliniger und langsamer, dabei
aber auch brachialer und kraftvoller. Ähnlichkeiten mit Danzig sind
wohl nicht ganz zufällig. Um ein Plagiat handelt es sich hier aber
bestimmt nicht. Auf jeden Fall 'ne coole Scheibe zum Abrocken ! Dåy
Høusten kommen nicht, wie es die Schreibweise ihres Namens vermuten
lassen würde, aus Skandinavien, sondern aus Süd-Deutschland.
Sie beackern das weite Feld der Rockmusik der letzten Jahrzehnte. Deep
Purple und ZZ Top scheinen an dieser Combo nicht spurlos vorrüber
gegangen zu sein. Das Resultat klingt recht überzeugend: Abwechselungsreicher
Hardrock der 90er. Für alle drei Platten gilt: Geiler Rock, kein
Metal !
TWO-BIT THIEF
"Gangster Rebel Bop"
We Bite Rec./SPV
Die Band um Sänger und
Gitarristen Andy Andersen ist aus der mehr oder weniger bekannten Hardcore-Crossover-Band
Attitude hervorgegangen, denen vermutlich ihre eigene Musik zu langweilig
geworden ist. Unter neuem Namen spielt die Band seit 1989 Rock´n´Roll,
der erfreulicherweise mit konservativen Spielarten dieser Richtung (s.
Cover) nicht das Geringste zu tun hat. Auf der nunmehr zweiten Platte
werden, neben Rock-, Sleaze-, Punk- und Hardcoreeinflüssen auch Blues-
und Westernelemente zu einer witzigen, coolen und abwechselungsreichen
Mischung verarbeitet. Mit "Hang ´Em High" und "Preacher´s
Son" liefern die Rock´n´Roller aus San Francisco die
besten Western-Songs seit "Gone To Texas" von den Godfathers
ab. Bei "Preacher´s Son" war übrigends Chris Marvin,
der Sohn von keinem anderen als Lee Marvin im Studio am Schlagzeug ! "Out
Of This Town" erinnert ein wenig an Nirvana, "On Parole"
stellenweise an Adolescents. "One Of The Boys" zollt Rose Tattoo
Tribut. Der Rest ist auch nicht schlechter. Die Scheibe könnte für
eine Definition von Street-Rock´n´Roll im weiteren Sinne herhalten,
wenn überhaupt für solche Definitionen ein Bedarf bestünde.
Ich ziehe es allerdings vor, mir die Band live anzusehen; Two-Bit Thief
kommen voraussichtlich im Dezember in Deutschland auf Tour.
EA80
"Schauspiele"
- Eigenproduktion und -vertrieb -
Die Band aus Mönchengladbach
paßt absolut nicht ins Punk-Klischee der schnorrenden Schmuddelpunks.
Dafür machen sie aber, wie es sich für eine richtige Punk-Band
gehört, ihre Platten in Eigenregie und verkaufen ihre CD´s
zum gleichen Preis wie die Lp´s, und zwar für schlappe 15,-
Mark. Zehn Jahre nach der ersten EP haben EA80 nun ihre sechste LP veröffentlicht,
auf der wieder ´mal keine grundlegenden Neuerungen zu hören
sind, was die meisten ihrer Fans wohl vermutlich kaum stören wird,
denn der EA80-spezifische Sound vermag immer noch zu faszinieren. Die
Musik bewegt sich irgendwo zwischen Traurigkeit und Aggressivität.
Depressive Stimmungen werden erzeugt und anschließend wieder durch
impulsive und energiegeladene Songs zerstört. Die persönlichen,
ehrlichen, entlarvenden, abrechnenden und manchmal schon sehr merkwürdige
Texte sind nicht nur obligatorisches Beiwerk zur Musik, sondern tragen
entscheidend zu den Qualitäten der besten, unkommerziellsten, intelligentesten
und überhaupt geilsten Punk-Band Deutschlands bei, die bei soviel
Lob bestimmt erröten würde.
Wolfram
Trierischer Volksfreund 2000
PHANTOMS OF FUTURE
"../inside/outside" CD
Die PHANTOMS OF FUTURE laden
auf ihrem siebten Album wieder zu einer spektakulären Reise in ihren
ganz eigenen außergewöhnlichen Kosmos ein. Sie werfen erneut
einen gewagten Blick in die Zukunft und lassen das Traumhafte bereits
in der Wirklichkeit beginnen.
Nachdem sich die Band aus Dortmund sich viele Jahre im Untergrund bewegt
und mehrere Indie-Produktionen herausgebracht hatte, konnte sie seit Mitte
der 90er Jahre endlich mit zwei Major-Alben und mehreren Video-Clips gewisse
Chartserfolge verbuchen.
Seit ihrer Gründung haben sich die Phantoms Of Future vielen musikalischen
Strömungen geöffnet und sich dabei kontinuierlich weiterentwickelt.
Auch auf "../inside/outside" wird diese Entwicklung konsequent
weitergeführt. Eigentlich heterogene Musik-Spektren von Punk über
Techno bis hin zu Psychedelic und Big Beat verschmelzen zu einer unverwechselbaren
Einheit. Textlich werden die Abgründe der Seele in all ihren Spielarten
des Verruchten und Extremen erbarmungslos ausgelotet.
Neben zehn neuen Songs beinhaltet die Mitte April erscheinende CD zwei
neue Versionen von älteren Stücken der PHANTOMS sowie Coverversionen
von THE DOORS ("Riders In The Storm") und SUPERMAX ("Love
Machine"). Demnächst folgt eine Clubtour mit 35 Auftritten im
In- und Ausland folgen. Der Auftritt am 20.04. in Rüsselheim (Das
Rind) ist zwar räumlich gesehen der naheliegenste, aber wer schon
mal die mitreissende Show der charismatischen Sängers live erlebt
hat, wird sicherlich auch diese Anreise nicht scheuen.
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