T.A.S.S.

Die Band T.A.S.S. besteht seit etwas über einem Jahr in der Besetzung The Voodoo, Dr. Rabe und Collier. Vorher haben der Rabe und Voodoo sieben Jahre lang bei BOA gespielt. Collier hat u.a in den USA bei 37 TARGETS und THE WATERBOYS Schlagzeug gespielt. Ihr Debut "Maniafesto" ist vor kurzem erschienen. Das folgende Interview fand am 23. Februar mit The Voodoo statt.

Seid ihr mit "Maniafesto" zufrieden ?
Ja, sehr. Es ist genauso laut und aggressiv, wie wir uns das vorgestellt haben.
Was heißt T.A.S.S. ?
Das heißt "The Apple And Snake Sensation". Wir fingen mit dem Namen an, als wir noch eher songorientiertes Material geschrieben haben. Von diesen langen und typisch deutschen Wortspielereien wollten wir dann aber wegkommen und so kam diese Abkürzung. Es macht auch Sinn, da wir viel mit sowjetischen oder sozialistischen Emblemen arbeiten. Wir haben diese Richtung verinnerlicht.
Was verbindet euch mit dem Sozialismus ?
Uns hat sehr angesprochen, daß der sowjetische Neorealismus unheimlich plakativ war und mit verschieden Symbolen gearbeitet hat. Außerdem kann man an den Texten auch sehen, daß wir politisch ziemlich links stehen. Das ließ sich dann auch gut verbinden, weil die politische Haltung so von vornherein sehr offensichtlich wird. Wir sind aber auf keinen Fall Jünger des Sowjetkommunismus, das merkt man eindeutig an unseren Texten. Das einzige musikalische Zitat an diese Geschichte ist ganz am Anfang der Platte die "Hymne der demokratischen Weltjugend" aus den 40er Jahren.
Es gibt ja dieses Schubladendenken. Wir würdet ihr eure Musik umschreiben ?
Es ist genauso schwierig, wie es früher auch schon der Fall war, die BOA-Musik zu umschreiben. Da sind sehr viele verschiedenen Stilelemente drin. Die Basis ist bei den meisten Stücken relativ tanzbarer Beat. Das resultiert daraus, daß wir drei Schlagzeuger sind. Gitarren kommen vom Metal und vom Punk. Wir stehen ziemlich auf Punk.
Ist BOA wirklich so´n Arschloch, für das man ihn in Dortmund gerne hält ?
Da möchte ich eigentlich nicht mehr großartig drauf eingehen, weil wir in der Post-BOA-Phase ziemliche Schwierigkeiten mit ihm hatten. Wir sind jedenfalls nicht als gute Freunde auseinander gegangen. Das war aber auch eine Entwicklung. Es ging eigentlich richtig los als der liebe Philipp gesehen hat, daß wir auch ohne ihn ohne weiteres ´ne Band und gutes Material auf die Beine stellen können. Wir hatten aber auch sieben verdammt gute Jahre zusammen, die man ja auch nicht vergessen soll.
Warum habt ihr 'Califorina Über Alles' von den DEAD KENNEDYS gecovert ?
Wir stehen ziemlich auf die Texte von Jello Biafra. Die Songs gefallen uns auch ziemlich gut. Irgendeine Coverversion wollten wir ganz gerne machen und das bot sich an, da Collier uns ein bißchen aus amerikanischer Sicht darüber informiert hat, wie die Texte von Jello Biafra in den USA aufgenommen werden, wie dort Zensur eingesetzt wird und wie es mit seinen Prozessen gelaufen ist. Wir haben auch versucht den Mann zu kontaktieren aber da hat sich leider bisher noch nichts getan. Wir hätten eigentlich gerne gehabt, daß er das Stück auch selber singt. Auf der Platte ist das ein Sample, genau wie das "ever get the feeling, you ´ve been sheeted" von Johnny Rotten. Das sind einfach Zitate.
Auf dem Innencover wird in diesem Zusammenhang auch AINUK THE ESKIMO erwähnt. Wer ist das ?
Das ist ein ´ne Cassettenaufnahme von ´ner Band aus Minsk. Die arbeiten mit ganz komischen Leuten und obskuren Instrumenten. Auf der Aufnahme war dieser AINUK mit drauf. Das ist ein Eskimogesang, den wir umgedreht haben. Der läuft bei uns rückwärts.
Warum habt ihr die Basics der Platte in Berlin, Birmingham (Alabama), Dublin und Minsk aufgenommen ?
Das liegt zum einen daran, daß Collier ziemlich viel Material aus seiner Heimatstadt Birmingham mitgebracht hat. Einige Samples, z.B. dieses "call me now !", sind von dem Erwachsenenkanal Channel 9 aus New York. Die Sachen aus Minsk sind von der Band ZATIPO und dem Mädchenchor, mit denen wir auch zusammengearbeitet haben. In Dublin waren wir mit Jeff (Collier) und haben da ein paar 8-Spur-Aufnahmen gemacht, als er dort noch wohnte.
Was ist das für ´ne Band in Minsk ?
Die machen ´ne ganz obskure Mischung aus russischer Folklore, Jazz usw.. Wir haben die bei einem Festival getroffen. Sie mußten ihren klapprigen VW-Bus reparieren lassen und wir kannten jemanden, der das billig machen konnte. Dann waren die bei uns in Dortmund im Studio und haben ein paar Sachen eingespielt. Das ergab sich so.
Auf eurer Platte finden sich die beiden Sätze: "Die Lust an der Provokation ist die Seele der künstlerischen Intention" und "Provokation ist berechtigt und notwendig". Was glaubt ihr, mit Provokation erreichen oder verändern zu können ?
Provokation liegt schon allein darin begründet, daß die Musik extrem laut aufgenommen ist, teilweise hart ist, ein bißchen over the top, mit ganz harten Brüchen usw.. Die Provokation ist unserer Meinung nach notwendig, wenn man Inhalte transportieren will, damit überhaupt jemand bei der heutigen Reizüberflutung noch zuhört. Du mußt immer an die Grenzen gehen, damit du überhaupt irgendwelches Aufregen erregen kannst. Wenn Du dich im Mainstream-Bereich aufhältst, hört dir kein Mensch mehr zu. Das plätschert einfach, du kommst vermutlich in Daytime-Radio, aber du kannst damit nichts mehr transportieren. Ein Großteil der Provokation wird sich noch in den Live-Auftritten herausstellen.
Was wollt ihr transportieren ?
Wenn du jetzt einen Text nimmst, wie "If You Don´t Like My Dog" zum Beispiel. Er bringt zum Ausdruck, daß das gesamte Zusammenleben der Menschheit mehr oder weniger auf Vorurteilen beruht, daß wirklich jeder irgendwo ein Feinbild hat. Ob das ein Feinbild ist, was du nachvollziehen kannst und unter Umständen sogar selber hast, oder ob es ein Feinbild ist, daß gegen dich selber gerichtet ist, das ist die Frage. Jeder hat irgend ein Feindbild gegenüber irgendeinem anderem.
Letztendlich dann also ein Aufruf zur Toleranz ?
Absolut. Und auch eben ein Aufruf der ja nun mal in die Zeit paßt, der im Augenblick leider auch sehr ausgeschlachtet wird. Das ist mittlerweile auch schon zum Trend verkommen. Du findest auf jeder neuen deutschsprachigen Platte das Lied gegen Rassismus. Das muß heute einfach auf einem guten Album mit vertreten sein. Für mich ist die Frage, ob das ehrlich ist oder Marketing. Dieses Problem gibt es doch schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Es wurde nur viel zu wenig dagegen getan. Erst wo die ganze Sache jetzt extrem wird, singen alle dagegen. Lange vorher hat sich niemand damit beschäftigt. Deshalb bin ich sehr voreingenommen, wenn ich solche Sachen von Mainstream-Leuten höre. Denen kann ich nicht so ganz trauen.
Wie sieht´s mit Live -Auftritten aus ?
Wir hatten noch keine, aber die sind geplant. Wir sind im Augenblick schwerstens im Proberaum und setzen unsere Songs mit Gastmusikern um. Mit den Samples wollen wir uns auch sehr reduzieren, es sollen keine Sachen von Band kommen. Dann gibt's noch diese Butterfahrt nach Österreich. Dort spielen wir in einem Salzbergwerk 600 m unter der Erde. Eine Tour soll es auf jeden Fall aber auch geben