Alte Plattenbesprechungen

aus WirrWarr, Kopfsalat, Caleidoscop + Trierischer Volksfreund

 

 

WirrWarr

1993

Sonix !
'Never Enough Now'

Für frischen Wind in der Ruhrgebiets-Undergroundszene sorgen die Sonix mit ihrer 7-Song-Debut-CD. Sicherlich sind sie für manche keine Unbekannten mehr, denn zuletzt waren die Vier in der Zeche Bochum und als Support von Captain Sensible im Musik-Zirkus zu hören und sehen. Die Band besteht zu drei Vierteln aus Studenten, was sich aber keineswegs negativ bemerkbar macht, denn die Wurzeln dieser Band liegen im gänzlich unakademischen Punk. Darüber hinaus wissen die Sonix aber auch mit genügend anderen Musikstilen umzugehen. Nach einigen durchweg ausgezeichneten und abwechslungsreichen reggae- und rockbeeinflußten Songs endet die Platte mit der wunderschön-traurigen Ballade "walking with my pain". Einziges Manko der CD: Mit nur 21 Minuten ist die Spieldauer entschieden zu kurz. Weitere Infos und die Möglichkeit die (recht preiswerte) Platte zu ordern gibt's bei: Jochen Kuthe, Stühmeyer Str. 56, 44787 Bochum, 0234/685986

 

Phantoms Of Future
'This Flight Tonight'

Die neue Platte von dortmunds schillernster Band enthält als Titelsong eine Studio-Coverversion von Joni Mitchel und dreizehn Livesongs der letzten Tour. Wer die Phantoms schon ´mal live gesehen hat, weiß, daß eine Live-Platte bestenfalls nur ansatzweise die Atmosphäre eines ihrer Konzerte wiedergeben kann. Ein Video wäre dazu sicherlich das geeignetere Medium gewesen. Aber trotzdem: Die Aufnahmequalität ist ebenso gut, wie die Auswahl der Stücke, die mit Ausnahme von "Dr. Codeine" und dem Titelsong allesamt auch schon auf den drei Studioalben veröffentlicht worden sind. Sie geben dafür aber einen guten Überblick über das vielseitige Schaffen der Phantome. Ohne Einschränkungen kann ich jedoch zum Besuch eines ihrer außergewöhnlichen Live-Konzerte raten (nicht nur wegen der pyrotechnischen Effekte). Gelegenheit dazu gibt's am 24.12. in Hagen, am 25.12. in der Live-Station und am 26.12. in Unna (jeweils zusammen mit den Secrets Of Cash ´n´ Carry).

 

The Secrets Of Cash ´n´ Carry
'Use'

Die drei Dortmunder melden sich nach einer zweijährigen kreativen Schaffenspause zurück und liefern dabei gleichzeitig ihr bestes Album ab. Das musikalische Spektrum deckt alle möglichen Bereiche zeitgenössischer Gitarrenmusik ab. So sind auf ihrer mittlerweile dritten Platte neben ruhigen und akustischen auch einige kraftvolle und rauhe Songs vertreten. Die Bezeichnung "Dortmunds Antwort auf Buffalo Tom" scheint also gar nicht so ganz abwegig zu sein. Dabei ist der Rock ´n´ Roll der Secrets Of Cash ´n´ Carry trotz vielfältiger Einflüsse durchgehend eigenständig. Mit dieser Platte (und ihrem neuen Label/Vertrieb) könnte es die Band vielleicht tatsächlich schaffen, ihren Insider-Status gegen reichlich Ruhm und Ehre einzutauschen. Ihre Live-Qualitäten stellen sie an den Weihnachtsfeiertagen unter Beweis (s. Plattenbesprechung von Phantoms Of Future).

 

 

1994

GRAVE DIGGER
Symphony Of Death

Allein der geistreiche Bandname und der feinsinnige Titel dieses Albums lassen schon das Genre erahnen. Die Musik ist tatsächlich genauso innovativ, wie das wunderschöne Vierfarb-Hochglanzcover (Skelett mit Mönchskutte und Geige) und die hervorragenden, sehr persönlich gehaltenen, sozialkritischen und engagierten Texte. Hier eine kleine Zusammenstellung der aussagekräftigsten Refrains: "We fight, we kill, we die, we play, we dance to a symphony of death" ... "We´re back - back to the roots, heavy metal rules" ... "Shout it out, we´re ready to rock now" usw.. Die Texter Chris Boltendahl und Toni Göttlich haben sich hier einmal mehr als brillante Lyriker entpuppt. Der Rest der Texte ist mindestens genauso einfallsreich und zeugt von einer überaus innigen Auseinandersetzung mit der Thematik des Sterbens. Alles in allem bewegen sich GRAVE DIGGER fernab jeglicher Klischees und betreten mit ihrer neuen Platte zweifelsfrei musikalisches Neuland.

MEDFIELD, MA
"Journal Entries"

Wer Mitte Oktober den Auftritt von Medfield, MA beim "Fight Fascism" Konzert im Fritz-Henßler-Haus verpaßt hat, kann sich mit ihrer neuen Platte trotzdem an deren absolut genialer Musik erfreuen. die fünf Jungs aus Lübeck.
Hüsker Dü, Moving Targets, Nirvana...
momentan auch international das Beste in Sachen ...

SPLATTERHEADS
"Fish Biscuit"

Über diese Platte muß man nicht viele Worte verlieren. Die Band kommt aus Australien und hört sich auch so an: dreckiger Aussie-Rock der stark an deren Landsleute Cosmic Psychos, Bored... erinnert und vermutlich auch von AC/DC beeinflußt ist.
Single, drei Songs lange Platte "BOT - The Album"


NELSONS WEDDING
"Just Married"

Durch ihre ständige Bühnenpräsenz in der Hafenstadt Dortmund dürfte diese Band selbst bei Süßwassermatrosen und sogar bei Landratten bekannt sein. Der Ruhr-Sechser ist nämlich berüchtigt für seine Shanties, die von einer ziemlich unchristlichen Seefahrt erzählen. An Bord sind neben der üblichen Besatzung auch z.B. Geige, Akkordeon, Flöte, Dudelsack und Mandoline. Die Crew segelt auch auf ihrer Debut-CD stets hart am Wind, durchkreuzt auf ihrem Törn diverse musikalische Gefilde und hält dennoch ständig den eigenen Kurs. Spätestens bei "Drunken Skipper" bemerken wir, daß der Vergleich mit den Pogues fast so sehr hinkt, wie Kaptain Ahab mit seinem Holzbein. Absoluter Live-Tip !

 


KALYNA KRASNAYA
"Kalyna Krasnaya"

Hinter diesem Namen verbergen sich keine Krsna-Jünger, sondern Andrej Novikov, Vassilij Galaktionov, Anderj Ponomarov, Sergej Shpynov und Oleg Mitin - fünf Straßenmusiker aus St. Petersburg. Ihr auffälligstes Merkmal ist der riesige dreisaitige und dreieckige Balalaika-Bass. Der Musik und dem Tanztheater der fünf Russen ist es zu verdanken, daß ab und zu auf dem Westenhellweg ein Hauch von Vodka Gorbatschow, Kreml, Sibirien und Königsberger Klopse zu spüren ist. Ihre Lieder tragen so klangvolle Namen, wie "Pjatorotschka", "Yablotschko" oder "Marlboro". Kalyna Krasnaya sind zwar live zweifellos am besten, aber mit dieser 20minütigen CD und einer Flasche Vodka kann man sich durchaus ein Stück Russland in die eigenen vier Wände holen. Mit riesigem Abstand das Beste in westlichen Fußgängerzonen ! Infos: ( 0231/103577


BACK FROM THE LOO
"My Lord, We Found A Spoon"

Fast jeder kennt sie von den Toiletten der sog. Szene-Kneipen: die kleinen quadratischen Aufkleber von CUD. Diese Band hat sich jetzt umgetauft (der vorherige Name war schon vergeben) und sendet (als) Back From The Loo mit ihrer ersten Lp ein Lebenszeichen aus dem schon oft totgeglaubten dortmunder Untergrund. Dabei entpuppen sich BFTL als dortmunds beste Hardcore-Band, die bisher jedoch viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Musikalisch wird straighter und dabei melodischer Hardcore zum Besten gegeben, der weder in stupides Geknüppel noch in allzu softe Klänge ausartet. Die Scheibe gibt´s nur als Lp, nicht als CD.

MEDFIELD, MA
"Journal Entries"

Wer Mitte Oktober letzten Jahres den Auftritt von Medfield, MA beim "Fight Fascism" Konzert im Fritz-Henßler-Haus verpaßt hat, kann sich mit ihrem überaus gelungenen Debut-Album trotzdem an dieser hervorragendern Musik erfreuen. Die fünf Jungs aus Lübeck verarbeiten das beste der letzten Jahrzehnte zu einem eigenständigen melodischen Sound, der irgendwo zwischen Hüsker Dü, Moving Targets, Dinosaur Jr, Lemonheads, Buffalo Tom und Nirvana anzusiedeln ist. Diese Band gehört für mich momentan zum Besten des Gitarrenrock-Genre.


RICO & HIS BAND
"You Must Be Crazy"

Der legendäre Ska-Posaunist Rico Rodriguez wurde 1934 in Kingston geboren und etablierte sich schnell in der jamaikanischen Musikszene. Später hat er zusammen mit bekannten Größen, wie z.B. Bob Marley, Linton Kwesi Johnson oder den Specials gespielt. Aufgenommen wurde diese offizielle Live-Platte am 29. März 1994 im FZW. Am 2. Dezember kam der Altmeister endlich an den Tatort zurück, um sein Werk vorzustellen. Die Soundqualität der auf dem dortmunder T´Bwana-Label erschienenen Platte ist absolut erstklassig. Der satte und angenehm warme Klang von Ricos Posaune wird sehr authentisch ´rübergebracht. Unterstützt wurde er von zahlreichen hervorragenden Musikern, darunter auch ein über 70jähriger Percussionist. Bemerkenswert ist auch die eigenwillige Version von "Take Five". Alles in allem ist "You Must Be Crazy" eine sehr schöne, ruhige Ska-, Rocksteady-, Reggae- und Hardbop Jazz-Platte.


SPLATTERHEADS
"Fish Biscuit"

Über diese CD-Single muß ich nicht viele Worte verlieren. Die Band kommt aus dem fernen Australien und hört sich auch so an: Herrlich dreckiger Raw-Power-Aussie-Rock der stark an deren Kollegen Saints, Cosmic Psychos, Bored, MC 5, Radio Birdman, frühe AC/DC und Konsorten erinnert. These guys kick butt!


SUN
"XXXX"

Nach dem Tod von Kurt Cobain ist Grunge zwar von den Medien für tot erklärt worden; einige Bands scheinen sich davon aber nicht beeindrucken zu lassen. So auch die mönchengladbacher Band Sun, die mit ihrem vierten Album ein überaus abwechselungsreiches Werk vorlegt, das verschiedene Facetten des sog. Alternative-Rock umfaßt. Zu eher langsamen, rockigen Songs, die stellenweise stark an Pearl Jam erinnern, gesellen sich einige tonnenschwere brachiale Stücke, wie sie sonst eigentlich nur Helmet fertigbringen. Sehr schön !


THE WHISKY PRIESTS
"Dol-li-a"
"The Power And The Glory"

Der Schlagzeuger dieser nordenglischen Truppe hat zwar schon vorher bei Punk- Bands, wie den Toy Dolls und Angelic Upstarts getrommelt; stilistisch ist bei den Whisky-Priestern aber eher Power-Folk a la Pogues angesagt. Auf "Dol-li-a" ist, neben einer Weihnachtsballade, der Titelsong in fünf verschiedenen Versionen zu hören. Dieses alte englische Kinderlied ist der Höhepunkt bei Konzerten der Whisky Priests und deshalb ist diese Platte für wahre Fans dieser Band zweifellos ein Muß. Für Leute, die keine fanatischen Anhänger dieser Band sind, ist das letzte Album der fünf Engländer eher zu empfehlen: Feiner Folk-Rock, der auf dieser Platte etwas ruhiger ist, als auf den vorherigen Veröffentlichungen, dafür aber um so mehr für Fernwehgefühle sorgt.


1995

#7:

Erfreulicher Weise gab´s in den letzten Wochen und Monaten einige sehr interes-sante Neuerscheinungen an Tonträgern, insbesondere aus dieser Region.
Es scheint sich ja mittlerweile herumge-sprochen zu haben, daß die PHANTOMS OF FUTURE eine ziemlich ungewöhliche und großartige Band sind. Mit ihrer neuen CD "Call Of The Wild" beweisen sie, daß ihrem Sound der (langersehnte) Wechsel zur bösen und mächtigen Musikindustrie keinesweg geschadet hat. Im Gegenteil: Die Musik der Phantoms ist insgesamt härter und straighter geworden, was nicht heißt, daß auf der neuen Platte nicht auch noch wunderschöne Melodien und abgedrehte Songstrukturen Platz finden. Lediglich die allzu radiotaugliche neue Version von "A-round The World" (mit Chor) hatten sie sich sparen können. Wer die CD-Präsentation in der Live Station verpaßt hat (der Laden war ´mal wieder an zwei aufein-anderfolgenden Tagen gut gefüllt), sollte auf jeden Fall die momentane Tour nutzen, die Band nochmal zu sehen, bevor sie ganz groß ´rauskommen.
Ebenfalls aus Dortmund und bei dem gleichen Plattenriesen unter Vertrag sind die CHAINSAW HOLLIES, deren Debut "Bob" schon vor einigen Monaten erschie-nen ist. Zu hören gibt´s mitreißenden Po-wer-Pop irgendwo zwischen "Chainsaw" und "Hollies", der Live seine optimale Wir-kung entfaltet.
Neues gibt´s von NELSONS WEDDING, die jetzt erstmals zwei Stücke in deutscher Sprache veröffentlicht haben. Auf der CD-Single "Ohne mich" gibt´s zwei Lieder, die schon auf ihrem Debut in englisch zu hören waren sowie Instrumen-talversionen von diesen Songs. Passend zur POPKOMM soll dann eine komplette deutschsprachige Langspielplatte folgen.
Eine ganz besonders interessante Platte für lokalpatriotische MusikliebhaberInnen ist sicherlich der Sampler mit dem Titel "STAUBTROCKEN", auf dem sechs dortmunder Bands vertreten sind. Neben den drei schon zuvor genannten Gruppen, sind noch CHEAP TEQUILA, LES JACKS und THE BILLY RUBIN mit dabei. Aufgenommen wurden die insgesamt elf Songs in Schnitzels vier m2 großer Ra-diosprecher-Kabine (DO 91,2) und zwar live und akustisch. Letzteres hat zur Folge, daß auch eher härtere Bands auf dieser Scheibe ziemlich ruhig klingen. Limitierte Auflage (500 Stück)
... THE LANE aus Hagen, 6-Song-Split-CD mit CANDY FACTORY, ....
TERREMOTO PARTY aus Bochum "Infermezzo", zwei völlig unterschiedliche Sänger sehr abwechselungsreicher Hardcore, ...
Bereits im Februar erschienen ist der CROSSING ALL OVER Vol. 3 Sampler auf dem sowohl international bekannte Bands wie z.B. Clawfinger, Red Hot Chili Peppers, Rollins Band, Dog Eat Dog, Gre-en Day und Biohazard als auch weniger bekannte wie Sun, Spermbirds, H?Blockx oder Blackeyed Blonde vertreten sind. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern dieses Samplers ist auch hier wieder sowohl die stilistische Vielfalt von Punk und Hard-core über Grunge bis Hip-Hop als auch die Fusion der genannten Musikstile namens-gebend.
BLACKEYED BLONDE "Masafag-ga" peinliches Cover, Hardcore-Hip-Hop, Ghetto und Saarländischer Slang...
Vom dortmunder Big Easy-Label gibt´s auch neues und zwar: BLYTH POWER "Paradise Razed" und WATERSON : CARTHY, Folk...
Die neue Platte von THE THE trägt den Titel "Hanky Panky". Mastermind Matt Johnson hat mal wieder ein paar Musiker um sich gesammelt und mit ihnen ein recht ungewöhnliches Album eingespielt, das dem Country-Sänger Hank Williams Sr. huldigt.
Es scheint sich ja mittlerweile herumge-sprochen zu haben, daß die PHANTOMS OF FUTURE eine ziemlich ungewöhliche und großartige Band sind. Mit ihrer neuen CD "Call Of The Wild" beweisen sie, daß ihrem Sound der (langersehnte) Wechsel zur bösen und mächtigen Musikindustrie keinesweg geschadet hat. Im Gegenteil: Die Musik der Phantoms ist insgesamt härter und straighter geworden, was nicht heißt, daß auf der neuen Platte nicht auch noch wunderschöne Melodien und abgedrehte Songstrukturen Platz finden. Lediglich die allzu radiotaugliche neue Version von "A-round The World" (mit Chor) hatten sie sich sparen können. Wer die CD-Präsentation in der Live Station verpaßt hat (der Laden war ´mal wieder an zwei aufein-anderfolgenden Tagen gut gefüllt), sollte auf jeden Fall die momentane Tour nutzen, die Band nochmal zu sehen, bevor sie ganz groß ´rauskommen.
Ebenfalls aus Dortmund und bei dem gleichen Plattenriesen unter Vertrag sind die CHAINSAW HOLLIES, deren Debut "Bob" schon vor einigen Monaten erschie-nen ist. Zu hören gibt´s mitreißenden Po-wer-Pop irgendwo zwischen "Chainsaw" und "Hollies", der Live seine optimale Wir-kung entfaltet.
Neues gibt´s von NELSONS WED-DING, die jetzt erstmals zwei Stücke in deutscher Sprache veröffentlicht haben. Auf der CD-Single "Ohne mich" gibt´s zwei Lieder, die schon auf ihrem Debut in englisch zu hören waren sowie Instrumen-talversionen von diesen Songs. Passend zur POPKOMM soll dann eine komplette deutschsprachige Langspielplatte folgen.
Eine ganz besonders interessante Platte für lokalpatriotische MusikliebhaberInnen ist sicherlich der Sampler mit dem Titel "STAUBTROCKEN", auf dem sechs dortmunder Bands vertreten sind. Neben den drei schon zuvor genannten Gruppen, sind noch CHEAP TEQUILA, LES JACKS und THE BILLY RUBIN mit dabei. Aufgenommen wurden die insgesamt elf Songs in Schnitzels vier m2 großer Ra-diosprecher-Kabine (DO 91,2) und zwar live und akustisch. Letzteres hat zur Folge, daß auch eher härtere Bands auf dieser Scheibe ziemlich ruhig klingen. Limitierte Auflage (500 Stück)
... THE LANE aus Hagen, 6-Song-Split-CD mit CANDY FACTORY, ....
TERREMOTO PARTY aus Bochum "Infermezzo", zwei völlig unterschiedliche Sänger sehr abwechselungsreicher Hardco-re, ...
Bereits im Februar erschienen ist der CROSSING ALL OVER Vol. 3 Sampler auf dem sowohl international bekannte Bands wie z.B. Clawfinger, Red Hot Chili Peppers, Rollins Band, Dog Eat Dog, Gre-en Day und Biohazard als auch weniger bekannte wie Sun, Spermbirds, H?Blockx oder Blackeyed Blonde vertreten sind. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern dieses Samplers ist auch hier wieder sowohl die stilistische Vielfalt von Punk und Hard-core über Grunge bis Hip-Hop als auch die Fusion der genannten Musikstile namens-gebend.
BLACKEYED BLONDE "Masafag-ga" peinliches Cover, Hardcore-Hip-Hop, Ghetto und Saarländischer Slang...
Vom dortmunder Big Easy-Label gibt´s auch neues und zwar: BLYTH POWER "Paradise Razed" und WATERSON : CARTHY, Folk...
Die neue Platte von THE THE trägt den Titel "Hanky Panky". Mastermind Matt Johnson hat mal wieder ein paar Musiker um sich gesammelt und mit ihnen ein recht ungewöhnliches Album eingespielt, das dem Country-Sänger Hank Williams Sr. huldigt. Alle Texte wurden ... (s. Text/Coolibri)
MISSION "Neverland" massentaugliche Musik....(s. Coolibri)
BUT ALIVE... "nicht zynisch werden !?" beste Punk-Band zur Zeit, Texte: ...
RANDY "Ska" absolut geniale Mi-schung aus Punk und Ska genausogut, wie die hervorragenden Mighty Mighty Bossto-nes, schwedische Band

#8:

In der Hoffnung, daß seit den Charterfolgen von GREEN DAY und OFFSPRING das Interesse an Musik jenseits des Mainstreams etwas mehr gestiegen ist ... hier einige kurze Plattenbesprechungen aus dem weiten Feld des Undergrounds:
Beginne ich ´mal wieder mit einer dortmunder Band und beim Punk: Nach dreijährigem Bestehen haben BACKLASH endlich im Sommer 1995 ihre Debut-CD und gleichzeitig die beste CLASH-Platte veröffentlicht. Denn nicht nur das Cover-Artwork, auch der eher poppige Punk mit starken Reggae- und weniger starken Rockabilly-Einflüssen erinnern sehr an besagte Punkband, die allenfalls in den späten Siebzigern so gut waren, wie die Dortmunder heute. Angesichts der Tatsache, daß dieses selbstfinanzierte Debut in nur einer Woche eingespielt worden ist, kann man nur mit den Ohren schlackern. Am 29. März zusammen mit THE COLOUR RED und REGATTA DE BLANC live im Dietrich-Keuning-Haus. (Kontakt: 716156 oder 410907) (69:59) Ebenfalls im Sommer ´95 später haben THE BILLY RUBIN mit "Goal" ein weiteres dortmunder Debut nach dreijährigem Bandbestehen auf den Markt gebracht. Die schon auf dem "Staubtrocken"-Sampler vertretene Band ist auch tief im Punk verwurzelt. Sänger Andy dürfte der einen oder dem anderem schon von diversen anderen Bands (z.B. RIM SHOUT) bekannt sein. Bemerkenswert sind vor allem die runderneuerte Cover-Version von BILLY BRAGG´s "A New England", der Titelsong (Mitgröhl-Stadionmusik) und die Huldigung an ein besonders wohlschmeckendes dortmunder Exportbier ("5,5%"). Schönes Debut, nur zu kurz. (21:59)
Von der bochumer Band SCREECH existiert bisher leider nur ein 6-Song-Demo-Tape, obwohl sie sicherlich zu den besten Pop-Core-Bands überhaupt zählt. Vergleiche mit den genialen SAMIAM sind keineswegs übertrieben. Bei einem Lied war übrigends der frühere FAITH NO MORE-Sänger CHUCK MOSLEY beteiligt. (Kontakt: 0234 - 9650007 od. 452196)
Das mit großem Abstand blödeste Cover seit langem ziert die "Sex Sells" CD der DILDO BROTHERS aus Essen. Musikalisch um so überzeugender ist dagegen die abwechselungsreiche Synthese aus Melody-Core californischer Prägung und Metal der angenehmeren Art. Gut ! (Kontakt: 0201 - 597733) (42:28)
Daß Hamburg immer noch die Punk-Rock-Hauptstadt in Deutschland ist, beweise SQUARE THE CIRCLE mit ihrem Debut "Everyone´s a Winner". Die ehemaligen Bandmitglieder von NOISE ANNOYS, RUBBERMAIDS und SHEEP ON A TREE machen den wunderschönsten Punk-Power-Pop, der seit Ewigkeiten meine Gehörgänge erreicht hat. Wurden NOISE ANNOYS noch häufig mit den BUZZCOCKS verglichen, so kann man SQUARE THE CIRCLE absolute Eigenständigkeit atestieren. Die Quadratur des Kreise ist gelungen. Völlig genial ! (63:39)
DIE SCHWEINE sind ein spaßiges Frauen-Quartett aus der Umgebung von Osnabrück, die mit ihrer Maxi-CD "Begehrt" jetzt erstmals drei schrille deutschprachige Popsongs veröffentlicht haben. Sie selbst nennen ihren Stil allerdings "pampig religiösen Zungenrock" und legen Wert darauf, daß sie zwar Frauen, in erster Linie aber Schweine sind. (10:22)
Die Überraschung des letzten Jahres waren für mich NEGU GORRIAK. Die fünf Basken, die sich in ihren Texten für die Unabhängigkeit ihrer Heimat und für ein Europa der Völker einsetzen, schaffen es auf unglaubliche Art und Weise Punk, Hip Hop, Dub, Hardcore, Ska, baskische Volksmusik und diverse andere Stile miteinander in Einklang zu bringen. Der aktuellen Platte "Ideia Zabaldu" (Unsere Ideen verbreiten) liegen mehrsprachige Übersetzungen der engagierten Texte bei. Tip ! (41:51)
Noch so´ne Überraschung ist die neue Scheibe der ENGLISH DOGS. Hatte ich die Band doch irgendwie ziemlich derbe in Erinnerung, so überzeugt mich "All The World´s A Rage" auf ganzer Länge: Zeitgemäßer britischer Melody-Core, der fast an die kaum erreichbaren LEATHERFACE herankommt. (45:37)
WONDERPRICK huldigen auf "Dill" zahlreichen Bands, indem sie deren Liedgut in hervorragende partytaugliche Punkversionen uminterpretieren. Dran glauben mußten unter anderem: ABBA, QUEEN, PAUL ANKA, MOTÖRHEAD, UNDERTONES, WIPERS und ADAM AND THE ANTS. (63:53) In die gleiche Kerbe schlägt der Sampler PUNK CHARTBUSTERS: 25 Bands wie TERRORGRUPPE, ANTISEEN, THE BATES, PETER + THE TEST TUBE BABIES, THE SLAGS und YOUTH BRIGADE drucken Kompositionen von EAST 17, CRANBERRIES, ABBA, RICK ASTLEY, BEATLES, KIM WILDE, SANDRA etc. ihren Stempel auf und veredeln diese zu durchaus hörenswerten Songs. (70:43) 100% Deutschpunk dagegen auf dem Doppel-CD-Sampler ALPTRAUMMELODIE III. Sieht man `mal von einigen klischeehaften Beiträgen ab, so sind es vor allem die nicht ganz erstzunehmenden Songs von EISENPIMMEL (Photo im Januar-Coolibri auf S. 18!), TERRORGRUPPE und der zur Zeit extrem angesagten wattenscheider Akademikerkombo DIE KASSIERER (Zitat Wolfgang: "Wo steht geschrieben, daß ein studierter Mann nicht asozial sein darf ?"), die wirklich zu gefallen wissen. (43:01/40:65) Etwas facettenreicher ist der vierte Teil der FUCK YOUR ILLUSIONS-Compilation, auf dem z.T. recht unterschiedliche neue Crossover-Bands zusammengestellt sind. Am ehesten bekannt sein dürften KROMBACHER MC, ANARCHRIST ACADEMY und FISCHMOB. Insgesamt ´ne sehr bunte Mischung aus Hardcore, Funk, Rap, Hip Hop, Metal, Rock und anderen Versatzstücken. (76:10)
Schön schräg und schmutzig sind KIM SALMON & THE SURREALISTS auf ihrer neuen Platte. `Mal kraftvoll und krachig, `mal ruhig und melancholisch, aber immer intensiv und leidenschaftlich wirken die bluesigen Rocksongs der drei Australier. Anfang `96 auf Europatour. (42:57)
DANGERSLIDE, ein Trio aus dem englischen Christchurch, haben mit ihrem selbstbetitelten Debut eine zwar unspektakuläre, jedoch trotzdem absolut hörenswerte melodische Punk ´n´ Roll-Scheibe veröffentlicht. Live soll die Band angeblich tierisch abgehen; im Frühsommer in Deutschland auf Tour. (49:21)
Der zweite Teil des UNITED COLOURS OF SKA-Samplers gibt einen Überblick über die äußerst vielseitige globale Ska-Szene. So sind neben relativ unbekannten Bands aus den USA, England und Deutschland auch solche aus Russland, Tschechien und Jugoslawien (??) vertreten. Stilistisch reicht die Bandbreite von 2tone über jamaicanischem Ska bis hin zu hardcoreorientierten Klängen. (62:50) Eher traditionell angehaucht ist die Platte von DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS. Der schwergewichtige Sänger und Posaunist sowie jede Menge weiterer Musiker (u.a. DERRIK MORGAN, KARSTEN RIEDEL und GÖTZ ALSMANN) liefern mit "Dandimite!" ein Album ab, das stark an die legendären SKATALITIES erinnert. Die Cover-Versionen und Eigenkompositionen bewegen sich im Bereich von Ska, Rock Steady, Reggae, Raggamuffin und Calypso. Live ist die Band übrigends besonders empfehlenswert. (57:34) Dies gilt wohl auch für die BUSTERS, die deshalb mit der CD "Live in Montreux" ihren Auftritt auf dem nicht ganz unbekannten Jazzfestival in der dortigen Miles Davis Hall dokumentieren. Neben ihren eigenen Hits sind besonders die Ska-Versionen von "Rivers Of Babylon" und vor allem "Wish You Were Here" hervorzuheben. (64:06)
Schon seit Sommer ´95 im Handel erhältlich ist die zweite CD von JIN JIN. Manchem ist die niederrheinische Reggae-Band vielleicht noch von den SUMMER JAMs ´94 und ´95 bekannt. Dementsprechen ist auf "Burger Connection" sonniger, aber vor allem cooler und satter Dub-Reggae mit drei Sängern, Bläsern, Hammondorgel etc. zu hören, der in der Tradition der späten 70er Jahre steht. Das Lied in deutscher Sprache könnte jedoch glatt den neuen Trend für den nächsten Sommer liefern. (51:02)
Newcomer des Jahres in Sachen Folk waren 1995 für mich die ostwestfälischen IN SEARCH OF A ROSE. Bei ihrem Album "Conquering" handelt es sich vermutlich um die beste anglo-irische Folkplatte, die jemals eine deutsche Band veröffentlicht hat. Brillant wie die POGUES in ihren besten Zeiten und frischer als der Irische Frühling. (47:08) Schon seit vielen Jahren auf Europas Bühnen präsent sind die WHISKY PRIESTS, die aus dem von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten County Durham kommen. Mit ihrer neuen Veröffentlichung "Bleeding Sketches" beschreitet die Folk-Rock-Band allerdings neue Wege: Zusammen mit einigen bekannten Sessionmusikern haben sie Gedichte des nordenglischen Poeten Keith Armstrong vertont. Herausgekommen ist ein interessantes Konzeptalbum, das sowohl textlich als auch musikalisch als überaus gelungen zu bezeichnen ist. (44:24)
THE COAL PORTERS, die Band um SID GRIFFIN, dem ehemaligen Kopf der LONG RYDERS, haben auf "Los London" erneut amerikanischen Folk und Country mit dem englischen Punk der späten Siebziger gemischt. Kentucky meets London. (45:39)
RADIO ETHIOPIA nennt sich ein Projekt aus diversen Ruhrgebietsmusikern, die u.a. früher bei GEIER STURZFLUG mitgespielt haben. Geprägt wird der Sound der mit "Wax + Gold" betitelten Platte jedoch hauptsächlich durch die afrikanischen Musiker. Gesungen wird in türkisch, deutsch und in verschiedensten afrikanischen Sprachen. So multikulturell wie das Ruhrgebiet. (60:16)
Über KREATOR aus dem essener Norden muß ich wohl nicht viele Worte verlieren. Die Band um MILLE PETROZZA hat ihren siebten Longplayer "Cause For Conflict" eingespielt, der in punkto technisch versiertem derben Geknüppel nichts zu wünschen übrig läßt. (47:30) Das gleiche gilt auch für HATE SQUAD, die mit ihrer zweiten CD "I.Q. Zero" auf den Spuren von BIOHAZARD und SEPULTURA wandeln, bei aller Härte aber immer noch relativ abwechselungsreich und melodisch sind. (41:49) Schwere Sachen finden sich auch auf "Addicted" von GURD, die ebenfalls ihre zweite Platte veröffentlicht haben und auch nicht übermäßig viel von ruhigen Klängen halten. Wer´s verträgt, kann sich übrigends im Februar/März live die volle Dröhnung abholen. (46:59) TOM ANGELRIPPER, der Frontmann der Ruhrgebiets-Trashband SODOM hat sein erstes Soloalbum in deutscher Sprache veröffentlicht. Auf "Ein schöner Tag" beweist er, wie gut die idiotischen Sauflieder unserer Vorfahren zu der Musik eines TOM ANGELRIPPERs passen. Besonders überzeugend: "Es gibt kein Bier auf Hawai", "Schnaps, das war sein letztes Wort", "Caramba, Caracho, ein Whisky" und "Der Teufel hat den Schnaps gemacht". (38:35)
Das kölner Faxenkombinat HEITER BIS WOLKIG heißt inzwischen HÄRTER BIS WOLKIG. Aus dem radikalen Musikkabarett ist eine Comedy-Punkband geworden. Nach dem Motto "Lacht kaputt, was Euch kaputt macht!" werden auf dem Album "Terroristen" und auf der Maxi-CD "Auf Urlaub" hemmungslos die unterschiedlichsten Musikstile verwendet: Punk gefolgt von Schlager, nach einem Ska-Song kommt Metal, ein punkiges Liebeslied, eine Ballade und zum Schluß auch noch Techno ("Heiter, Heiter!"). Besonders genial ist die Ska-Version von TRUDE HERRs "Niemals geht man so ganz". (58:51/13:47) SCHLAFFKE & ZEPP haben mit ihrer Maxi-CD "Eleganz hat einen Namen" ihre Liebe zum deutschsprachigen Schlager ausgelebt. Ob der Sänger von SCHLIESSMUSKEL und der Gitarrist von JIMMY KEITH & HIS SHOCKY HORRORS damit in die Hitparade kommen, scheint mir allerdings doch eher fraglich. (20:47) Überaus erfolgreich ist dagegen ist HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER. Die Mischung aus Ruhrgebiets-Comedy und genialen Coverversionen von Rock-Klassikern in der hiesigen Mundart scheinen zur Zeit sehr gut anzukommen. Dafür muß leider in Kauf genommen werden, daß die lustige Truppe ihr aktuelles Programm "Getz aber in echt" teilweise in ziemlich großen Hallen vor einem rhythmisch klatschenden Publikum präsentiert. Trotzdem würde ich der CD einen Live-Auftritt vorziehen. (62:39)
Und zum Schluß noch ´was für UMSONST: Dank eines wittener Labels, kann ich unter der WirrWarr-Leserinnen und ?Lesern folgende Scheiben verlosen: 5 x MONSTER VOODOO MACHINE "Suffersystem" 12-Song-CD, 10 x THUNDERHEAD "Snap" 3-Song-CS und 5 x SPERMBIRDS "Pop-Song" 3-Song-CS. Bis Ende Februar anrufen unter 0231 - 144743

#9:

Eine völlig neue und in meinen Augen überaus geniale Idee hat das Label NRW aus Herne gehabt: Zum Jahresbeginn ist der Sampler mit dem Titel NRW 1996 erschienen (für schlappe zehn Mark). Auf diesem sind zwölf Songs von zwölf Bands aus Nordrhein-Westfalen vertreten, die stilistisch alle ziemlich unterschiedlich sind. In jedem der zwölf Monate dieses Jahres wird eine CD dieser Bands in der Reihenfolge des Samplers veröffentlicht. (46:20) L.A.N.E. aus Hagen haben mit "Skirt" den Anfang gemacht. Die Ruhrrock Winner von 1994 überzeugen auf ihrem ersten full-length-Album mit enorm abwechselungsreichem funkigem Rock, der sowohl in den ruhigen Passagen, als auch an heftigeren Stellen zu gefallen weiß. Obwohl die RED HOT CHILI PEPPERS scheinbar nicht ganz spurlos an den Hagenern vorbeigegangen sind, haben L.A.N.E. ihren sehr eigenständigen, groovigen Sound gefunden. (57:06) Im Februar haben dann ERDMÖBEL ihre CD mit dem Titel "das Ende der Diät" nachgelegt. Der Bandname, der Plattentitel, das Cover und Lieder, wie z.B. "Leben ist trivial", "Wurzelseliger", "Ich Ich Ich", "Sinn und Wahn" oder "Derrick zwischen Krücken schwebend" lassen zunächst sehr kopflastigen und schwierigen Germanisten-Rock (mindestens 27. Semester) befürchten; aber irgendwie schafft es die Band um die Münsteraner Markus Berges und Ekkehard Maas ihre komplexen Texte in abgespeckte und eingängige Pop- und Gitarren-Rock-Melodien zu verpacken. Insgesamt ziemlich außergewöhnlich und interessant; hat ´was ! (54:12) Anschließend ist das Frühjahr mit dem Debut von SHORT aus Bochum und Wattenscheid eingeläutet worden. Das Trio besteht zwar zu zwei Dritteln aus ehemaligen FRITS-Mitgliedern (Karsten Riedel und Christian Koch), hat aber musikalisch eine Wende um mindestens 127 Grad vollzogen: Statt Ska sind auf dem Debut-Album "Liquid" eher ruhigere, teils experimentelle, teils krachige Klänge zu hören, die machmal etwas an FUGAZI erinnern. Sie selbst nennen es Pop-Core, ich würde es eher als Post-Hardcore bezeichnen - ist ja auch völlig egal, von den letztjährigen Ruhrrock-Gewinnern (Sparte "Alternative") wird sicherlich noch einiges zu hören sein. (40:00) Bis zur Veröffentlichung der neuen CD von WHY GO WYOMING im September, kann mit der aktuellen Platte "Stampede" vorliebgenommen werden, die das Quartett aus Dortmund und Schwerte im vergangenen Jahr in Dorstfeld aufgenommen hat. Die Musik würde ich ´mal schlicht und einfach als geradlinigen Rock bezeichnen, der sicherlich sein Publikum findet, mich aber nicht umbedingt vom Hocker reißt. (47:30) Neben der Veröffentlichung von CDs, unterstützt NRW Bands aus NRW durch Kooperation mit Konzertveranstaltern, Schallplattenhandel und Medien. Kontakt für Bands und Veranstalter: 02325/798146. Auf den CD-Kalender NRW 1997 bin ich jetzt schon sehr gespannt.
Die bochumer Gothic-Metaller SECRET DISCOVERY haben mit "A Question Of Time" nun ihr viertes Album vorgelegt, auf dem sie sehr gekonnt bombastischen atmosphärischen Düsterrock mit kraftvollem harten Metalsound fusionieren. Momentan auf Tour ! (47:08)
DIE SCHWEINE sind ein spaßiges Frauen-Quartett aus der Umgebung von Osnabrück, die mit ihrer Maxi-CD "Begehrt" jetzt erstmals drei schrille deutschprachige Popsongs veröffentlicht haben. Sie selbst nennen ihren Stil allerdings "pampig religiösen Zungenrock" und legen Wert darauf, daß sie zwar Frauen, in erster Linie aber Schweine sind. (10:22)
SCHLIESSMUSKEL gibt´s nicht mehr, denn die Vier aus Hamminkeln haben ihrer musikalischen (Weiter-)Entwicklung seit ihrem Debut von vor zehn Jahren Rechnung getragen und sich umbenannt und zwar (eher langweilig) in DIE MUSKELN. Der Titel der neuen Platte "Abstieg in den Ruhm" deutet es an: DIE MUSKELN sind radiotauglicher geworden, als SCHLIESSMUSKEL es jemals waren. Dennoch: Die witzigen und sarkastischen Texte früherer Zeiten sind erhalten geblieben ("Stromgitarrenspieler") und werden nun um klare politische Statements ergänzt ("Denk ich an Deutschland", "Einmal hat´s gereicht"). Von den schnellen Punk-Songs haben sich die Niederrheiner weitgehend verabschiedet und wenden sich jetzt zunehmend ruhigeren durchdachten Liedern zu (´mal mit Hang zum Schlager und zur Schnulze, ´mal etwas druckvoller). Von Abstieg kann keine Rede sein (wer will schon zehn Jahre lang die gleiche Musik machen ?!); rühmlich ! (49:20)
Die zwanzigjährige ELIZA CARTHY, Tochter der bekannten Folk-Musikanten MARTIN CARTYH und NORMA WATERSON, hat ihr 1. Soloalbum veröffentlicht. Obwohl Mama und Papa nicht mehr dabei sind, steht "Heat, Light & Sound" ganz klar in der englischen Folk-Tradition. Elizas Repertoire reicht von a-capella über purer Geigenmusik bis hin zu guitarrenorientiertem Folk, wobei besonders ihre Stimme und Geigenspiel den ungewöhnlichen Reiz dieser Platte ausmachen. (55:29)
Der vierte Teil der beliebten Sampler-Reihe CROSSING ALL OVER kommt diesmal (wieder) als Doppel-CD und ist randvoll mit recht unterschiedlichen Bands der härteren Gangart. Das Konzept ist unverändert geblieben: Megaseller neben Insidertip, Metal neben Pop, Punk neben Hip Hop oder dem, was üblicherweise als Crossover bezeichnet wird. Diesmal (wieder) dabei sind: RED HOT CHILI PEPPERS, FAITH NO MORE, KREATOR, SMASHING PUMPKINS, DUB WAR, BATES, PRONG, GARBAGE, SUN usw. usf.. Gutes Preis/Leistungsverhältnis und prima Party-Mucke. (72:02/69:38)
Die Plattenindustrie hat nun also auch den Ska entdeckt, weil sie ihn für den "kommenden Musiktrend" (O-Ton Platteninfo) hält. Die zwölf BUSTERS aus dem schönen Örtchen Wiesbach konnten oder wollten nicht widerstehen und haben ihr neues Album "Stompede" von einem bekannten fernöstlichen Elektronikkonzern veröffentlichen lassen, was der Musik jedoch keinen Abbruch getan hat. Wie schon auf dem Debut von 1988 ist auch auf der neuen Scheibe Gute-Laune-Party-Ska angesagt, der ohne Ende tanzbar ist. Gecovert werden diesmal der Pop-Evergreen "Friday On My Mind" der EASYBEATS und "Ubangi Stomp" von den STRAY CATS. Vielleicht ja doch der neue Trend ? Stay rude ! (51:32)
Die Hardcore-Legende aus Kaiserslautern, die SPERMBIRDS, haben sich (nun vermutlich endgültig) aufgelöst und ihr Abschiedskonzert (Okt. ´95) der Nachwelt konserviert. "Get Off The Stage" enthält zwei CDs, wobei die erste Scheibe Songs der letzten beiden Platten mit KEN HAUS, die zweite alte Stücke mit LEE HOLLIS enthält, die beide beim letzten Konzert gesungen haben. Trotz der eher bescheidenen Soundqualität ist dieser Livemitschnitt sicherlich sowas wie ein Zeitdokument. Nach 15 Jahren SPERMBIRDS und bandinternen Problemchen war es wohl Zeit für ´was Neues; ich bin jedenfalls gespannt, wie´s weiter geht. (52:53/63:38) Eine qualitativ bessere Liveaufnahme haben die zum Teil ziemlich schwergewichtigen Jungs von SLOPPY SECONDS aus Indianapolis veröffentlicht. Aufgenommen wurde "Live: No Time For Tuning" vor 800 Kids in ihrer Heimatstadt, denen sie astreinen spaßigen Punk-Rock á la DICKIES um die Ohren gehauen haben. Im Herbst in Deutschland auf Tour ! (49:26) V-PUNK (für den Namen hat die Band ´nen Preis verdient !) aus Kiel sind zwar noch nicht so lange im Geschäft wie die Amis, dafür aber auch dem Punk verpflichtet (wer hätte das bei dem Namen gedacht ?) und haben mit "It´s Not My Day" eine erste Maxi-CD herausgebracht, die fünf melodische Punk-Songs beinhaltet. Dafür, daß die Band erst seit drei Monaten besteht, eine erstaunliche Leistung. Evtl. auch im Herbst auf Tour. (12:00)
Die WEAK WILLIES haben ihren zweiten Longplayer "387%" genannt und huldigen damit Adolf Hennecke, dem ersten Held der Arbeit, der damals in Ölsnitz/Sachsen sein Plansoll um eben diesen Faktor übertroffen hat. Musikalisch gibt´s punkigen Gitarren-Rock, der von diversen Einflüssen geprägt ist. Gecovert werden z.B. Songs von ROKY ERICKSON und THE STANDELLS. (46:38)
In Zeiten, in denen SEX PISTOLS, EXPLOITED und MISFITS wieder auf Tour gehen, darf eine Band wie ANTI-NOWHERE LEAGUE natürlich nicht fehlen. Die britischen Altpunks beweisen mit ihrer neuen Mini-CD "Pig Iron", daß sie - nach einem peinlichen Ausflug ins Mainstream-Lager - das Streetrocken noch nicht verlernt haben. Am 2. Juni in der Zeche, Bochum. (13:14) Das Trio PROJEKT SCHWARZ-ROT (P.S.R.) aus Süddeutschland hat im NonNazi-Studio in Tüntenhausen sein Debut-Album "Jammerland" aufgenommen, das sechzehn politische deutschsprachige Punksongs enthält, die sich musikalisch und textlich deutlich vom Durchschnitt dieses Genre abheben. (57:40)
Wer wissen möchte, wie die amerikanischen G.I.s im Irak-Krieg mit Propaganda vollgepumpt worden sind, sollte sich die BOMB IRAQ Mini-CD anhören. Zu hören sind Originalaufnahmen von Pirate Radio L.A., die - aufgemacht wie eine amerikanische Comedieshow - zynisch umgetextete Evergreens enthalten. Abscheulichkeiten, wie z.B. die, "Rock Around The Clock" in "Let´s Bomb Iraq" umzuändern, lassen die Diskussionen um das Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder" doch ein wenig überflüssig erscheinen. Leider keine Parodie ! (20:54)

BERLIN SPECIAL

Da ich das Vergnügen hatte, das Frühjahr in Berlin verbringen zu können (im kontinental klimatisierten Osten existiert diese Jahreszeit allerdings scheinbar nur kalendarisch;, in der Realität gibt´s nur Winter und Sommer), möchte ich bei dieser Gelegenheit über einen winzigen Ausschnitt der dortigen Musik-Szene berichten. Tendenziell habe ich dabei angesagte Sachen, wie Ambient, Easy Listening, Jungle oder Trip Hop ausgeklammert und mich wieder ´mal eher dem Punk und Ska zugewandt. Das Angebot an abgefahrenen Läden ist wirklich enorm und kaum mit den hiesigen Studikneipen oder sozialdemokatischen Jugendzentren vergleichbar (Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel).
Ein Tag, bevor das NEW YORK SKA JAZZ ENSEMBLE im heimatlichen FZW Halt machte, hatte ich die Möglichkeit, die Band, die aus ehemaligen Mitgliedern der SKATALITES und TOASTERS besteht, im Pfefferberg (Bezirk Prenzlauer Berg) zu erleben. Bei dieser Gelegenheit hat das sechköpfige Ensemble sein selbstbetiteltes Debut vorgestellt. Der Bandname ist natürlich ein Wink mit dem Zaunpfahl und so ist es wenig überraschend, daß die New Yorker (traditionellen) Ska mit (modernem) Jazz anreichern. Besonders hervorzuheben ist die brillante Bläserfraktion, bestehend aus Posaune und div. Saxophonen, die alle anderen Instrumente in den Hintergrund treten läßt. (42:03) Nicht ganz eine Woche später hat das berliner Trio GERM ATTACK im Tommy Weissbecker Haus (in Kreuzberg, benannt nach einem 1972 von der Polizei auf offener Straße aus 3-4 m Entfernung erschossenen Berliner) ihre "A Tribute To Blondie" Mini-CD präsentiert. Besonders angenehm (neben dem freien Eintritt) war die Tatsache, daß die Band zugunsten extrem günstiger Bierpreise auf ihre Gage verzichtet hat. Wie auf ihrem Debut "Sick", präsentierten die Drei hervorragenden melodischen Pop-Punk, der erfreulicherweise nicht so glatt produziert ist, wie z.B. GREEN DAY. Auf der neuen Platte sind (wieder ´mal wenig verwunderlich) punkige Versionen von alten BLONDIE-Hits zu finden, die überwiegend von einer Gastsängerin gesungen wurden, die dem Original schon ziemlich nahe kommt. Besonders interessant ist die türkische Variante von "Heart Of Glass". Tip ! (17:31)
Der Berliner NIKOLAI TOMÁS, seit Ende der 80er Jahre Kopf der POEMS FOR LAILA, nutzt die Möglichkeit eines Solo-Albums für eine musikalische Neuorientierung außerhalb des begrenzten Bandrahmens. Sein Solo-Debut "Wild On" klingt wesentlich moderner und frischer, als ich es von seiner alten Band kannte, ist jedoch zugleich weit davon entfernt, trendy zu wirken. Es enthält ein Dutzend einfalls- und abwechselungsreiche Popsongs, die aufgrund ihrer sparsamen Instrumentierung einen zeitlosen Charme besitzen. Am 29. Mai in der dortmunder Live Station. (54:20)
Am 15. und 16. März hat im Milchhof (Bezirk Mitte) das Festival "Berliner Bands für Bosnien - Musik statt Granaten" stattgefunden. Bei der Aktion ging es darum, den Musikern vor Ort in Ex-Jugoslavien einen Impuls für ihr Schaffen zu geben und zwar ideell durch Auftritte von sieben berliner Underground-Bands unterschiedlichster Musikrichtungen (zusammen mit örtlichen Gruppen) in Tuzla, beiden Teilen Mostars und Pula sowie materiell durch Sachspenden (Equipment). Obwohl Bosnien laut Innenministerkonferenz angeblich ein sicheres Land ist, war es übrigends äußerst schwierig, einen (erforderlichen) Versicherer zu finden, der bereit ist, dieses Risiko finanziell abzusichern. Nachdem am Freitag die sieben Bands, die in Bosnien und Kroatien auftreten, die Generalprobe ihrer Tournee absolvierten, spielten am Samstag u.a. die beiden berliner Ska-Bands ENGINE 54 und MOTHER´S PRIDE. ENGINE 54 waren zwar stark ersatzgeschwächt (der Sänger mußte durch die sehr begabte aber doch etwas unsichere Background-Sängerin ersetzt werden), konnten jedoch von Anfang an mit ihrem ruhigen groovigen Rock-Steady überzeugen. Ganz dem traditionellen souligen Reggae und Ska verpflichtet, reihten sich ihre Eigenkompositionen nahtlos in Cover-Versionen von BOB MARLEY, ETHIOPIANS, RICO RODRIGUEZ und Konsorten ein. Leuten, die eher den Groove und weniger das Tempo beim Ska schätzen, kann ich deshalb nur die CD "54/95" der neun Berliner ans Herz legen. Cool ! (60:16) Viele Grüße von hier aus an den Organisten Daniel ! Freunde des schnelleren Ska der 80er/90er Jahre hatten anschließend bis in die Nacht hinein das Vergnügen mit MOTHER´S PRIDE, die nicht nur an diesem Abend wohl so ziemlich jede und jeden zum Tanzen oder zumindest Mitwippen animierten. Einen Monat später begeisterten sie ihr Publikum auch im Tommy Weissbecker Haus mit hervorragenden Cover-Versionen ("One Step Beyond", "Kreuzberger Nächte" etc.) und eigenen Hits, die z.B. durch einen Reggae-Song, ein Chanson mit Akkordeon oder spanische Klänge aufgelockert worden sind. Auf ihrer CD "Bullshit" sind zehn frische und unbeschwerte Ska-Nummern vertreten, die auch zu Hause eine fröhliche Unterhaltung garantieren. (31:17) Eine weitere geniale Ska-Band aus Berlin sind THE BUTLERS, die zuletzt Anfang März im Franz (Prenzelberg) ihre unvergleichliche Mischung aus Soul (der späten 60er) und Ska (der 90er) zum Besten gegeben haben. Das zweite Album der acht BUTLERS "Time Tunnel" unterstreicht deren Eigenständigkeit dreizehnfach: Die groovige Soul-Power kombiniert mit dem treibenden jamaicanischen Skabeat ist eine überaus raffinierte und zeitgemäße Weiterführung der Musiktradition. Ein neues Album folgt im Spätsommer. Kult ! (52:43)
Ende März hatte ich dann die Gelegenheit, mir im fernen Dresden die RICHIES aus dem schönen Duisburg zu Gemüte zu führen. Die drei Ruhries, die zur Zeit zusammen mit den australischen EXPLODING WHITE MICE auf Europa-Tour sind (18. Mai: Schacht 8 in Marl), mischen wie keine andere Band das Beste von BLONDIE, BANGLES, BEACH BOYS und den RAMONES (kombiniert mit überaus witzigen Texten) zu unvergleichlichen Surfpunk-Ohrwürmern und melodischen Powerpop-Songs, die auch die Sachsen in der Scheune keinesweg kalt ließen. Die neue Platte "Why Lie ? Need A Beer !" haben die RICHIES übrigends mit Jim Waters (Produzent von SONIC YOUTH etc.) in Tucson, Arizona aufgenommen, wobei sie von der dortigen Country-Szene (z.B. AL PERRY) tatkräftig unterstützt wurden. Herausgekommen ist dabei eine völlig vielseitige Scheibe, die die Meßlatte des Punk-Rock wieder ein Stück nach oben geschoben hat. Yes ! (44:53) Am gleichen Abend hat die kreuzberger Band DROOLER im Huxley´s Junior (Neukölln/Kreuzberg) ihre neue Mini-CD "Myself" vorgestellt. Wer beim Betrachten des Covers (Typ mit Möhren in den Nasenlöchern und Grünzeuchs auf dem Haupt) oder des Innencovers (nackter Mann umarmt innigst einen Mopedauspuff) eine Spaß-Combo vermutet, liegt völlig falsch. Die international besetzte Band um den ehemaligen Sänger der New Yorker CRAWLPAPPY neigen nämlich eher zum metallisch-rockenden bis abgedrehten Hardcore, den sie mit feinen Melodien durchsetzen und selbst als Tardcore definieren. Harter Stoff ! (26:24)
Erwähneswert sind, neben dem Gig der berliner 6TsTrashRock´n´Roll-Band CUBAN REBEL GIRLS im Franz, noch zwei weitere hochkarätig besetzte Ska-Festivals. Eine Woche später traten im Pfefferberg nämlich RICO RODRIGUEZ (s. WirrWarr # 6) und die beiden berliner Bands YEBO (erste Ska-Combo Deutschlands) und wieder ´mal MOTHER´S PRIDE auf. Am Karfreitag wurde dann die Feiertagsruhe beim "Easter Ska Jam" mit DR. RING DING, THE HOTKNIVES und JUDGE DREAD im SO 36 (Kreuzberg) weggeblasen. THE HOTKNIVES machen erstklassigen Brit-Pop-Ska, der um Längen besser ist, als fast alles, was MADNESS seit ihrem Debut herausgebracht haben. Auch auf ihrer CD "The Way Things Are" und der neuen 7" "Always Tomorrow" ist eine Ska-Variante zu hören, die mit dem jamaicanischen Original der 60er Jahre ziemlich wenig gemeinsam hat. Stattdessen wird der Offbeat mit eingängigen Pop-Melodien fusioniert, die den hohen Wiedererkennungswert der sieben Engländer ausmachen. (38:20, 9:52) Anschließend haben DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS die Bühne betreten. Der gewichtige Posaunist und Sänger aus Münster spielte zusammen mit seiner Band wieder ´mal seine bunte Mischung aus Ska, Reggae und artverwanten Stilen (s. WirrWarr # 8). Außerdem stellte er seine neue Single "Green Pepper" vor. Am 24. August auch in Datteln auf dem Kanalfest. (6:58)
Am 13. April haben SUBWAY TO SALLY im Lindenpark (in Potsdam) ihre dritte CD mit dem interessanten Titel "Foppt den Dämon" vorgestellt, die übrigends von Sven Regener (ELEMENT OF CRIME) produziert worden ist. Die sieben PotsdamerInnen mischen auch hier wieder Folk mit Metal und deutschsprachigen, mittelalterlich klingenden Texten zu einem eigenen abwechselungsreichen Sound, der sowohl von harten Gitarren als auch von gefühlvollen Flöten und Schalmeien geprägt wird. Am 20. Mai in der dortmunder Live Station. (42:15)
Am 10. Mai präsentieren die SIMPLE ONES aus Memphis ihre neue Scheibe "2 Cups For A Tale" im Knaack (Prenzelberg). So simpel, wie der Bandname vermuten lassen könnte, ist die Musik der drei Amis nicht, denn der spröde schräge Sound entstammt einem durchdachten Songwriting. Gerade, wenn sich eine Melodie in deinem Kopf festgesetzt hat, wird sie schon wieder gewaltsam vernichtet. Vergleiche mit den BUTTHOLE SURFERS, JON SPENCER oder GIANT SAND sind zwar nicht unangebracht, können diesen eigenartigen Sound aber nur unzureichend umschreiben. Antesten ! (35:31)
Einen Tag später stellt die überaus witzige TERRORGRUPPE (zusammen mit den legendären YOUTH BRIGADE) ihre neue CD im SO 36 vor. Die Popularitätssteigerung der vier Wahl-Kreuzberger (Johnny Bottrop, M.S. Fatherfucker, Hermann v. Hinten und Zip Schlitzer) findet auch in der Namensgebung ihrer Platten ihren Niederschlag. War das Debutalbum (nach div. Singles) noch mit "Musik für Arschlöcher" betitelt, so trägt die neue Scheibe den progammatischen Titel "Melodien für Milliarden". Auf der neuen Platte sind 18 geniale und unglaublich abwechselungsreiche Punksongs (mit Ska, Disco, Dub und sonstigen Einsprengseln) zu hören, die trotz aller Melodie zu keiner Zeit den nötigen Biß vermissen lassen. Bei den Texten wird kein relevantes Thema ausgelassen. So wird z.B. von der Ökokatastrophe berichtet, die entsteht, wenn die Kellys mit ihrem Hausboot absaufen ("Der Rhein ist tot"). Etwas ernster wird´s bei "Disco 96" (meinem persönlichen Lieblingslied des Jahres), bei dem der alte Polit-Punk-Slogan "Hilf der Polizei - und schlag dich selbst" mit Kastratenstimme im Disco-Sound vertont wird. Völlig genial !!! Am 30. Mai in der Zeche Carl, Essen. (42:57)
Eine weitere Band aus Berlin, die ich mir allerdings nicht live gegönnt habe, sind DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE, die ihr Debut-Album "Pogo Lounge" betitelt haben (lassen). Auch hier der Wink mit dem Zaunpfahl, für den in diesem Fall vermutlich der Erfolg von "Planet Punk" der ÄRZTE Pate stand. Die drei Berliner (gemeint sind erstere) machen eigentlich gar keine so schlechte Musik (netter harmloser deutschsprachiger Fun-Punk), haben sich aber an die geldgeile Industrie (Warner) verkauft und sollen nun an Bravo-Leserinnen vermarktet werden, die Punk genauso toll finden, wie TAKE THAT oder die KELLY FAMILY. (Das lächerliche Platten-Info spricht Bände.) Shit ! (43:02)
Zuletzt noch ein Hinweis für KonzertgängerInnen in Berlin: Meidet das Metropol (außen ´ne schöne Fassade, innen ein übler Abzockerladen) ! Und wenn ihr euch trotzdem dahin verirrt, gebt bloß nicht eure Jacke an der Garderobe ab, denn es könnte eine Stunde dauern, bis ihr sie nach dem Konzert zurück erhaltet (so geschehen beim GARBAGE-Gig). Anyway, Berlin ist großartig !

#10:

Im Herbst 1988 hätte ich wohl im Traum nicht daran gedacht, daß mein damaliger O-Phasen-Tutor, der Raumplanungsstudent Niko, mit seiner Band DIE KASSIERER derartig erfolgreich wird. Die vier Wattenscheider sind mittlerweile von der Bundesprüfstelle für ju-gendgefährdende Schriften offiziell als Kunst und Satire anerkannt worden (das Jugendamt der Stadt Herne hatte beantragt, zwei Platten der KASSIERER auf den Index zu setzen). Der Sänger Wölfi hat zu-dem noch den "Kunstpreis verdien-ter Einwohner des Reviers" auf-grund seiner kulturellen Leistungen verliehen bekommen. Außerdem haben DIE KASSIERER im letzten Jahr anläßlich der Spielzeiteröff-nung des Bochumer Schauspielhau-ses vor 1000 rege applaudierenden Zuschauern gespielt. Auch der Auf-triff im Zelt des Circus Krone in Bochum wird den damals Anwesen-den wohl auch heute noch in guter Erinnerung sein. Wer DIE KAS-SIERER noch nicht kennt, sollte hinsichtlich der "kulturellen Leis-tungen" jetzt allerdings nicht vor-schnell falsche Schlüsse ziehen, sondern sich Lieder, wie z.B. "Ich töte meinen Nachbarn und verprü-gel seine Leiche" auf ihrer neuen Platte "Habe Brille" anhören. Punk meets Psychatrie; völlig genial ! (:)
Lars Ricken hat nicht nur dazu beigetragen den Ballsportverein Borussia 09 in die Champions Lea-gue zu kicken; jetzt könnte seine Popularität auch mithelfen, daß die PHANTOMS OF FUTURE end-lich die Aufmerksamkeit bekom-men, die sie schon lange verdient haben. Bei dem zweiten Lied der Mini-CD "Caught by fire" steuert der sympathische dortmunder Stür-mer nämlich seine Stimme bei, die im direkten Vergleich mit Hannes´ Gesang natürlich relativ schwach ´rüberkommen muß. Ansonsten gibt´s auf der Platte wie gewohnt den ungewöhnlichen Phantoms-Sound, der sich immer noch nicht in Schubladen stecken läßt. Das neue Album soll demnächst erscheinen. Am 13. Juli treten die Dortmunder zusammen mit DOG EAT DOG, den ergrauten SEX PISTOLS und einigen anderen in Ochtrup beim "Helter Skelter" Festival auf. (15:42) Ähnlich ungewöhnlich und wenig kategorisierbar ist das neue Album von T.A.S.S., die nach dem Ausstieg von Voodoo nur noch zu zweit sind. Auf ihrem neuen Album "Suck" kombinieren die beiden wieder ´mal unterschiedliche harte elektronische Klänge mit kritischen Texten. Easy Listening sucks ! (44:57) Das haben sich wohl auch HASS gedacht, denn endlich gibt´s jetzt eine BVB-Hymne jenseits von Biene Maja, Jim Knopf und Pippi Langstrumpf. Seichte Borussen-Schlager von PUR HARMONY, KAREL GOTT und Konsorten haben wir wirklich schon viel zu lange über uns ergehen lassen müs-sen. Die Ur-Punk-Rocker aus Marl haben mit "Für die besten Fans der Liga" eine Single für genau dieses Klientel herausgebracht. Auf der B-Seite ist eine Version von "Califor-nia sun" der RAMONES zu hören, die dem leckeren Kronen Export huldigt. Schwarzgelber Punk vom Allerfeinsten für den 12. Mann und die 3. Halbzeit ! (3:49)
Am 14. Juni haben NELSONS WEDDING im Heimathafen FZW bei einem Landgang ihr neues Al-bum "Okkuhila" vorgestellt, das Ende Juli erscheinen wird. Die Folkpiraten haben ihren altengli-schen Shantie-Folk-Rock achteraus zurückgelassen und durchkreuzen bei stürmischen Wind (8 Windstär-ken auf der Beaufort-Skala) wieder unbekannte Gefilde. Die Texte sind mittlerweile komplett deutschspra-chig und auch Landratten zugäng-lich; musikalisch hält der Ruhr-Sechser weiterhin Kurs auf hervor-ragenden Vollekraftvoraus-Folk, peilt aber auch schon ´mal andere Richtungen an. Hinter dem Album-Titel verbirgt sich übrigends eine ganz bestimmte Frisur, die gerne mit einem "Oliba" kombiniert wird. (57:53)
Die Wiederveröffentlichung der 15 Jahre alten Aufnahmen der le-gendären düsseldorfer Band ZK war eigentlich schon längst überfällig, kam jetzt allerdings ziemlich uner-wartet, nachdem die verschollen geglaubten Tapes doch noch wieder aufgetaucht sind. Die Doppel-CD "Auf der Suche nach dem verlore-nen Gral" enthält insgesamt 45 Songs der superraren "Eddie´s Sa-lon" Lp, der "Tip von Twinky" 7"-Single und der "Das Grauen geht auf große Fahrt" 7"-Ep sowie einige Lieder von verschiedenen Samplern und sieben unveröffentlichte Stücke. Die Düsseldorfer, die später PAN-HANDLE ALKS, MIMMI´S und DIE TOTEN HOSEN ins Leben gerufen haben, waren von 1978-81 die wohl mit großem Abstand origi-nellste und vielseitigste Punk-Combo. Deren Liedgut hat uns als Schüler derartig beeindruckt, daß wir bei meinen Eltern im Keller mit unserer Band als erstes Lied "Nieder mit dem Weihnachtsmann" von ZK nachgespielt haben. Unerreicht geniale Musik ! (45:16/44:24) So ziemlich aus der gleichen Zeit stammen die ersten beiden Alben von COCHISE, die nun ebenfalls wiederveröffentlicht worden sind. Einige GammelstudentInnenen aus höheren Semestern und vielleicht auch einige DozentInnen werden die beiden Platten "Rauchzeichen" und "Wir werden leben" noch aus der Zeit kennen, in der sie langhaarig, mit Stirnband, PalestinenserInnen-tuch und Nickelbrille gegen Start-bahn West und Hamm-Uentrop losgezogen sind oder Häuser besetzt haben. War die Musik von COCHI-SE zunächst noch sehr folkig, ist sie aufgrund der Erfahrungen mit der Staatsmacht später etwas härter geworden, was auf der zweiten Plat-te in dem fast punkrockigen Ska-Hit "Jetzt oder nie - Anarchie" gipfelte. Weitere Re-Releases sollen folgen, denn die Themen der ökologie- und friedensbewegten Lieder sind leider immer noch aktuell. (56:03, 55:17)
Acht Jahre nach ihrer Gründung haben THE BULLOCKS endlich ihren zweiten Longplayer veröffent-licht. Die düsseldorfer Punks haben für "Double or quit" wieder ´mal ´ne Menge eingängiger melodischer Pop-Punksongs aus dem Ärmel geschüttelt, die an BUZZCOCKS, LURKERS und DICKIES erinnern. Gecovert werden "Wonderwall" von OASIS und "Immer mehr" von STUNDE X. Klasse 77er-Punk ! (43:26) Aus dem gleichen Dorf wie THE BULLOCKS kommen AXEL SWEAT, die mit "Erection" nach ihrer MCD nun ein komplettes Album nachgelegt haben, auf dem wunderschöner achselschweißtrei-bender High-Speed-Melodycore zu hören ist, der den Vergleich mit Bands wie NO FX o.ä. nicht zu scheuen braucht. Allein schon die Version von MARKY MARKs (feat. PRINCE ITAL JOE) "United" macht diese Scheibe für Freundin-nen und Freunde des melodischen Hardcores zum Pflichtkauf. (39:19) Genau diese werden sicherlich auch Gefallen an der neuen Platte von TERREMOTO PARTY finden; zumindest teilweise, denn die drei Bochumer kombinieren auf "Egoto-pia" einfallsreichen Hardcore und Punk mit ´ner gehörigen Portion Metal. Das Ergebnis ist ein außer-gewöhnlich vielseitiger und druck-voller Sound, der ständig zwischen Melodie und Härte wechselt und weit und breit seinesgleichen sucht. Die selbstproduzierte CD kann unter 0234/9585990 für wenig Geld be-stellt werden. (52:29) Auf "Disap-pearing moments", der neuen CD von GREEN GRASS ON THE HIGH TIDE (die übrigends eben-falls aus Bochum kommen) stehen eher die düsteren Seiten der schwe-ren Rock-Musik im Vordergrund. ALICE IN CHAINS haben hier deutliche Spuren hinterlassen. Als Veröffentlichungstermin wäre der November sicherlich angebrachter gewesen. (58:21) Die neue 6-Song-CD von CARNE aus Herne ist da schon sommerkompatibler. "Laut" überrascht durch die interessante Synthese von deutschen Texten, Bläsersätzen und der Fusion von Funk, Jazz und Rock. (21:55)
Richtig sommerlich wird´s bei den nächsten fünf Platten, denn auf denen ist Ska - und zwar in den unterschiedlichsten Spielarten - zu hören. Den elf PIETASTERS ge-lingt auf ihrem zweiten Album "Oolooloo" die Gratwanderung zwischen traditionellem Ska-Sound und schnelleren Klängen. Neben einer hervorragenden Version des Klassikers "Same old song" gibt´s zehn soulige Eigenkompositionen. (43:09) Mit einem Musiker weniger kommen SKAVOOVIE & THE EPITONES aus, die zwar etwas traditionsbewußter aber keineswegs altmodisch klingen. Auf ihrem Debut "Fat Footin' " interpretieren sie den Sound der legendären SKATALITES auf ihre ganz eigene Art. (57:17) HEPCAT aus Los Angeles sind da mit ihrer neuen Scheibe "Scientific" wohl noch etwas traditioneller, denn der reggaebeeinflußte ruhige Ska und Rock Steady erinnert stellenweise an die ganz frühen WAILERS. (59:52) Ganz anders THE BEATBUSTERS: Die holländische Truppe tritt zwar zusammen mit HEPCAT am 5./6. Juli beim 7. Potsdamer Ska-Fest auf, überzeugt auf ihrer im Studio eingespielten Live-Platte "It´s gonna get you !" aber eher durch ihren absolut kraftvollen Power-Ska, bei dem man einfach nicht ruhig sitzen bleiben kann. Neben der obligatorischen Blechbläserfraktion brilliert hier solotechnisch noch ein genialer Gitarrist. Zu gefallen weiß auch die Cover-Version von PAUL DES-MONDs "Take five". (64:50) Der absolute Hammer ist "Spawn Of Skarmageddon", ein zweieinhalb-stündiger Sampler mit 43 nordame-rikanischen Bands, die nicht nur das gesamte Spektrum dessen abdecken, was ich noch Ska nennen würde, sondern darüberhinaus beim Mi-schen von Ska mit anderen Musik-stilen in einigen Fällen die Schwer-punkte etwas anders setzen. Die Palette der Einflüsse reicht von Jazz, Soul, Punk, Hardcore, Metal, Raggamuffin und Dub bis hin zu russischer Oper und anderen obsku-ren Sachen. Trotz der Stilvielfalt dominiert insgesamt aber immer-noch Ska. (73:36/73:48)
Auch bei "Punk Chartbusters Vol. 2" verrät dankenswerterweise der Titel des Samplers, welche Mu-sikrichtung hier den Ton angibt. Der zweite Teil macht da weiter, wo der erste aufgehört hat: DIE TO-TEN HOSEN, THE BATES, HASS, TOY DOLLS, TERRORGRUPPE, GIGANTOR, SLOPPY SECONDS, WIZO und zwanzig weitere Pop-Punk-Bands covern Hits der letzten Jahrzehnte von BOB DYLAN und BILL RAMSEY über BONEY M. und HARPO bis hin zu aktuellen Stücken von OASIS, CAUGHT IN THE ACT, MARKY MARK und PULP. Auch sehr unterhaltsam ! (74:36)
Obwohl bei FEMALE TROU-BLE ein neuer Bassist eingestiegen ist, hat die Band aus Berlin eine Frauen-Quote von immerhin noch 3:1. Die neue Scheibe "Cleanin up the hood" ist zwar etwas ausgefeilter als das Debut; die Mischung aus straightem Rock und melodischem Punk/Hardcore läßt im richtigen Augenblick aber nie die nötige Menge Power vermissen. Auch bei der Auswahl ihrer Cover-Version ("Uuuh" von den frühen LEMON-HEADS) haben die vier BerlinerIn-nen ein glückliches Händchen ge-habt. (47:27)
Der Preis für den besten Band-namen geht diesmal ganz klar nach Freiburg an RAGOUT SCHWACKFINN, die ihre CD freundlich "Ecky" betitelt haben. Zu hören gibt´s darauf vertrackten komplexen Hardcore mit vielen Breaks und reichlich Haken und Ösen, der dem Easy Listening eine schräge Absage erteilt ! (38:17) Mit gefälliger Hintergrundmusik haben NEGATIV-NEIN ebenfalls nicht das geringste zu tun. Die sechs Bremerhavener beschreiben das Anliegen ihres selbstbetitelten De-buts in dem Lied "Demokratie" wie folgt: "Die gesellschaftlichen Zu-stände sind es, die uns zwingen * über das, was hier passiert zu rei-men oder auch zu singen * in einer kaputten Welt, wo sich die Men-schen nur noch streiten * gelingt es uns nur durch den Rap, Normalität zuzubereiten * seitenlange Gedichte über unsere Weltgeschichte * inspi-riert durch Todesfälle, Gewalt und durch Kriegsberichte". Untermalt werden die umfangreichen deutsch-sprachigen Reime von harten Metal- und Hardcore-Klängen, die sich auch nicht gerade nach "Laß die Sonne ´rein" anhören. (53:54) We-sentlich positiver eingestellt ist die Musik von SURF TRIO und PSY-CHOTIC YOUTH, die mit ihrem gemeinsamen Album "Splitsville" für reichlich frischem Wind an den Stränden der Baggerseen sorgen dürften. In den Texten von Songs wie "Weekend", "Live for the sun" und "Hey she´s the girl" werden die eher angenehmen Seiten des Lebens thematisiert. Musikalisch können beide Bands mit genialem Pop- und Surf-Punk begeistern. (34:31) Mit dem sonnigen Surf-Sound haben die LOMBEGO SURFERS allerdings nur am Rande zu tun. Auf ihrer neuen Scheibe "Way gone" vermen-gen die vier Schweizer vorwiegend harten Rock mit Garage-Punk zu einem Sound, der zwar stellenweise stark an IGGY & THE STOOGES und MC 5 erinnert, aber dennoch sehr eigenständig ist. (33:42)

 

#11:

Daß seit der letzten Ausgabe einiges an Zeit vergangen ist, kann man daran merken, daß ich erst jetzt die Gelegenheit habe, auf die geniale neue Platte von den PHANTOMS OF FUTURE - "Chimera" - hinzuweisen, die bereits im Sommer erschienen ist. Hannes beschreibt das neue Werk folgendermaßen: "Auf 'Chimera' findest du Achterbahnfahrten durch alle menschlichen Höhen und Tiefen, durch alle gesell-schaftlichen Strukturen, gepaart mit meditativen Elementen. Genau diese Kombination aus Kraft, Rausch und Meditation macht die PHANTOMS OF FUTURE 1996 aus." Und dann meint er noch ganz unbescheiden: "Mit dem neuen Album haben wir eindeutig einen neuen musikalischen Höhe-punkt erreicht. Mit aktuellen mu-sikalischen Trends läßt sich 'Chi-mera' nicht fassen. Ich habe bisher nichts Vergleichbares an Musik gehört". Ich auch nicht, Recht hat er! (50:25) Nichts grundsätzlich Neues machen dagegen BAD NEWS aus Bochum, die nach ihrer ausverkauften letzten Single nun endlich in Eigenregie eine CD veröffentlicht haben, die allerdings so ziemlich alles in den Schatten stellt, was an melodischem Punk in letzter Zeit erschienen ist. "Ar-row" enthält zwar nur vier Songs; die können aber vollkommen überzeugen. Darunter ist übri-gends auch eine hervorragende Punk-Version des CONNELLS-Hits "74 - 75". Klasse! (12:18) Auch die Alt-Punks HASS haben (ebenfalls in Eigenregie) eine neue Platte ´rausgebracht. "Anarchis-tenschwein" ist die elfte HASS-Scheibe seit der Bandgründung vor 18 Jahren. Nach wie vor ma-chen die vier Marler kraftvollen und eigenständigen politischen Deutsch-Punk, der sich zwar wei-terentwickelt hat, aber bestimmt nicht an momentane Trends an-hängen will. Als Bonus-Track gibt´s übrigends das "Chaos Vi-deo" für den Computer. (44:00) SHITYRI (russisch: vier) sind eine All-Girl-Punk-Rock-Band und kommen ebenfalls aus Marl. Ihr Debut haben sie "1-2-3-4" betitelt und so klingen auch die 19 Songs, für die die Frauen nur etwas mehr als eine halbe Stunde brauchen: Geradliniger krachiger Garagenpunk, der in vier Akkor-den ´runtergespielt wird. Wie die RAMONES in ihren besten Zei-ten! (34:05) Die SHIVAS sind zwar auch eine Frauenband, haben aber mit den punkrockenden Da-men aus Marl höchstens noch die ersten drei Buchstaben ihres Bandnamens gemeinsam. Auf "Babylon and the beast", dem neuen Album der vier Nürnberge-rinnen, sind nämlich zehn ausge-klügelte psychedelische Pop-Songs enthalten. (37:02)
THE CONVENT klingen auf ihrer neuen Platte "Crashed cars & loveletters" etwa so wie das, was in den 80ern Independent oder Wave genannt wurde. Alle mögli-chen Gefühlsregungen - von Träumerei und Melancholie bis Hoffnung - spiegeln sich in den 13 Stücken wider. Am 12.11. in der Zeche Bochum. (55:20)
SAPRIZE haben ihren aktuel-len Longplayer "28203" nach dem Stadtteil benannt, in dem die drei Bremer leben. Sie verstehen sich als die Punks unter den Hip Hop-pern. So haben sie z.B. auf einem Punk-Festival in einem besetzen Haus vor 150 Punks gespielt, nachdem sie am Abend zuvor einen Auftritt mit GRANDMAS-TER FLASH vor 2000 Leuten hatten. Auf ihrer dritten Platte mischen SAPRIZE Hip Hip-Grooves mit Metal-Gitarren und div. Samples zu zwölf harten Songs, die auch ohne das Flair brennender Ölfässer auskommen. (45:24)
JUD kommen eigentlich aus dem beschaulichen Virginia, sind aber nach einer Reise zur West-küste in Los Angeles hängen-geblieben. Die Musik ihres neuen Albums "Something better" klingt aber weder nach ruhigen Farmen, noch nach sonnigen Stränden, sondern spröde, düster und melan-cholisch mit lärmenden Gitarren und einem fetten, verzerrten Bass. JUD sind ab Januar wieder auf Tour (live sollen sie besonders genial sein). (36:21)
LOUD PIPES sind der leben-de Beweis dafür, daß aus Schwe-den nicht nur poppige Musik kommt. Die 4-Song-CD mit dem programmatischen Titel "Drunk for ever" bläst dir die Ohren mit einer Mischung aus brachialem Hardcore und derbem Metal frei. Klingt wie MOTÖRHEAD auf 45 ! (12:42) THE PIG MUST DIE aus Hamminkeln haben ihre bes-ten (deutschsprachigen) Songs auf "Tragical mystery songs" noch-mals in englischer Sprache veröf-fentlicht, um ähnlich bekannt zu werden, wie ihre vermeintlichen Vorbilder DIE TOTEN HOSEN, die ihre Texten allerdings nicht umschreiben mußten. (39:18) Natürlich ist es idiotisch, bestimmte Musikrichtungen an der geographischen Herkunft einer Band festzumachen, aber MR. BUBBLE B. & THE COCO-NUTS klingen wirklich nicht so, als würden sie aus Neckarsulm kommen. Ihr Debut "Bum" er-weckt vielmehr den Eindruck, als würde hier eine californische oder schwedische Melody-Core/Punk-Band ihre zweite oder dritte Platte veröffentlichen. Einfallsreicher und kraftvoller Hardcore mit viel Melodie wird aufgelockert durch Ska-Einlagen, mit denen sich das Newcomer-Trio nicht 'mal vor den genialen MIGHTY MIGHTY BOSSTONES zu verstecken braucht. (33:45) BREEDING FEAR verwursten auf ihrer ersten Full-Length-CD "The chase is on" alles, was zu einem zeitgemäßen heftigen Crossover gehört: Reich-lich Metal, Hardcore, Hip Hop und Industrial-Sounds. Mahlzeit! (55:53) Ungleich spaßiger klingt die brasilianischen Fun-Band YELLOWFANTE, die auf ihrem Album "Fantamaria" eine chaoti-sche Mischung aus Pop, Punk, Rock´n´Roll, Coverversionen und allerlei Unsinn verzapft. (34:38) Der Gipfel sind allerdings ELÄ-KELÄISET aus Finnland, die auf ihrer CD "Humppakäräjät" auf unnachahmliche Weise Liedern von QUEEN, BILLY IDOL, JU-DAS PRIEST, MINISTRY, SU-ZANNE VEGA und einigen ande-ren ihren Stempel aufdrücken: "We will rock you", "Breaking the law", "These boots are made for walking" und "Dancing with my-self" heißen bei ELÄKELÄISET "Lisää humppa", "Humppalaki", "Astuva humppa" und "Humppaan itsekseni" und klingen auch dem-entsprechend. Polka-Beat, Trash-Orgel, div. andere Instrumente und die finnischen Texte lassen die Originale in den Hintergrund treten und geben uns einen kleinen Einblick in die (für uns Mitteleu-ropäerende nahezu unverständli-che) finnische Kultur - großartig ! Lediglich das 36minütige letzte Lied ("Humpparitari") hätten sich die vier Finnen in den dunkelen Anzügen sparen können. (72:13) GREENHOUSE AC kommen zwar auch aus Finnland, haben aber mit skandinavischer Hump-pa-Musik nichts zu tun. Die vier Lappen haben sich eher dem Punk-Rock-Blues-Noise verschrie-ben, der vielmehr an amerikani-sche oder australische Musiktradi-tionen anknüpft. Das neue Album "Doggy bag" ist zwar deutlich langsamer als die Vorgängerplat-te, vermag aber durch treibende Beats, klasse Melodien und kra-chige Gitarren zu überzeugen. (42:50)
Die GANGLORDS haben mit "Burnin up" nun ihre zweite Platte veröffentlicht. Daß diese Reggae-Band aus der Schweiz kommt, kann man der neuen Scheibe ganz bestimmt nicht anhören, wohl aber, daß die vier Schweizer ein Jahr lang in Jamaika gelebt und "Burnin up" zusammen mit eini-gen hochkarätigen Gästen in Kingston aufgenommen haben. Herausgekommen ist dabei ein äußerst vielfältiges Album, das von Roots-Reggae und Ragga bis hin zu Rhythm&Blues- und Hip Hop-Einflüssen ein breites Publi-kum anspricht. (44:12) Sehr ab-wechselungsreich ist auch "Two tone army", die neue Platte von den TOASTERS. Der Hinweis auf dem Cover "100 % New York City Ska" wäre eigentlich nicht nötig gewesen, denn die TOAS-TERS sind zumindest in der Ska-Szene schon lange keine Unbe-kannten mehr. Auf "Two tone army" kombinieren die New Yor-ker erfrischenden 2Tone-Ska mit Rock Steady-Beats, jazzigen Blä-ser-Riffs und Reggae-Grooves zu einer absolut vielseitigen Mi-schung. (40:36) Ungefähr in die gleiche Richtung geht die neue Platte der britischen Ska-Band INTENSIFIED. Bei "Don´t slam the door" handelt es sich aller-dings um eine Zusammenstellung von Singles und Samplerbeiträgen der letzten Jahre. Die zwölf Musi-ker aus Kent besinnen sich bei ihren Eigenkompositionen auf den traditionellen jamaikanischen Ska und Rock Steady der 60er. Beson-ders charakteristisch sind der mehrstimmige Gesang und die satten Bläserarrangements. Ein Debut-Longplayer ist in Vorberei-tung. (53:02) THE HOTKNIVES aus dem südenglischen Brighton sind zwar schon seit 1984 in der Ska-Szene bekannt, haben mit "home" aber erst ihr viertes Al-bum veröffentlicht. Traditioneller Ska läßt sich in ihren Songs kaum erkennen; vielmehr wird der Ska-Sound der späten 70er und frühren 80er mit dem Brit-Pop der 90er fusioniert. Diese einzigartige Mi-schung ist äußerst tanzbar und klingt heute frischer als je zuvor. Viel besser als MADNESS ! (49:32) THE BUTLERS machen ebenfalls ihre eigene und einzigar-tige Mischung auf Grundlage des Ska. Auf "Trash for cash" crosso-vern die Berliner Ska und Soul und bedienen sich bei Funk, Beat, Rock, Pop, Punk und Jazz. Geco-vert werden "These boots are ma-de for walking", "You can get it" und "Painted black". Und tanzbar ist diese geniale Party-Mucke natürlich auch - Geheimtip ! Wo wir gerade bei Crossovern mit Ska-Anteil sind: Zumindest bei drei von sieben Liedern der neuen CD "Make up your mind" von FIDDLERS GREEN durchdringt der Offbeat den Sound der sechs Erlanger Speed-Folk-Rocker. Von den sieben Songs sind allerdings nur drei neu, die restlichen vier sind Live-Aufnahmen älterer Stü-cke. Am 5.12. im Bahnhof Lan-gendreer. (25:45) BLYTH PO-WER haben jetzt ihr siebtes Al-bum in zwölf Jahren veröffent-licht. Auf "Out from under the king" ist wieder ´mal die typische englische Mischung aus Folk und Punk zu hören, die wohl niemand so gut vertonen kann, wie BLYTH POWER. Der Gitarrist John Ru-therford, der seit dem letzten Al-bum dabei ist, hat übrigends zuvor ein Angebot von EXPLOITED abgelehnt - gut so ! (52:45)

#12:

Da ist wirklich ein dickes Ding: DR. RING-DING aus Münster und H.P. SETTER aus der dortmunder Nordstadt haben sich zusammengetan und mit "Big T'ings" ein absolut hervorragendes Dub-Album 'rausgebracht; was eigentlich wenig verwunderlich ist, denn der Dortmunder zählt zu den renommiertesten Reggae-Produzenten in Deutschland und der Doc aus Münster ist wohl der zur Zeit angesagteste Sänger und Posaunist im Ska- und Rocksteady-Sektor hierzulande. Die Grundlage für "Big T'ings" bilden Aufnahmen von JIN JIN, BOUND HEAVEN, GÖTZ ALSMANN und DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS. Hinzugefügt wurden unter der Regie von SETTER die neuen Texte, Posaune und Melodika von RING-DING. Das Resultat ist eine richtungsweisende Dub-Scheibe mit einem unvergleichlich satten Sound, die zeitgemäß und zugleich traditionsbewußt ist. Gibt's u.a. beim Mixmaster himself: T'Bwana Sound, Schleswiger Str. 19, 44145 DO. (48:40) Moderne jamaicanische Musik machen auch MOTHER'S PRIDE aus Berlin, die nach einer EP, div. Samplerbeiträgen und ihrem Album "Bullshit" nun endlich ihren zweiten Longplayer nachgelegt haben. "Take That!" ist eine begnadete Weiterentwicklung des traditionellen Ska-Sounds, der selten so abwechselungsreich und tanzbar ist, wie hier. Aus mehrfacher eigener Erfahrung (s. WirrWarr # 9) kann ich bestätigen, daß die berliner Big-Band live die absoluten Abräumer sind. (54:08) Aus Berlin kommen ja bekanntlich auch DIE ÄRZTE und die TERRORGRUPPE, die auf der sehr treffend betitelten Mini-CD "Rockgiganten vs. Strassenköter" sich jeweils zweimal gegenseitig covern. Mein erster Eindruck war, daß die Rockgiganten Lieder von der TERRORGRUPPE verhunzen dürfen und sich die Strassenköter mit dem Songmaterial der ÄRZTE herumschlagen müssen. Dieser Eindruck hat sich allerdings nur bei der ärztlichen Zeitlupen-Bombast-Version von "Rumhängen" bestätigt, die nur (ein bißchen) lustig ist, wenn man das Original kennt. Ansonsten gibt´s hier dreimal guten eingängigen deutschsprachigen Punk-Rock, was hauptsächlich der TERRORGRUPPE zu verdanken ist, die nämlich ein gutes Händchen bei der Auswahl der ÄRZTE-Songs bewiesen hat. (13:55) Deutsch-Punk eines ganz anderen Kalibers machen EISENPIMMEL, die auf ihrer CD "Alte Kacke" mehr oder weniger alte Kacke zusammengestellt haben. Die DuisburgerInnen beherrschen wohl wie keine andere Band die perfekte Kombination von anspruchsvollen persönlichen und sozialkritischen Texten, was allein schon durch Songtitel, wie "Ich halt den Männern die Stange", "Komm mal lecker unten bei mich bei", "Staat hau ab" oder "Ich mach Anarchie" eindrucksvoll deutlich wird. Mit ihrem bisherigen Gesamtwerk hängen EISENPIMMEL die Meßlatte der politischen Korrektheit wieder ein kleines Stückchen höher. (40:44)
JIMMY KEITH & HIS SHOCKY HORRORS vom westlichen Ruhrstrand haben es irgendwie geschaft, Prominente wie NIKKI SUDDEN und JEFF DAHL als Gastsänger für einen Song auf ihrer neuen Platte "Coma Beach" zu gewinnen. Die Platte überzeugt insgesamt durch melodischen aber druckvollen Surf-Punk, der gelegentlich an SOCIAL DISTORTION zu ihren besten Zeiten erinnert. (34:16) Die THREE O'CLOCK HEROES waren kürzlich mit PETER AND THE TEST TUBE BABIES auf Tour und haben bei der Gelegenheit mit ihrer Mischung aus melodischem 77er Punk und Beat für jede Menge Begeisterung gesorgt. Besonders hervorzuheben ist allerdings der Gitarrensound, der streckenweise die Genialität des "The Mating Sounds Of South American Frogs" Albums von PETER AND THE TEST TUBE BABIES erreicht, was besagter Band selbst leider nicht mehr so ganz zu gelingen scheint. Auf ihrer neuen 4-Song-CD "Over The Dump" widmen sich die drei Frankfurter außerdem mit einem Song liebevoll der KELLY FAMILY. (13:55)
Die vor fast zwanzig Jahren gegründete bielefelder Punk-Legende NOTDURFT hat nach ihrem selbstbetitelten Album von 1982 erstmals wieder eine Platte veröffentlicht. Mit "Junge Liebe in Gefahr" knüfen sie fast nahtlos an ihr hervorragendes Debut an, das durch gute Texte und abwechselungsreiche Mucke aus der Masse der Deutsch-Punk-Combos herausragte. Das gleiche gilt für die neue Scheibe, von der sich so mancher Newcomer einiges abgucken kann: Hervorragender, melodischer und abwechselungsreicher Punk-Rock inkl. 'ner BEATLES-Cover-Version ("Help"). Das gesuchte Debut-Album ist übrigends auch wieder erhältlich. (45:18, 30:56) Eine ähnliche Bandgeschichte haben MAJOR ACCIDENT, die sich 1977 in Nordengland gründeten und sich zehn Jahre später wieder auflösten, um sich schließlich Anfang 1995 wieder zu reformieren. Ihr aktuelles Album "The Ultimate High" ist die melodischste und vielseitigste Oi-Punk-Scheibe, die ich seit langem gehört habe. COCK SPARRER und Konsorten lassen grüßen. (47:36)
Die YETI GIRLS, die ja eigentlich weder Schneemenschen noch Mädchen sind, haben ihr neues Album "Kitty Train" zunächst nur als LP (bei Ihrem alten Label) veröffentlicht. Das digitale Format erscheint erst Ende Februar bei einer Major-Company, die wohl erkannt hat, daß der zuckersüße Pop-Punk mittlerweile bravo-kompatibel bzw. massentauglich geworden ist, was m.E. ansatzweise von einer allgemeinen geschmacklichen Verbesserung der Musikkonsumierenden zeugt. Musikalisch fällt der Wechsel zur Industrie jedenfalls nicht negativ auf. Gecovert wird übrigends "Material Girl" von MADONNA. Die Vinyl-Ausgabe gibt´s nur auf Konzerten und bei ihrem alten Label (0211/719493). Garantiert nicht massentauglich ist dagegen die neue Scheibe von BOTTOM 12. Das Septett aus Hollywood mit zwei Schlagzeugern und zwei Bläsern hat (nicht nur) mich schon vor einem Jahr im FZW mit ihrem unvergleichlichen Wahnsinns-Sound beeindruckt. Auf dem Ende Februar erscheinenden neuen Machwerk "Balderdash" werden wieder Hardcore mit Noise, Freejazz und andere Klängen zu einem innovativen, abwechselungsreichen und teilweise brachialen Sound kombiniert. (66:56)
Nach der in der letzten Ausgabe erwähnten Mini-CD "Make Up Your Mind" haben FIDDLER'S GREEN jetzt wieder einen Longplayer veröffentlicht, auf dem die sechs Erlanger wieder ihren vielseitigen Speed-Folk zelebrieren. Mit "On And On" wird die hauptsächlich aus Akademikern bestehende Band ihr selbstgestecktes Ziel (Platz 99 der Albumcharts) vermutlich erreichen können. (54:56)

 

#13:

Im Januar waren die legendären SKAOS im FZW und haben ihre neue CD "Ham & Eggs" vorgestellt. Die sieben Augsburger haben zwar schon gegen Ende der 80er Jahre zwei LPs veröffentlicht, sich aller-dings später aufgelöst und bringen nun erstmals seit ihrer Reunion 1995 wieder eine Studioplatte ´raus, die locker an ihre früheren Erfolge anknüpfen kann. Eine brilliante Gratwanderung zwischen schnellen Two-Tone-Songs und traditionellen Ska-Stücken mit Reggae-Einflüssen und einem beeindruckenden Turbo-Gebläse. Im FZW haben sie einem begeisterten Publikum klar gemacht, daß sie momentan die beste Ska-Band hierzulande sind. (51:55) EL BOSSO & DIE PING PONGS zählen auch zu den hervorra-genden deutschen Ska-Bands, die sich zwischenzeitlich (1993) getrennt und - leider nur für eine Tour Ende 1996 - wieder zusammengefunden hatten. Deshalb gibt´s auch keine neuen Aufnahmen der Müns-teraner; dafür aber ihr gesamtes Material auf einer CD. Die Scheibe mit dem aufschlußreichen Titel "Komplett!" enthält beide Alben, ein bisher unveröffentliches Lied und einige Samplerbeiträge der ersten deutschsprachigen Ska-Band. Mit dabei ist bzw. war auch Prof. Richie alias DR. RING DING, der sich damals allerdings noch auf Posaune und Chorgesang beschränkt hat. Insgesamt 21 mal genialer tanzbarer Party-Ska ! (74:11) Die beiden Sänger und Posaunisten von SKAOS und DR. RING DING haben bei "History Book", einer Zusammenstellung mit 19 Songs der letzten fünf Alben der TOASTERS, ihre Finger mit im Spiel gehabt. Mad Wolley hat das Cover gestaltet und Prof. Richie die Stücke ausgesucht. He-rausgekommen ist dabei natürlich ein absolut hörenswerter Überblick über das vielfältige Schaffen der herausragenden New Yorker Ska-Combo. Kraftvoller 2Tone-Ska, groovige Reggae- und Rocksteady-Beats - alles dabei ! (61:38)
Den Auftritt von BUTTERMAKER - der ostwestfälischen Antwort auf REX GILDO und BEATLES - im Subrosa habe ich leider verpaßt; seine neue CD "Sexy wie Elvis" ist allerdings auch ziemlich kultver-dächtig. Von Schlager-Balladen bis Rock´n´Roll wird so einiges mit autobiographischen Texten verse-hen, die einen tiefen Einblick in die Welt des passionierten Mofafahrers erlauben. Auf seiner zweiten Platte wird Butti u.a. von einem gewissen Tex Morton (CHAINSAW HOLLIES) und zwei Leuten von FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE unterstützt. Live spielt er allerdings nach wie vor solo zu seinen 4-Spur-Tapes. (40:44) Ein Vorbild von BUTTERMAKER ist vermutlich der großartige KING ROCKO SCHAMONI, der seine gesuchten Platten "Liebe kann man sich nicht kaufen", "Eversex" und "Vision" unter dem Namen "Die frühen Werke des Monsieur 70 Volt" als CD veröffentlicht hat. Dazu gibt´s noch zwei bisher unveröffentlichte Lieder und den Hit "Hallo, ich bin Rocko Schamoni" von 1986. KING ROCKO SCHAMONI ist der "Tiger in der Nacht", er ist der "Teufel auf zwei Rädern" und der wahre König der Subkultur ! (53:34) Neben den TOTEN HOSEN und den MIMMIS sind die PANHANDLE ALKS die dritte Band, die aus der düsseldorfer Punk-Legende ZK hervorgegangen ist. Anläßlich des 15jährigen Bandbestehens werden die beiden ersten Platten auf einer CD unter dem unmißverständli-chen Titel "Düsseldorf Straight Alk-A-Billy" herausgebracht, auf der eine ungewöhnliche Mischung aus Rockabilly und Country mit deutschen Texten zu hören ist. (45:24)
Auf dem High-Speed-Folk-Sektor sind drei bemerkenswerte Veröffentlichungen zu vermelden. IN SEARCH OF A ROSE mischen auf ihrem zweiten Album "Fresh Lotus Surprise" wieder ´mal traditionel-len irischen Folk mit Pop, Rock und ´ner Portion Punk. Wer frischen und kraftvollen Folk mag, sollte sich die sechs Ostwestfalen in der Open-Air-Saison nicht entgehen lassen. (27.06.: Iserlohn, 19.07.: Her-ne) (48:15) Ein etwas größerer Punk-Einfluß läßt sich auf der neuen Scheibe von ACROSS THE BORDER ausmachen, deren Titel "Crusty Folk Music For Smelly People" keinen Zweifel an der Musikrichtung läßt. Die LEVELLERS und POGUES haben Spuren hinterlassen. (58:43) Eine etwas andere Mischung aus Folk und Punk machen MUTABOR, die ich vor einem Jahr in Berlin im Franz-Club live gesehen habe. Damals konnte ich mir allerdings nicht vorstellen, daß dieser deutschsprachige Blockflötenpunkrock ´mal von einem ziemlich bekannten Major veröffentlicht wird. Die Lieder auf ihrem selbstbetitelten Debut sind überwiegend recht schnell und klingen durch die Kombination von verzerrten Gitarren und lieblichen Blockflötentönen mit deutschspachigen Texten recht eigentümlich. (44:55)
FEMALE TROUBLE haben eine wunderschöne Single aus gelbem transparenten Vinyl mit einem sehr ansprechenden Hochglanzcover herausgebracht. Auch hier läßt der Titel "Punk As Fuck" keine Zweifel an der Musik aufkommen. Sehr powervoller und dreckiger Punk, den die Damen aus der Hauptstadt hier abliefern. Auf der B-Seite wird der AGENT ORANGE-Klassiker "The Last Goodbye" nach Art des Hauses gecovert. Die SILLY ENCORES aus Düsseldorf haben nach ihrem Debut nun "Jaguar Zebra" ´rausgebracht, ein Album, auf dem über eine Stunde lang überwiegend melodischer und rockiger Punk zu hören ist, der stellenweise an LEATHERFACE und UPRIGHT CITIZENS erinnert; ein Lied klingt sogar ein bißchen nach STOPPOK. Im Gegensatz zum überflüssigen (prollrockigen) KISS-Cover "Talk To Me", kommt "Seasons In The Sun" als Punk-Version allerdings recht gut. (68:34) RENT A COW aus dem nahe gelegenen Duisburg haben jetzt ebenfalls nach ihrer Debut-Scheibe eine neue Platte nachgelegt. "High Noon In Wanker County" heißt das Teil, doch die Westerneinflüsse halten sich bei der Band um den Sänger von JIMMY KEITH AND HIS SHOCKY HORRORS in Grenzen. Stattdessen gibt´s hauptsächlich geradlinigen und schnörkellosen Punkrock. Gecovert werden übrigends "Bad Moon Rising" von CREE-DENCE CLEARWATER REVIVAL und "Turned Traitor For A Piece Of Tail" von NINE POUND HAM-MER. (20:50) KICK JONESES bestehn zu vier Sechsteln aus ehemaligen Bandmitgliedern von WALTER ELF, die teilweise auch bei den SPERMBIRDS mitgespielt haben. Ihr Album "Streets Full Of Idiots" und die EP "Wer hat in mein Bier gepißt?" klingen dementsprechend: Grandioser melodischer Pop-Punk mit einigen Hardcore-Einsprengseln, der zwar völlig eigenständig ist, neben den beiden genannten Bands aber auch gelegentlich an MOVING TARGETS und DESCENDENTS erinnert. Sehr schön ist auch das Plattencover vom Titanic-Zeichner Bernd Pfarr. Die sechs Kaiserslauterner sind zur Zeit offensichtlich mit großem Abstand die beste Band auf diesem Sektor; lediglich die Cover-Versionen ("Safety Dance" und "Glass Of Champagne") wären nicht nötig gewesen, da sie viel zu originalgetreu klingen. Insgesamt aber zwei wirklich überragende Platten ! Das gleiche gilt auch für das Debut von RANTANPLAN "Kein Schulterklopfen (Gegen den Trend)", auf dem die sieben Hamburger problemlos auf BILLY BRAGGs "New England" hätten verzichten können, denn der Rest des Albums ist absolut hervorragend. Die Band, an der auch der Sänger von ...BUT ALIVE beteiligt ist, kombinieren melodischen Punk mit groovigem Ska und wirklich inteligenten Texten; eine phantastische Mischung ! (38:37)
Viele Leute, die mitte März wegen MARKY RAMONE ins FZW gekommen waren, hatten die Gele-genheit, einen Auftritt von SEESAW mitzuerleben. Als ich noch darüber nachdachte, ob die Band wohl eher aus Washington D.C. oder Boston kommt, wurden diese Überlegungen durch eine deutschsprachi-ge Ansage zunichte gemacht. Die vier klingen zwar nach einer genialen Mischung aus FUGAZI, BUF-FALO TOM und vielleicht noch DINOSAUR JR, NEIL YOUNG oder LEMONHEADS, kommen aller-dings aus Hanau. Auch auf ihrer CD "Gas Food Lodging" ist brillianter gitarrenbetonter Post-Punk/Core zu hören, der sich trotz umfangreichem "Namedropping" keineswegs wie ein Plagiat anhört. (42:31) Reichlich prominente Namen werden auch regelmäßig angeführt, um den Sound von SLICK aus Berlin zu beschreiben. Wer wissen möchte, wie HÜSKER DÜ, NIRVANA und MONSTER MAGNET unter ei-nen Hut zu kriegen sind, sollte in die neue CD "Electric Bäbyländ" ´reinhören. Brachiale elektrische Rockmusik zwischen Noise und Melodie, die internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. (41:39) Geographisch von SLICK weiter entfernet als musikalisch sind die MIRACLE G(Y)RLZ, hinter denen sich keine Girlie-Band, sondern zwei in Papua Neu Guinea geborene Halbfinnen und ein Litauer verbergen. Auf ihrer neuen Platte "Candy´s Hardware Bazaar" werden neben Punk- und Noise-Elementen, die immer wieder von kleinen Melodien durchzogen werden, auch verschiedenste andere Instrumente und Geräusche geschickt eingesetzt. Der Sänger erinnert an Hannes von den PHANTOMS OF FUTURE. (45:53) Daß ELÄKELÄISET ebenfalls aus Finnland kommen, dürfte sich inzwischen schon bei vielen herumgesprochen haben, zumindest bei denen, die die unglaubliche Band live gesehen ha-ben. Die neue Platte der vier Finnen "In Humppa We Trust - Live" ist im letzten Jahr in Erlangen und beim Roskilde Festival in Dänemark (vor über 10000 Leuten) aufgenommen worden. Wie immer werden hauptsächlich bekannte Songs aus den letzten Jahrzehnten der Musikgeschichte gecovert, allerdings in einer Art und Weise, die das Erkennen des Originals ziemlich erschwert. Wer sich die Tour im Sommer entgehen läßt, ist selbst Schuld. Ab Oktober ist übrigends ein Kinofilm "Humppa the movie" geplant - ich bin gespannt ! (62:11)
Auch in diesem Jahr gibt´s wieder einen Label-Sampler aus dem Hause NRW. Naheliegend, daß die CD "NRW 1997" genannt worden ist. Diesmal dabei sind z.B. YOUR FINEST DROPS, die einigen Leu-ten als Ruhrrockgewinner, Vorband der CRANBERRIES oder MitstudentInnen bekannt sein dürften. Au-ßerdem zu hören: ATOMOPEL, MIDGARD, WILL O`THE WISP, RED JACK und wieder ´mal L.A.N.E., ERDMÖBEL, CARNE und BILLY RUBIN sowie einige andere. Insgesamt wieder eine sehr bunte Mi-schung von Pop bis Metal aus Nordrhein-Westfalen (54:47) Bunt gemischt, allerdings aus Süddeutsch-land, ist auch die Veröffentlichung mit dem Titel"THE NÜRNBERG DOLPHIN ORCHESTRA". Hierbei handelt es sich um Aufnahmen unterschiedlichster Bands, bei denen die Gesangsparts (bis auf eine Aus-nahme) ausschließlich von zehn Delphinen des Delphinariums in Nürnberg übernommen worden sind. Die musikalische Bandbreite reicht von Punk ("De(zi)bil Dolphin" von D.N.S.) über Dub und Reggae ("Raggadolphin" von den TOXIES) bis hin zu Techno ("Death Of A Dolphin" von XQ); und das in Ver-bindung mit den sehr hohen Pfeiftönen der Meeressäuger - sehr ungewöhnlich und interessant ! (61:23)

 

Caleidoscop 1993:

GIRLS AGAINST BOYS
"Tropic Of Scorpio"
Adult Swim Rec./EFA
JAWBOX
"Novelty"
Dischord Rec./EFA
CIRCUS LUPUS
"Super Genius"
Dischord Rec./EFA

Hinter diesen noch recht unbekannten Namen verbergen sich drei relativ junge Bands, in denen jede Menge "Prominenz" aus der washingtoner Szene mitmischt. Nachdem GIRLS AGAINST BOYS zunächst als reines Studioprojekt von SOULSIDE-, FUGAZI- und FIREPARTY-Leuten begann und die "Nineties Vs. Eighties" EP einspielte, hat sich daraus eine Band entwickelt, die zu ¾ aus SOULSIDE-Bandmitgliedern besteht. Bei JAWBOX ist es Jay Robbins (Ex-GOVERNMENT ISSUE) und bei CIRCUS LUPUS Chris Thompson, der ehemalige Sänger von IGNITION, die die Bands nicht unentscheident prägen. Die drei Bands machen jedoch nicht nur da weiter, wo SOULSIDE, GOVERNMENT ISSUE und IGNITION aufgehört haben, sondern schaffen sich ihre eigene musikalische Identität. GIRLS AGAINST BOYS sind noch ´ne Ecke experimentiertfreudiger und vielseitiger als SOULSIDE es jemals waren und setzen auch schon mal exotisch anmutende Instrumente ein. Auf eingängige und schnörkellose Hardcoresongs folgen oft überraschend komplexe, einfallsreiche und jazzige Titel. Dagegen wirken CIRCUS LUPUS vergleichsweise puristisch und homogen, aber trotzdem nie langweilig. Ihr Debut ist voll von rohen, harten, kraftvollen und eigenständigen Songs. Wesentlich melodischer ist die zweite Platte von JAXBOX, die durchaus mit ihrem hervorragenden Vorgänger mithalten kann. Abwechselungsreicher geiler Gitarrencore, zum Teil mit Ohrwurmqualitäten und ziemlich hitverdächtig. GIRLS AGAINST BOYS, CIRCUS LUPUS und JAWBOX klingen zwar für washingtoner Hardcore-Bands nicht völlig ungewöhnlich, dennoch sind Vergleiche mit FUGAZI, vor denen sich die Drei bestimmt nicht verstec ken müssen, ziemlich überflüssig. Hardcore trifft Indie-Rock und begeistert !

 

HAPPY HOUR
"Sugar And Spice"
RESISTORS
"Pain & Passion"
DÅY HØUSTEN
"Debut"
We Bite Records/SPV

Ich weiß nicht, wer diese Lawine dreckiger harter Rockmusik losgetreten hat, aber jetzt scheint sie ganz schön ins Rollen geraten zu sein. Allerdings spielten Happy Hour Ende Mai im FZW nur vor gut einer handvoll Zuschauern zum Tanze auf. Es muß wohl am sonnigen Wetter gelegen haben, denn so ganz unbekannt sind die Berliner in der Szene nicht. Ihre Wurzeln liegen klar im Hardcore. Auf der neusten Platte geht es jedoch ganz schön rockig zur Sache. Tonangebend sind Melodie und Lärm - sugar and spice. Manche nennen es "Street Rock'n'Roll" und liegen dabei gar nicht 'mal schlecht. Egal wie ihr es nennt, mir gefällt's. Auch die Resistors präsentieren sich auf ihrem zweiten Album rockiger, geradliniger und langsamer, dabei aber auch brachialer und kraftvoller. Ähnlichkeiten mit Danzig sind wohl nicht ganz zufällig. Um ein Plagiat handelt es sich hier aber bestimmt nicht. Auf jeden Fall 'ne coole Scheibe zum Abrocken ! Dåy Høusten kommen nicht, wie es die Schreibweise ihres Namens vermuten lassen würde, aus Skandinavien, sondern aus Süd-Deutschland. Sie beackern das weite Feld der Rockmusik der letzten Jahrzehnte. Deep Purple und ZZ Top scheinen an dieser Combo nicht spurlos vorrüber gegangen zu sein. Das Resultat klingt recht überzeugend: Abwechselungsreicher Hardrock der 90er. Für alle drei Platten gilt: Geiler Rock, kein Metal !


TWO-BIT THIEF
"Gangster Rebel Bop"
We Bite Rec./SPV

Die Band um Sänger und Gitarristen Andy Andersen ist aus der mehr oder weniger bekannten Hardcore-Crossover-Band Attitude hervorgegangen, denen vermutlich ihre eigene Musik zu langweilig geworden ist. Unter neuem Namen spielt die Band seit 1989 Rock´n´Roll, der erfreulicherweise mit konservativen Spielarten dieser Richtung (s. Cover) nicht das Geringste zu tun hat. Auf der nunmehr zweiten Platte werden, neben Rock-, Sleaze-, Punk- und Hardcoreeinflüssen auch Blues- und Westernelemente zu einer witzigen, coolen und abwechselungsreichen Mischung verarbeitet. Mit "Hang ´Em High" und "Preacher´s Son" liefern die Rock´n´Roller aus San Francisco die besten Western-Songs seit "Gone To Texas" von den Godfathers ab. Bei "Preacher´s Son" war übrigends Chris Marvin, der Sohn von keinem anderen als Lee Marvin im Studio am Schlagzeug ! "Out Of This Town" erinnert ein wenig an Nirvana, "On Parole" stellenweise an Adolescents. "One Of The Boys" zollt Rose Tattoo Tribut. Der Rest ist auch nicht schlechter. Die Scheibe könnte für eine Definition von Street-Rock´n´Roll im weiteren Sinne herhalten, wenn überhaupt für solche Definitionen ein Bedarf bestünde. Ich ziehe es allerdings vor, mir die Band live anzusehen; Two-Bit Thief kommen voraussichtlich im Dezember in Deutschland auf Tour.

 

EA80
"Schauspiele"
- Eigenproduktion und -vertrieb -

Die Band aus Mönchengladbach paßt absolut nicht ins Punk-Klischee der schnorrenden Schmuddelpunks. Dafür machen sie aber, wie es sich für eine richtige Punk-Band gehört, ihre Platten in Eigenregie und verkaufen ihre CD´s zum gleichen Preis wie die Lp´s, und zwar für schlappe 15,- Mark. Zehn Jahre nach der ersten EP haben EA80 nun ihre sechste LP veröffentlicht, auf der wieder ´mal keine grundlegenden Neuerungen zu hören sind, was die meisten ihrer Fans wohl vermutlich kaum stören wird, denn der EA80-spezifische Sound vermag immer noch zu faszinieren. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Traurigkeit und Aggressivität. Depressive Stimmungen werden erzeugt und anschließend wieder durch impulsive und energiegeladene Songs zerstört. Die persönlichen, ehrlichen, entlarvenden, abrechnenden und manchmal schon sehr merkwürdige Texte sind nicht nur obligatorisches Beiwerk zur Musik, sondern tragen entscheidend zu den Qualitäten der besten, unkommerziellsten, intelligentesten und überhaupt geilsten Punk-Band Deutschlands bei, die bei soviel Lob bestimmt erröten würde.
Wolfram

 

Trierischer Volksfreund 2000

PHANTOMS OF FUTURE
"../inside/outside" CD

Die PHANTOMS OF FUTURE laden auf ihrem siebten Album wieder zu einer spektakulären Reise in ihren ganz eigenen außergewöhnlichen Kosmos ein. Sie werfen erneut einen gewagten Blick in die Zukunft und lassen das Traumhafte bereits in der Wirklichkeit beginnen.
Nachdem sich die Band aus Dortmund sich viele Jahre im Untergrund bewegt und mehrere Indie-Produktionen herausgebracht hatte, konnte sie seit Mitte der 90er Jahre endlich mit zwei Major-Alben und mehreren Video-Clips gewisse Chartserfolge verbuchen.
Seit ihrer Gründung haben sich die Phantoms Of Future vielen musikalischen Strömungen geöffnet und sich dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Auch auf "../inside/outside" wird diese Entwicklung konsequent weitergeführt. Eigentlich heterogene Musik-Spektren von Punk über Techno bis hin zu Psychedelic und Big Beat verschmelzen zu einer unverwechselbaren Einheit. Textlich werden die Abgründe der Seele in all ihren Spielarten des Verruchten und Extremen erbarmungslos ausgelotet.
Neben zehn neuen Songs beinhaltet die Mitte April erscheinende CD zwei neue Versionen von älteren Stücken der PHANTOMS sowie Coverversionen von THE DOORS ("Riders In The Storm") und SUPERMAX ("Love Machine"). Demnächst folgt eine Clubtour mit 35 Auftritten im In- und Ausland folgen. Der Auftritt am 20.04. in Rüsselheim (Das Rind) ist zwar räumlich gesehen der naheliegenste, aber wer schon mal die mitreissende Show der charismatischen Sängers live erlebt hat, wird sicherlich auch diese Anreise nicht scheuen.